Trotz der angespannten Wirtschaftslage in Deutschland hält die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten den eigenen Arbeitsplatz für sicher. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hervor, die dieser Redaktion exklusiv vorliegt. Demnach schätzen 89 Prozent der Befragten den eigenen Job als sicher sein und befürchten keinen Verlust des Arbeitsplatzes. Damit sei der Anteil sogar leicht gestiegen, so das IW (Vorjahr: 85 Prozent).

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Angaben des Instituts zufolge wurden für die Erhebung im Mai und Juni dieses Jahres rund 5000 sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte repräsentativ zu verschiedenen arbeitsmarktrelevanten Themen befragt. Befragte musste unter anderem angeben, ob sie damit rechnen, innerhalb der nächsten beiden Jahre ihren Arbeitsplatz zu verlieren und ob es ihnen leichtfallen würde, eine neue Beschäftigung zu finden.

Jobs in Deutschland: Beschäftigte nehmen schlechtere allgemeine Lage wahr

Der Anteil sogenannter Wechsler, also Menschen, die zwar den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes befürchten, aber glauben, leicht eine gleichwertige neue Stelle finden zu können, sank der Befragung zufolge innerhalb eines Jahres von 9 auf 5 Prozent. Auch der Anteil von Beschäftigten, die befürchten, ihren Job zu verlieren und nicht damit rechnen, schnell eine neue, ähnliche Stelle zu finden, liegt bei rund 5 Prozent und verharrte damit etwa auf Vorjahresniveau.

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Die Wahrnehmung der eigenen Arbeitsplatzsicherheit unterscheidet sich der Studie zufolge jedoch deutlich von der wahrgenommenen Gesamtstimmung: Demnach bewerten alle drei Gruppen – Optimisten, Wechsler und Pessimisten – die Arbeitsmarktlage 2025 deutlich schlechter als im Vorjahr. Bei den Pessimisten sank der Median, so das IW, von -1 im Jahr 2024 auf -3 in diesem Jahr. „Auch die Optimisten sehen eine Verschlechterung der Lage, während die Wechsler ihre zuvor positive Einschätzung auf eine neutrale Bewertung korrigieren“, so die Studienautoren um IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer.

Jobs in Deutschland: Übliche Fluktuation, aber weniger Neueinstellungen

Er sagte dieser Redaktion, die Beschäftigten würden klar die Verschlechterung der allgemeinen Arbeitsmarktage sehen, gleichzeitig hielten sie ihre eigenen Arbeitsplätze aber nicht für mehr gefährdet als vor einem Jahr. „Das erklärt sich aus dem wesentlichen Merkmal der steigenden Arbeitslosigkeit: Sie kommt nicht durch Entlassungen zustande. Meldungen über Personalabbau implizieren das zwar, aber tatsächlich nutzen die meisten Betriebe die übliche Fluktuation“, erklärte Schäfer. Zum Beispiel würden Firmen auch mit Abfindungsangeboten arbeiten.

Zu einem Aufbau der Arbeitslosigkeit komme es, weil Betriebe weniger einstellten. „Das trifft alle, die einen (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt suchen, zum Beispiel Jugendliche, deren Arbeitslosigkeit überproportional steigt“, betonte der Fachmann. Er empfahl der Politik, sich bei der Arbeitsvermittlung auf diejenigen zu konzentrieren, die einen Job suchen. „Weniger sinnvoll erscheint eine Konzentration auf Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder zu verlieren drohen“, so Schäfer. Dies seien kaum mehr als im langjährigen Durchschnitt.

Jobs in Deutschland: Eine Branche ist besonders pessimistisch

Besonders pessimistisch mit Blick auf ihren eigenen Arbeitsplatz sind der Studie zufolge Beschäftige in der Industrie. Dort liege der Anteil derjenigen, die befürchten, ihren Job zu verlieren, bei knapp 8 Prozent. In der Industrie ist der Arbeitsplatzabbau derzeit auch am größten. Verbreitet ist unter den Pessimisten laut IW vor allem die Befürchtung, dass der technische Fortschritt ihre beruflichen Fähigkeiten entwerten wird. Der Aussage stimmen 53 Prozent der Pessimisten zu, aber nur 17 Prozent der Optimisten.