Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat sich in eine massive Zollschlacht verwandelt. Nachdem die USA die Zölle für chinesische Waren auf 145 Prozent erhöht hatten, holte China am Freitag zum Gegenschlag aus: Die Zölle für US-Waren steigen ab Samstag von 84 auf 125 Prozent. Die EU-Länder werden von Donald Trump dagegen für voraussichtlich 90 Tage von erhöhten Zöllen verschont – und müssen auf alle Waren zehn Prozent Mindestzoll bezahlen, 25 Prozent für Autos, Aluminium und Stahl.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Dennoch wird der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China „uns alle treffen – und zwar auch schmerzhaft“, sagt der Präsident des Bundesverbands Deutscher Außenhandel (BGA), Dirk Jandura, dieser Redaktion. Er sei in großer Sorge: „Diese Zollspirale hat Auswirkungen auf Waren- und Handelsströme weltweit. Diese Disruption schadet allen.“ Hier sollte die Welthandelsorganisation WTO handeln. Ziel müsse es sein, den Konflikt in geordnete Bahnen zu lenken und mittelfristig zu beenden.
Kurzfristig werden die hohen Zölle zunächst die Konsumgüter in den USA verteuern. Im nächsten Schritt werden die Handelsbeziehungen neu geordnet – auch in Europa. „Vor allem chinesische Unternehmen werden versuchen, ihre Absatzmärkte neu zu organisieren und alternative Märkte zu erschließen“, sagt der BGA-Präsident dieser Redaktion. Mittelfristig könnte dieser Konflikt eine komplette Neuausrichtung der globalen Lieferketten auslösen.
- Richtig in Gold investieren: ETF, ETC oder Münzen und Barren?
- Unter Trump: So sicher ist das deutsche Gold in den USA noch
- Faule Deutsche? Experten sagen, ob wir wirklich zu wenig arbeiten
- Gold kaufen: Profis geben wichtige Tipps für Anfänger
- Job & Gehalt: Experte verrät, was bei Gehaltsverhandlungen wirklich zieht
- Wohnen und Mieten: Reich werden mit Airbnb – Zwei Brüder verraten, wie es geht
China erhöht Zoll gegen USA: Diese Geräte werden günstiger
Ein Teil der chinesischen Waren dürfte in Europa landen. „Dies sind vor allem technische Geräte, besonders im Bereich der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik“, sagt Jandura. Es sei dabei nicht auszuschließen, dass Händler ihre Waren dann unter europäischen Preisen verkaufen, um sie loszuwerden. Das Positive auf den ersten Blick: die Verbraucher und Verbraucherinnen profitieren dann von niedrigen Preisen und einer geringeren Inflation.
„Längerfristig aber schadet dies natürlich europäischen Produzenten“, warnt Jandura. Preisdumping hat die Kraft, ganze Branchen zu ruinieren, wie dies bereits die Solarhersteller in Europa leidvoll erfahren mussten. „Wenn sich abzeichnet, dass eine massive, unvorhersehbare Importwelle zu gravierenden Wettbewerbsverzerrungen führt – etwa wenn Dumping oder unerlaubte Subventionen im Spiel sind – dann muss die EU einschreiten“, so Jandura.

„Die EU sollte sich nicht abschotten, jedoch auf fairen Wettbewerb drängen, gerade gegenüber den häufig von Dumping betroffenen Importen aus China“, ist auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, überzeugt. Dies gelte insbesondere für essenzielle Güter und Dienstleistungen, wie auch bei der kritischen Infrastruktur.
Bei Preisdumping wäre es sinnvoll, „vorübergehend Beschränkungen für diese Importe zu erlassen, um nachhaltigen Schaden zu vermeiden und der europäischen Wirtschaft den nötigen Anpassungszeitraum zu verschaffen“, meint Jandura. Die EU habe dafür Instrumente, mit denen reagiert werden könne, bevor ein dauerhafter Schaden entstehe.
Zollstreit: So wettbewerbsfähig ist Deutschland
Grundsätzlich bezeichnet Jandura die deutsche Industrie als sehr wettbewerbsfähig. Dennoch sei nicht auszuschließen, dass „insbesondere im Bereich Elektronik- und Konsumgüter sowie im Maschinenbau und den dazugehörigen Vorprodukten ein stärkerer Preisdruck entsteht“. So habe China im Maschinenbau in den letzten Jahren erheblich aufgeholt, was den Wettbewerb intensivieren könnte.
- Stimmung im Keller: Zölle lassen Verbraucher und Unternehmer zittern
- EU-Reaktion: Zölle: Diese US-Produkte werden bei uns jetzt teurer
- Mit fatalen Folgen: Schon einmal setzten die USA auf Zölle
- In der Krise: Richtig in Gold investieren – ETF, ETC oder Münzen und Barren?
In der Autobranche erwartet der BGA-Chef nicht, dass China Deutschland mit Autos überfluten wird. Die heimische Nachfrage sei hier nicht hoch genug und die europäischen Zölle glichen die starken Preisunterschiede aus.
Der Außenhandelsverbandschef sieht jedoch angesichts des Zollkonflikts das Risiko, „dass der globale Handel in rivalisierende Blöcke zerfällt – ein Szenario, das das internationale Wirtschaftswachstum nachhaltig schwächen und im schlimmsten Fall den gesamten regelbasierten Welthandel in Frage stellen könnte“.





