Das Freibad, es ist ein Versprechen von Glück. Am Beckenrand liegen, der Duft von Pommes, Chlor, Sonnencreme um einen herum. Jetzt geht es wieder los. Der Sommer kommt. Nur: Es bröckelt in vielen Freibädern, vielerorts müssen sie saniert werden. Das kostet. Zugleich steigen die Löhne für Personal und die Preise für Energie.

So erwarten 72 Prozent der kommunalen Betreiber von Bädern, dass sich ihre finanzielle Lage in den nächsten fünf Jahren verschlechtern wird. 16 Prozent erwägen, kurz- oder mittelfristig Bäder zu schließen. Das zeigt eine Befragung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) von 13 Bäder-Betrieben, die in der Hand von Städten und Gemeinden sind. Sie liegt dieser Redaktion exklusiv vor. Lassen sich Freibäder und das Schwimmen sichern, ja: retten?

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Freibad: Bundesweit gibt es rund 2800 Freibäder – die meisten sind gut erreichbar

Eigentlich steht einer Abkühlung nichts entgegen. Das nächste Freibad ist in Deutschland mit dem Auto im Schnitt und ohne Stau in zehn Minuten zu erreichen, mit dem Rad in 26 Minuten. Das rechnet Geograph Stefan Neumeier vom Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen vor. Seine Kollegen und er gehen für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft der Frage nach, wie es sich in Deutschland lebt. Sie erstellen dazu Karten und veröffentlichen diese im Landatlas. Neumeier sagt: „Für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, die ein Auto nutzen können, ist ein Freibad nicht weit entfernt. Auf dem Land sind die Wege dabei manchmal allerdings etwas länger als in der Stadt.“ Insgesamt gebe es bundesweit derzeit gut 2800 Bäder im Freien.

Die wenigsten davon sind jedoch neu. Das Gros wurde schon in den 50er Jahren gebaut, spätestens in den 70ern. Freibäder sind in die Jahre gekommen. Der Investitionsbedarf sei entsprechend groß, sagt Marc Elxnat, der sich beim Deutschen Städte- und Gemeindebund um Sportstätten kümmert. Das gelte auch für Turnhallen, auf Fußballplätzen, in Eisstadien. Aber allein für die Sanierung von Hallen- und Freibädern zusammen seien in den nächsten Jahren 5 Milliarden Euro zu veranschlagen.

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Auftakt der Freibadsaison in München
Sommer, Sonne, Freibad: Wie hier zum Auftakt der Freibadsaison im Schyrenbad im München genießen viele das schöne Wetter. Das Schyrenbad ist das älteste Schwimmbad Münchens, eröffnet wurde es bereits 1847.© Sven Hoppe/dpa | Sven Hoppe

Die Kommunen kommen immer stärker unter Druck: Was heißt das für die Freibäder?

„Bisher haben die Kommunen versucht, an ihren Freibädern festzuhalten, es wurden nur vereinzelt mal welche geschlossen“, meint Christian Raffer vom Deutschen Institut für Urbanistik. Im Auftrag der Deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau befragt er mit seinen Kollegen regelmäßig die Finanzverwaltungen von Städten, Landkreisen, Gemeinden, wo es genau eng wird. Schwimmbecken, Duschen und Toiletten, auch technische Anlagen in Freibädern brauchen demnach vielerorts eine Überholung. Das Freibad sei wie ein Hallenbad „ein teures Unterfangen“, sagt Raffer, die Lage der Kommunen jedoch so angespannt wie kaum zuvor.

2024 erreichte ihr Finanzloch nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung: 24,8 Milliarden Euro. So viel haben die Kommunen mehr ausgegeben als eingenommen. Aber das Freibad schließen? Raffer sagt: „Zuvor gibt es andere Möglichkeiten, die Kosten zu mindern.“ Er nennt drei: Eintrittspreise erhöhen, Wasser nicht mehr heizen, Öffnungszeiten verkürzen.

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35 Prozent der Badbetreiber wollen ihre Preise erhöhen

Der Preis hängt auch davon ab, wo man wohnt. Das zeigt ein Vergleich von 106 Freibädern der 20 größten deutschen Städte, den das Reiseportal Holidaycheck im vergangenen Jahr gemacht hat: 2024 zahlten Erwachsene in Köln für den Besuch im Freibad zum Beispiel 6,30 Euro, in München 6 Euro, in Bielefeld 5,50 Euro. Im Ruhrgebiet war die Abkühlung indes günstiger: In Essen kostete sie einen Erwachsenen vier Euro. In diesem Jahr werden – auch das zeigt die Befragung des VKU – 35 Prozent der kommunalen Badbetreiber ihre Eintrittspreise erhöhen. Wie teuer es werden kann, macht die Hauptstadt vor:

Berlin beheizt die meisten Freibäder nicht mehr mit Öl, Gas, Kohle, so dass das Wasser in den meisten Becken derzeit eiskalt ist. Trotzdem kostet ein Tag in manchem Bad in diesem Jahr erstmals regulär 7 Euro. Auch wenn es Rabatte gibt und der Besuch nicht in allen Bädern Berlins so teuer ist, geht er ins Geld, Pommes und Eis noch gar nicht einberechnet. Verkürzt wird die Freibadsaison zudem, sie endet Anfang September, im vergangenen Jahr blieb zumindest ein Bad bis Ende Oktober offen.

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Selbst sieben Euro Eintritt sind wirtschaftlich nicht rentabel

Erledigt ist die Finanzfrage damit allerdings noch nicht. „Auch mit einem Eintrittspreis von 7 Euro dürften sich die Kosten eines Freibads nicht decken lassen“, erklärt Elxnat vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. „Freibäder bleiben ein Zuschussgeschäft. Die Betriebskosten sind immer von der Größe abhängig. Ein durchschnittlich großes Freibad muss aber in etwa mit 500.000 Euro pro Jahr rechnen.“

Zahlreiche Freibäder starten in die Saison
Der Sprung ins kühle Nass wie hier im Grugabad in Essen – er bleibt ein Zuschussgeschäft.© Christoph Reichwein/dpa | Christoph Reichwein

Elxnat weiter: „Wir müssen Bäder neu denken.“ So werde künftig kaum noch jede Kommune ihr eigenes Becken bauen, sondern es sich mit den umliegenden Gemeinden teilen. Erst einmal aber geht es eher darum, die alten Frei- und Hallenbäder in Schuss zu halten.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Liebhaber des Freibads dürften nun auf die neue Bundesregierung hoffen. Die Koalition von CDU, CSU und SPD verspricht in ihrem Koalitionsvertrag: „Wir helfen Ländern, Kommunen und Vereinen nach Bedarf bei der Modernisierung und Sanierung von Sportstätten. Dafür stellen wir mindestens eine Milliarde Euro zur Verfügung.“ Davon sollen auch Freibäder profitieren.

Das sei auch nötig, meint Elxnat: „Menschen erholen sich dort, lernen schwimmen“. Der Beckenrand – er soll ein sommerlicher Treffpunkt für alle bleiben.