Man redet über China auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA Mobility), die an diesem Dienstag (9. September) in München beginnt. BYD, Xiaomi, Xpeng, Hongqi – alle sind sie da, um neue Modelle und eine große Show zu präsentieren. Für die chinesischen Hersteller kann die Messe ein Sprungbrett nach Europa sein, wo sie im Vergleich zu ihrem Heimatland noch immer wenig Autos auf den Straßen haben. Und die USA? Ein machtpolitischer Gegenspieler auch in der Automobilindustrie? Eher nicht.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Tesla, 2023 noch mit einem eigenen Stand auf der IAA, ist nicht vor Ort. Vielleicht, weil es nichts zu präsentieren gibt, vermutet ein Kenner der Szene. Ein neues Modell hat der US-Elektroautobauer jedenfalls nicht in der Pipeline. Amerikanisch und vertreten auf der Auto-Show sind nach Angaben des ausrichtenden Verbands der Automobilindustrie (VDA) die E-Auto-Anbieter Eli Electric Vehicle und Lucid sowie Ford. Wobei der US-Konzern über seine deutsche Tochter das IAA-Ticket gebucht hat. Ford produziert unter anderem in Köln.

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Bauen die US-Autohersteller an den Bedürfnissen des deutschen Marktes vorbei?

Die Präsenz der US-Autobauer liege damit etwa auf dem Niveau der vergangenen Automobilausstellungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger – und das, obwohl die US-Firmen eigentlich seit Jahrzehnten an den Bedürfnissen des hiesigen Markts vorbeibauen.

„In Deutschland dominieren kompakte und mittelgroße Fahrzeuge, Kombis sowie effiziente SUVs, während großvolumige Modelle mit hohen Verbräuchen, wie sie US-Hersteller traditionell anbieten, durch die Kfz-Steuer auf Basis des CO₂-Ausstoßes und die anhaltend hohen Kraftstoffpreise erhebliche Kostennachteile aufweisen“, erklärt der Automobilexperte Stefan Reindl im Gespräch mit dieser Redaktion.

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Nur geringe Nachfrage nach in den USA produzierten Autos in der Bundesrepublik

Die geringe Nachfrage nach US-Autos zeigt sich auch in aktuellen Zahlen: Während deutsche Hersteller im vergangenen Jahr rund 450.000 Pkw in die USA exportierten, kamen lediglich 136.000 Pkw aus US-Fabriken nach Deutschland. In dieser Zahl sind aber auch Fahrzeuge enthalten, die deutsche Marken in ihren US-Werken gefertigt haben. Das eigentliche Marktvolumen originärer US-Marken sei also noch mal wesentlich geringer, so Reindl, der das Institut für Automobilwirtschaft (IfA) leitet. Die Zulassungszahlen von 2024 liefern Hinweise, wie schwer es die US-Cars im deutschen Markt haben.

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Ford erreichte 2024 nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zwar rund 99.500 Neuzulassungen, was einem Anteil von knapp 3,5 Prozent entsprach. Darin enthalten: Vor allem Modelle wie der Focus, der Kuga oder der Tourneo, die allesamt in europäischen Werken produziert werden. US-Modelle der Marke (Ford GT und Mustang) erreichten 2024 nur knapp 1900 Neuzulassungen. Auch Tesla – trotz zwischenzeitlicher Spitzenposition des Model Y bei Elektroautos – erreichte nur 1,4 Prozent Marktanteil (37.000 Neuzulassungen).

Experte sieht „Unbeliebtheit“ von US-Autos in Deutschland

Jeep landete bei 0,5 Prozent, auch Marken von General Motors wie Cadillac oder Chevrolet erreichten laut Reindl „praktisch keine Relevanz“. Insgesamt belaufe sich der Marktanteil der US-Anbieter auf deutlich unter sechs Prozent, „was die Unbeliebtheit im Vergleich zu deutschen, aber auch zu koreanischen oder japanischen Anbietern eindrücklich belegt“, so der Fachmann.

