Deutschland, eine Autofahrernation – allerdings gilt das nicht unbedingt für Elektroautos. Eine neue Studie des Center Automotive Research (CAR) im Auftrag der European Climate Foundation (ECF), die dieser Redaktion exklusiv vorliegt, bescheinigt den Deutschen eine „mangelnde gesellschaftliche Unterstützung“ mit Blick auf die Elektromobilität.

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Wirtschaft in Berlin

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„Kaufentscheidungen bei E-Autos hängen in Deutschland weniger von Technologie oder Klimabewusstsein ab, sondern maßgeblich von Förderpolitik,“ so die Autoren. Bedeutet: Gibt der Staat Geld, wächst der Absatz – ansonsten eher nicht. Dieses Jahr markiere nun eine „entscheidende Wegmarke“, heißt es. Ein Überblick über die Ergebnisse und was sie für Industrie, Politik und die Verbraucher bedeuten könnten.

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Verbraucher

Fehlende Alltagserfahrung hemmt die Kaufbereitschaft, so die Studie, die sich dabei auf Zahlen des Versicherers HUK-Coburg bezieht, wonach 70 Prozent der Deutschen noch nie ein reines Elektroauto gefahren sind. Wer bereits ein E-Autos gesteuert hat, bewerte die Technik positiver und sei auch eher bereit, umzusteigen. Die sogenannten Erfahrungslücke mache Angebote wie Probefahrten, Carsharing oder E-Dienstwagen strategisch wichtig. Bislang aber ist der private Anteil an E-Autos niedrig. Bei dem Versicherer lag er Ende 2024 bei nur drei Prozent – und damit auf dem Stand von etwa 2020.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 381.000 Elektroautos verkauft. Rund 27 Prozent weniger als noch 2023, was vor allem am Aus der Förderung lag, die der damalig Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wegen Haushaltlöchern kippen musste. Die Finanzhilfe aber habe „einen wesentlichen Kaufanreiz“ dargestellt.

Die CAR-Autoren plädieren nun dafür, diesen Umweltbonus wiederzubeleben. „Dieser sollte jedoch optimiert werden, um Mitnahmeeffekte zu reduzieren und vor allem den Ansatz bei Privatkunden stärker zu fördern“, heißt es. Größte Effekte würden mit Förderprogrammen in preissensitiven Segmenten (Kaufpreis: unter 25.000 Euro) erzielt werden, da Elektrofahrzeuge in unteren Preissegmenten stärker von Preisnachlässen profitieren würden. Zudem könnte über eine zielgerichtete Förderung einkommensschwacher Haushalte nachgedacht werden. Diese wäre „deutlich wirksamer als pauschale Prämien“.

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Produkte der Hersteller alleine genügten nicht, um insbesondere Privat-Kunden zu überzeugen, sagte Beatrix Keim, CAR-Direktorin und Mit-Autorin der Studie, dieser Redaktion. „Es ist dringend eine gemeinschaftliche Anstrengung unter Führung der Bundesregierung nötig, um der E-Mobilität in Deutschland ausreichend Dynamik zu verschaffen“, so Keim weiter. Dafür brauche es ein Maßnahmenpaket in finanzieller und kommunikativer Hinsicht. Das CAR empfiehlt in der Studie deswegen auch eine „breit angelegte, europaweite Kommunikationskampagne“, um die gesellschaftliche Akzeptanz alternativer Antriebe nachhaltig zu erhöhen.

Industrie

Die etablierten Hersteller in Deutschland stehen unter Druck. An Volkswagen zeigt sich, wie tiefgreifend die Krise ist: In den ersten drei Monaten dieses Jahres brach der Gewinn der Pkw-Sparte um 85 Prozent ein. Rückstellungen für CO₂-Zahlungen, US-Zölle, strukturelle Schwächen in der Software und Marktverluste in China nennt die Studie als Hauptprobleme. „Die deutschen Hersteller wurden von der chinesischen Konkurrenz unsanft aus ihrem Dornröschenschlaf im E-Segment geweckt. Nun heißt es, günstige und ansprechende Modelle nach europäischem Geschmack in den Markt zu bringen“, fasste Keim zusammen.

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Ladeinfrastruktur

Das CAR empfiehlt einen „sichtbaren Ausbau“ der Ladepunkte und auch „angepasste Ladetarife“. Elektrofahrzeuge aufzuladen, sollte nicht teurer sein als das herkömmliche Tanken von Verbrennern. Zudem sei eine gesetzlich vorgeschriebene Transparenz bei Tarifen und Abrechnungen essenziell, um das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.