Orangensaftfans müssen derzeit in manchen Supermärkten nach dem Getränk suchen. Das Angebot ist zum Teil ausgedünnt. Und was in den Regalen steht, ist recht teuer. Der Lieblingssaft der Deutschen steckt in der Krise. Das hat vor allem mit schlechtem Wetter in Brasilien zu tun, einer asiatischen Fruchtfliege und hohen Preisen.

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Wirtschaft in Berlin

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Insgesamt 6,8 Liter Orangensatz haben Deutsche im Schnitt 2023 pro Person getrunken, mit deutlichem Abstand vor Apfelsaft (5,1 Liter). Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, aber der Verband der Fruchtsaft-Industrie schätzt, dass Apfelsaft 2024 erstmals Orangensaft in der Gunst der Bundesbürger überholt hat.

Ein Grund: Orangensaft ist über die Jahre ziemlich teuer geworden, weil das Angebot schrumpft. Da greifen Kunden lieber zu anderen, günstigeren Säften.

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Der meiste Orangensaft hierzulande kommt aus Brasilien – in der Regel als Konzentrat, das dann wieder mit Wasser verlängert wird. Das südamerikanische Land liefert etwa 80 Prozent der weltweit gehandelten Rohware. In den vergangenen Jahren belastete schlechtes und für die Region untypisches Wetter die Anbaugebiete.

Der Klimawandel macht sich bemerkbar. Entsprechend schlecht fielen die Ernten aus. Weil andere Länder die Mengen, die Brasilien liefert, nicht ausgleichen konnten, stiegen die Preise.

Krankheit „Greening“: Bakterium befällt Orangen und macht sie ungenießbar

Dazu kommt noch, dass ein großer Lieferant der Welt, Florida, über die vergangenen Jahre praktisch aus dem Markt ausgeschieden ist. Zum einen beutelten Hurrikane viele Plantagen. Zum anderen ist da ein Bakterium, übertragen von einer Zitrusfliege, das die Orangen befällt und ungenießbar macht. Die Greening genannte Krankheit lässt sich nicht behandeln. Das Einzige, was hilft: Bäume fällen und verbrennen. Die Plantagen werden nicht wieder aufgeforstet. Die Amerikaner mussten Orangensaft deshalb vermehrt auf dem Weltmarkt kaufen. Auch das verknappt das Angebot.

Orange Harvest In Hunan
Orangen wachsen gern in warmen und vor allem frostfreien Gegenden. © VCG via Getty Images | VCG

Im Prinzip kletterte der Preis für Orangensaftkonzentrat an der Börse in New York seit Januar 2021. Von rund 1,10 Dollar je Pfund stieg er bis auf 5,56 Dollar im November. Das machte sich auch in Deutschlands Supermarktregalen bemerkbar. „Für Kunden wurde es teurer“, sagt Klaus Heitlinger, Geschäftsführer des Verbands der Fruchtsaft-Industrie, schließlich mussten sie den Rohstoff teurer einkaufen.

Manche Hersteller erhöhten einfach die Preise. Andere verringerten die Packungsgrößen. Statt einem Liter waren nur noch 0,7 Liter in der Flasche, bei ähnlichem Preis. Wieder andere verzichteten darauf, reinen Orangensaft zu verkaufen und wichen auf Orangennektar aus, der 25 bis 50 Prozent Frucht enthalten muss, mit Wasser verlängert und mit Zucker abgeschmeckt wird.

Spanien, Portugal, Italien: Orangen wachsen in warmen und vor allem frostfreien Gegenden

Ersatz aus anderen Länder lässt sich in großen Mengen nicht so schnell beschaffen. Orangen wachsen gern in warmen und vor allem frostfreien Gegenden. Und es dauert, bis eine neue Plantage Früchte trägt. In Europa wachsen Orangen meist in Spanien, Portugal und Italien. Geliefert wird aus Spanien vor allem für den Frischemarkt, wie Heitlinger sagt. Das heißt: In deutsche Supermärkte kommen sie meist als ganze Frucht, sehr selten als Saft.

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Die letzte Ernte in Brasilien ist wieder schlecht ausgefallen. Zum einen wegen schlechten Wetters, zum anderen leiden inzwischen auch hier Plantagen am Greening. Im ersten Halbjahr des laufenden Erntejahres 2024/2025 führte Brasilien 19,7 Prozent weniger Konzentrat aus als ein Jahr zuvor, wie der brasilianische Ausfuhrverband CitrusBR kürzlich meldete. An der Börse fällt der Preis allerdings, obwohl er doch steigen müsste.

Brazil Oranges Devastating Harvest
Arbeiter ernten Orangen auf einer Farm in Mogi Guacu, Brasilien. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Andre Penner

„Weil die Preise so stark gestiegen sind, ist der Verbrauch zurückgegangen“, sagt Heitlinger. Die Kunden haben auf Orangensaft verzichtet, offenbar so sehr, dass selbst das geringere Angebot noch ausreicht, die geringe Nachfrage weltweit zu bedienen. Deshalb schätzt der Saftspezialist, dass „der Höhepunkt überwunden ist. Die Preise werden eher sinken.“

Vorsichtige Prognose: Experten erwarten, dass der Preis für Orangensaft wieder fällt

Seit Ende Januar ist der Preis für Orangensaft am Terminmarkt denn auch kräftig eingebrochen. Kostete ein Pfund Konzentrat, das im Mai geliefert werden muss, vor knapp sechs Wochen noch rund 4,80 Dollar, waren es Mitte März nur noch rund 2,43 Dollar. Zuletzt zog der Preis wieder auf mehr als 2,70 Dollar an. Experten erwarten allerdings, dass er fällt. Das deuten auch die Preise für Orangensaft zur Lieferung etwa Ende 2025 an. Bis das bei den Orangensaftfans in Deutschland ankommt, kann es etwas dauern.

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Die Preise werden üblicherweise zwischen Herstellern und Handel für ein Jahr festgelegt. Kurzfristig sehe ich noch keine Entspannung“, sagt Heitlinger. Mittelfristig aber schon. Nur wie viel billiger es wird, ist unklar. Denn neben dem Preis für den Rohstoff ist im deutschen Handel Marktmacht wichtig: die der Einkäufer, etwa großer Handelsketten wie Rewe, Lidl, Edeka und Aldi, auf der einen Seite, und die der Safthersteller wie Eckes Granini, Riha Wesergold oder Valensina auf der anderen.