Die Deutsche Bahn sieht sich nach der Ankündigung, die Familienreservierung schon ab diesem Sonntag streichen zu wollen, massiver Kritik ausgesetzt. Was die Bahn mit dem Schritt bezweckt, wie Reaktionen ausfallen und wie man mit Kindern weiterhin günstig Zug fährt. Wichtige Fragen und Antworten.
Warum streicht die Bahn die Familienreservierung?
Die Bahn schreibt rote Zahlen. Im vergangenen Jahr stand ein Minus von 1,8 Milliarden Euro in den Büchern, nach 2,4 Milliarden ein Jahr davor. „Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage, in der wir uns aktuell befinden, müssen wir unsere Angebote wirtschaftlich tragbar gestalten“, sagt eine Bahn-Sprecherin dieser Redaktion. Unklar ist allerdings, in welchem Maße die gestrichene Familienreservierung dabei helfen kann, das Finanzergebnis zu verbessern. Eine Nachfrage dazu, wie viel Mehreinnahmen man nun erwarte, beantwortete das Staatsunternehmen nicht.
Die Familienreservierung wurde bislang Bahnangaben zufolge von fünf Prozent der Fernverkehrsreisenden genutzt. Ohnehin mache die Abschaffung für viele Familien keinen Unterschied, argumentiert die Bahn. „Die Familienreservierung wird zu einem großen Teil von Reisendenkonstellationen bestehend aus einem Erwachsenem mit einem Kind gebucht. Diese Reisendenkonstellation hat auch bislang nicht von der Familienreservierung profitiert, da diese erst ab drei gemeinsam reisenden Personen günstiger ist als die Buchung einzelner Sitzplatzreservierungen“, sagte die Sprecherin weiter.
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Was sagt die Politik dazu?
Die Bahn ist zu 100 Prozent in Eigentum des Bundes. Stefanie Hubig (SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, kritisierte das Aus der Familienreservierung beim Konzern scharf. „Die neuen Reservierungskosten werden das Bahnfahren für alle Familien empfindlich teurer machen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Verantwortlichen ihre Pläne noch einmal überdenken. Preiserhöhungen speziell zu Lasten von Familien passen überhaupt nicht in die Zeit“, so Hubig gegenüber dieser Redaktion.

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Die SPD-Politikerin erklärte weiter, sie halte es für problematisch, wenn die Bahn Sitzplatzreservierungen für Familien erheblich teurer machen wolle. „Wenn Eltern mit ihren Kindern Bahn fahren, sind sie auf eine Reservierung angewiesen, damit alle zusammen sitzen können. Gerade in der Ferienzeit sind die Züge voll“, erklärte Hubig. Die Bahnfahrt zu den Großeltern oder in den Urlaub dürfe nicht an zu hohen Kosten scheitern.
Welche Folgen hat der Schritt für Familien konkret?
Künftig müssen Eltern für jedes Kind einen Sitzplatz bezahlen, statt für 10,40 Euro für bis zu fünf Personen reservieren zu können. Bahnfahren wird somit besonders für kinderreiche Familien deutlich teurer. Auch, weil die Bahn gleichzeitig den Preis für eine Reservierung anhebt. In der zweiten Klasse kostet ein Sitzplatz 30 Cent mehr, der Preis liegt dann bei 5,50 Euro. In der ersten Klasse kostet der feste Platz 6,90 Euro statt bislang 6,50 Euro. Wer als Familie künftig nicht „Auf gut Glück“ unterwegs sein will, zahlt in der zweiten Klasse mit zwei Kindern also 22 Euro. Für Hin- und Rückweg kommen 44 Euro zusammen – nur für Reservierungen.
Kann man als Familie jetzt noch günstig Bahnfahren?
Durchaus. „Kinder bis 14 Jahren zahlen weiterhin nichts, wenn sie zusammen mit den Eltern reisen und dies auf der Fahrkarte eingetragen sind“, sagte der Ehrenvorsitzende des Fahrgasterbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, dieser Redaktion. Angaben der Bahn zufolge haben von dieser Regelung im vergangenen Jahr neun Millionen mal Kinder profitiert.
Welchen Tipp hat er an Familien, die sich künftig die Reservierungsgebühren sparen wollen? „Wenn man dort einsteigt, wo der Zug beginnt, kann man es versuchen, am Startbahnhof (wie Hamburg-Altona, Berlin Ostbahnhof in Richtung Köln oder zum Teil Berlin-Gesundbrunnen) ohne Reservierung Plätze zu finden. Bei Zügen, die nicht stark ausgelastet sind, kann das funktionieren“, so Naumann. Die prognostizierte Auslastung werde über die App DB Navigator angezeigt.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) empfiehlt auf Nachfrage Altbekanntes, um an billige Zugtickets zu kommen: „Um günstiger mit der Bahn fahren zu können, bleibt für Verbraucherinnen und Verbraucher frühzeitiges Buchen weiterhin das A und O“, erklärte Marion Jungbluth, vzbv-Mobilitätsexpertin, gegenüber dieser Redaktion.
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Die Bahn selbst weist auf weitere Angebote für zum Teil auch allein reisende Kinder und Jugendliche hin, unter anderem auf die Jugend BahnCard. Junge Reisende von 6 bis 18 Jahren zahlen für das Produkt 7,90 Euro für ein Jahr. Damit lassen sich 25 Prozent auf Spar- und Flexpreise sparen.
Was sagen Verbraucherschützer und Familienvertreter?
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert seit Langem kostenfreie Reservierungen bei der Ticketbuchung, was mehr Kostenklarheit und zuverlässigere Auslastungsinformationen bieten würde. Auch Pro Bahn ist dafür, Fahrkarte und Reservierung miteinander zu verknüpfen.
Der Verband Zukunftsforum Familie (ZFF) fordere von der Bahn, das ausgesprochene Aus für Familienreservierungen wieder zurückzunehmen. Die Bahn könnte eine Schlüsselrolle für nachhaltiges und sicheres Reisen mit Kindern spielen, stattdessen gefährde sie dieses Potenzial, sagte die ZFF-Vorsitzende Britta Altenkamp dieser Redaktion.
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Gleichzeitig plädierte der ZFF für einen Ausbau des Bahn-Angebots für Familien: „Denkbar wäre etwa ein Familien-Vielbucherrabatt und ein ausgebauter Familienbereich mit garantierten Plätzen – angelehnt an das bereits existierende Angebot des BahnBonus-Sitzplatzbereich“, sagte Altenkamp. In den ICE-Zügen hält die Bahn eigene Sitzplatzbereiche vor, die von Kunden mit BahnBonus-Status Level Gold und Platin ohne Reservierung genutzt werden können – und von übrigen Fahrgästen freigehalten werden sollen. Familienfreundliche Mobilität sei ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige Gesellschaft und dürfe daher nicht unter rein marktwirtschaftliche Gesichtspunkte gestellt werden, so die ZFF-Chefin weiter.