Ganz anders sieht Karl Geiger die Sache. Geiger, 66 Jahre alt, bekam vor gut 46 Jahren das erste Mal eine Chevrolet Corvette in die Finger. „In Einzelteilen, dann habe ich den Motor eingebaut und die V8-Faszination war da“, erzählt Geiger mit Blick auf die häufig großvolumigen Motoren der US-Marken. Geiger kennt sich wohl wie kein Zweiter mit dem Verkauf amerikanischer Autos in Deutschland aus. Ein Massengeschäft ist das freilich nicht: In der Spitze importierte Geiger mit seiner in München ansässigen Firma Geiger Cars gut 1000 Fahrzeuge im Jahr aus den Staaten, derzeit seien es eher 500 bis 600. Worin liegt die Faszination für die US-Autos? Da muss Geiger nicht lange überlegen.

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US-Autos: Händler sagt, was die Fahrzeuge ausmacht

Das „Amerika-Feeling“ fahre einfach mit. „Es ist viel Platz im Auto, alles ist funktionell und einfach, man muss nicht fünf Minuten überlegen, bevor man losfahren kann“, sagt er. Fahrzeuge wie der Pick-up Dodge Ram oder ein Cadillac-Escalade-SUV seien „einfach groß“. Man könne viel transportieren, viel anhängen und habe angesichts der Menge des verbauten Blechs „wohl auch eine kleine Lebensversicherung mit an Bord“.

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Führen Händler wie Geiger Autos ein, die von US-Herstellern in den Vereinigten Staaten gebaut werden, ist der Aufwand oft groß. Häufig erfüllen die Pkw vorgeschriebene EU-Standards nicht. Geiger und seine 20 Mitarbeiter bauen sie dann um. Meist müssen Position und Funktion der Blinker angepasst werden und die Nummernschildbeleuchtung nachgerüstet werden. Auch die EU-Richtlinien zu verpflichtenden Assistenzsystemen sowie Cybersecurity- und Softwarevorgaben erfüllen US-Fahrzeuge fast nie.

Trump machte Importzölle als Hauptgrund für Marktschwäche des US-Autos aus

US-Präsident Donald Trump hatte die bislang geltenden Zehn-Prozent-Importzölle als Grund für den nur geringen Erfolg von US-Autos in Europa ausgemacht. Völliger Quatsch, so Importeur Geiger. „Die zehn Prozent waren nie ein Problem“, sagt er. Denn viele Modelle seien im Vergleich günstiger als ähnliche Fahrzeuge aus europäischer Produktion. Trump hatte im Zollkrieg mit der EU zwar erreicht, dass bestehende Importzölle für US-Autos in Höhe von zehn Prozent vollständig entfallen. Doch bislang ist nichts passiert.

Der Effekt wäre wohl auch ohnehin begrenzt, schätzt Experte Reindl und verweist darauf, dass viele US-Marken ihre für den europäischen Markt relevanten Fahrzeuge längst in Europa herstellen. „Begünstigt wären allenfalls Importnischen wie Cadillac-Modelle oder Teslas Oberklassevarianten, nicht jedoch der Gesamtmarkt“, so Reindl.

IAA in München: US-Autohändler hat einen speziellen Wunsch

Grundsätzlich müssten die US-Autobauer für mehr Erfolg in Deutschland ihre Strategie ändern, glaubt der IfA-Direktor. „Erfolgreich sind in Deutschland vor allem kompakte und mittelgroße SUVs, effiziente Plug-in-Hybride mit einer hohen elektrischen Mindestreichweite sowie vollelektrische Modelle mit hoher Energieeffizienz und wettbewerbsfähiger Ladeleistung“, erklärt Reindl. Auch Kombis blieben für Flottenkunden und Privatkäufer relevant. „Eine Strategie, die sich auf solche Modelle konzentriert, könnte die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen“, mutmaßt er.

US-Importeur Geiger hofft in Bezug auf die diesjährige IAA auf eine ruhige Zeit. Vor vier Jahren, als die Autoschau erstmals wieder in München stattfand, wurde auch sein Betrieb Ziel von Attacken protestierender Anti-Auto-Aktivisten. „Da wollten sie uns die Hütte anzünden“, sagt Geiger – wohl auch mit Blick auf die hohen Verbrauchswerte der US-Fahrzeuge. Ihn und auch seine Tochter Pauline hat das nicht abgeschreckt. Die 25-Jährige will den Betrieb perspektivisch übernehmen und investieren: Ein neues Autohaus für die bulligen US-Modelle ist bereits in Planung.