Der ganz große Zollhammer blieb zwar aus, ein Handelskrieg zwischen der EU und den USA wurde abgewendet, doch die traditionelle Amerika-Begeisterung vieler deutscher Exportunternehmen hat einen Schlag bekommen. „Die Vereinigten Staaten werden aufgrund der Zollpolitik von Präsident Donald Trump als Investitionsstandort weniger attraktiv“, sagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, unserer Redaktion. „Etliche Investitions-Projekte Richtung USA, die in den letzten Jahren stetig zugenommen haben, wurden auf Eis gelegt. Das betrifft etwa wichtige Maschinen und Anlagen“, so Treier. „Die Unternehmen beginnen, sich aufgrund der Zollpolitik Trumps verstärkt umzuschauen. Das Ziel ist, sich neue Bezugs- und Absatzmärkte zu erschließen.“

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Im transatlantischen Zollstreit hatten sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Sonntagabend auf eine Grundsatzeinigung verständigt. Demnach erhebt Amerika auf die meisten Importe aus der EU Zölle in Höhe von 15 Prozent. Das gilt auch für Automobile, für die vorher Aufschläge über 27,5 Prozent fällig waren. Die 50-Prozent-Zölle auf Stahl und Aluminium bleiben erhalten. Die EU hat darüber hinaus zugesagt, Energie aus den Vereinigten Staaten im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen und zusätzlich 600 Milliarden Dollar mehr in den USA zu investieren. Für den Fall einer Nicht-Einigung bis zum 1. August hatte der Chef des Weißen Hauses mit der generellen Einführung von Zöllen in Höhe von 30 Prozent gedroht.

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Zoll-Deal: Deutsche Firmen setzen stärker auf Europa, Asien und Lateinamerika

Die USA waren im vergangenen Jahr noch der größte Exportmarkt der deutschen Wirtschaft: Gut zehn Prozent aller Ausfuhren gingen dorthin. Doch Trumps Zoll-Zickzack der letzten Monate hat die Unternehmen stark verunsichert und das USA-Geschäft gebremst. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten sanken im Mai auf 12,1 Milliarden Euro, den tiefsten Stand seit März 2022. Der Volkswagen-Konzern meldete wegen der US-Zölle im ersten Halbjahr 2025 einen Gewinneinbruch von 1,3 Milliarden Euro. Trump begründet die Zollkeule mit dem Handelsdefizit der Vereinigten Staaten gegenüber der EU, das im vergangenen Jahr rund 200 Milliarden Euro betrug.

Laut DIHK-Außenwirtschaftschef Treier setzen deutsche Unternehmen infolge von Trumps Zollpolitik künftig verstärkt auf Europa, Asien und Lateinamerika. Vor allem der EU-Binnenmarkt und die Türkei böten „noch sehr viel Potenzial“ – wie auch andere Länder. „Indien ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und in Teilen noch ein weitgehend unerschlossener Markt. Indien hat viel Potenzial. Wir hoffen sehr, dass es bald zum Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien kommt“, so Treier. Bei einem Besuch in Neu-Delhi im Februar hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, noch in diesem Jahr einen Handelsvertrag mit Indien anzustreben.

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Indien wird für deutsche Firmen attraktiver

Die Einschätzung des DIHK deckt sich mit einer Umfrage des Münchner ifo-Instituts unter 1500 deutschen Industrieunternehmen. Nach der am vergangenen Donnerstag veröffentlichen Studie gehen 43 Prozent der Firmen von wachsenden oder stark wachsenden Absatzchancen im EU-Binnenmarkt aus. Indien folgt dahinter mit 40 Prozent. Mehr als 60 Prozent der Betriebe erwarten negative Folgen der von Trump eingeführten Zölle.

Auch unter den deutschen Unternehmen mit US-Standorten nennen mehr als 80 Prozent laut ifo negative Auswirkungen. Das Problem: Selbst wenn eine Firma in Amerika produziert, muss sie Komponenten aus dem Ausland – zum Beispiel Mexiko – importieren. „Im 21. Jahrhundert ist jeder Investitionsstandort auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen“, erklärt Treier. „Auch für importierte Vorleistungsgüter fallen Zölle an, was den Preis weiter nach oben treibt – und die Renditeerwartung solcher Projekte schmälert.“

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Brasilien könnte für Deutschland ein Zukunftsmarkt werden

Brasilien nennt der DIHK-Mann ebenfalls als wichtigen Zukunftsmarkt für deutsche Firmen. Er hofft dabei auf die baldige Ratifizierung des bereits unterzeichneten Mercosur-Freihandelsabkommens zwischen der EU und den südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. „Wir dürfen Märkte wie Indonesien nicht vergessen, wo knapp 300 Millionen Menschen leben. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indonesien ist zwar noch gering, doch das Land hat großes Potenzial“, betont Treier. Die EU und Indonesien haben bereits eine politische Einigung über ein Freihandelsabkommen erzielt. „Wenn das Abkommen ratifiziert wird, könnte dies bei deutschen Firmen einen Investitions-Booster auslösen“, so Treier.

Auch die öl-, gas- und kapitalreiche Arabische Halbinsel rund um Saudi-Arabien gilt bei deutschen Unternehmen als aussichtsreicher Markt. „Das Königreich verfolgt eine Politik der Öffnung und wirbt sehr stark um Investitionen aus Deutschland“, unterstreicht Treier. Saudi-Arabien, der zweitgrößte Ölproduzent der Welt, will seine Abhängigkeit vom „schwarzen Gold“ reduzieren und seine Wirtschaft im großen Stil diversifizieren. Trotz rückläufiger Exporte nach China schreibt der DIHK-Außenwirtschaftschef die Volksrepublik nicht ab: „China ist ein Markt mit großem lokalen Wettbewerb: Das ist wichtig, um nicht den Anschluss zu verpassen.“

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Mit Blick auf Amerika zieht Treier ein bitteres Resümee: „Die Monate seit Trumps ‚Liberation Day‘ Anfang April bleiben auch danach bei vielen Unternehmern in Deutschland in den Knochen stecken.“