Der kriselnde Elektroauto-Konzern Tesla kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nach Berichten über dramatisch sinkende Verkaufszahlen in Deutschland von 70 Prozent in den ersten beiden Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr und fallenden Aktienkursen rückt nun das einzige Tesla-Werk in Europa im brandenburgischen Grünheide in den Fokus.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Wie das „Handelsblatt“ berichtet, soll die Personalleitung Drohmails an krankgeschriebene Mitarbeiter versendet haben. Mehrere solcher Mails mit dem Betreff „Zweifel an den eingereichten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen“ lägen dem Blatt vor, heißt es. Der US-Konzern dränge seine Angestellten darin dazu, Diagnosen offenzulegen und behandelnde Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Außerdem sei krankgeschriebenen Mitarbeitern angekündigt worden, Gehälter einzubehalten. „Tesla zweifelt in großem Umfang ärztliche Atteste an, verweigert die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und behält Entgelt ein“, zitierte das „Handelsblatt“ den IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze.
„Nicht selten wird kein einziger Euro überwiesen“, sagte ein IG Metall-Sprecher. Häufig sei der Autobauer noch auf die Beschäftigten zugegangen, mit der Aussage eine „Überbezahlung“ festgestellt zu haben, da der Beschäftigte irrtümlich während der Fehlzeiten bezahlt worden sei. Diese „Schulden“ würden sie dadurch los, dass sie einen Aufhebungsvertrag unterzeichneten. Die IG Metall sieht in ihnen „unzulässige Einschüchterungen“.
Grund für die drastischen Maßnahmen sei wieder einmal der hohe Krankenstand bei den 12.000 Beschäftigten des Werkes in Grünheide. Bereits im vergangenen September hatte es deswegen Ärger und Schlagzeilen gegeben, weil die Personalleitung seinerzeit Kontrollbesuche bei krankgemeldeten Mitarbeitern durchgeführt hatte.
Extrem hoher Krankenstand bei Tesla
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Arbeitsrechtler beurteilen ein solches Vorgehen unterschiedlich. „Eine Rechtsgrundlage gibt es dafür nicht“, sagte etwa der Berliner Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ulf Weigelt, damals unserer Redaktion. „Das ist ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des einzelnen Mitarbeiters.“ „Grundsätzlich ist das nicht verboten, jedenfalls dann, wenn der Arbeitgeber den Verdacht hat, dass mit der Krankmeldung etwas nicht stimmt“, sagte dagegen Till Heimann, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt.

Das „Handelsblatt“ berichtete damals über eine Präsentation, die auf der Betriebsversammlung gezeigt worden sein soll. Der internen Erhebung zufolge erreichte der Krankenstand in Grünheide Anfang August 15 Prozent, in der Folgewoche 17 Prozent. Im September sollen die Fehlzeiten zwischen zehn und elf Prozent gelegen haben.
Elon Musk beschert Tesla ein gewaltiges Image-Problem
Tatsächlich berichtete ein Insider unserer Redaktion von einem hohen Druck. „Die Arbeit bei Tesla kann krank machen“, sagt er. Ein Grund: Bei der Montage der Fahrzeuge sind die Taktzeiten, also die Vorgaben, wie lange ein Angestellter für eine bestimmte Aufgabe Zeit hat, streng. Viele Beschäftigte seien überlastet.

Tesla ist zuletzt auch durch das Gebaren Elon Musks in die Bredouille geraten. Der Tech-Milliardär leitet in der Trump-Administration die Behörde „Doge“, die für die Entlassung von Tausenden Regierungsmitarbeitern verantwortlich ist. Zudem hat Tesla ein veritables Image-Problem, seit Musk offen rechtsextreme Parteien in Europa unterstützt. So erklärte er vor der Bundestagswahl, nur die AfD könne „Deutschland retten“ und ließ sich auf dem Parteitag der Rechtspopulisten per Video zuschalten.
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