Bruttoinlandsprodukt

Berlins Wirtschaftsleistung um 5,1 Prozent eingebrochen

Berlins Bruttoinlandsprodukt ist im 1. Halbjahr 2020 um 5,1 Prozent eingebrochen. Damit geht es der Hauptstadt besser als dem Bund.

Die Wirtschaftsleistung Berlins ging durch Corona zurück (Symbolbild).

Die Wirtschaftsleistung Berlins ging durch Corona zurück (Symbolbild).

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin/Potsdam. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Berlins ist im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent zurückgegangen. Das meldete das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Donnerstag. In Brandenburg nahm die Wirtschaftsleistung während der Corona-Pandemie demnach um 4,9 Prozent ab. Damit war der Rückgang in der Hauptstadtregion deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Über alle 16 Länder verteilt wurde ein Minus von 6,6 Prozent verzeichnet. Am schlimmsten ist das Saarland betroffen. Dort brach das BIP um 9,5 Prozent ein. Die Schleswig-Holsteinische Wirtschaft ist mit einem Rückgang von 3,8 Prozent am Besten durch die bisherige Corona-Krise gekommen.

Unternehmensverbände blicken mit Sorge in Zukunft

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 wuchs das BIP in Berlin mit drei Prozent im bundesweiten Vergleich mit am stärksten. Das seien Zahlen „wie aus einer anderen Zeit“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Donnerstag auf einer Gesprächsrunde zum Thema bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin.

Laut Statistikamt litten vor allem die Dienstleistungsbereiche unter der Corona-Pandemie und dem zwischenzeitigen Lockdown – besonders das Gastgewerbe. Die Wirtschaftsleistung der Industrie schrumpfte hingegen unterdurchschnittlich. So ging im Juli 2020 der Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes in Berlin gegenüber dem Vorjahresmonat nur um 3,8 Prozent zurück, die Zahl der Aufträge dafür um 21,2 Prozent. Besonders das Wachstum im Baugewerbe, aber auch bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern und in der öffentlichen Verwaltung hatten einen abschwächenden Effekt auf den Abwärtstrend.

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), nannte den Rückgang des BIP in der Region „dramatisch und historisch“. Durch die schlechte Auftragslage stünden vielen Unternehmen schwierige Zeiten bevor. „Sie haben es mit der doppelten Belastung aus Nachfragerückgang und intensivem Strukturwandel zu tun.“

Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin, sagte: „In der Finanzkrise 2009 schrumpfte die Berliner Wirtschaft um 1,1 Prozent. Wer also den aktuellen Rückgang in den ersten sechs Monaten als verkraftbar darstellt, scheint dessen Dimensionen nicht zu verstehen. Dass die Berliner Zahlen nicht schlechter ausfallen, ist sicher auch der guten Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik bei der Umsetzung von Rettungs- und Hilfsmaßnahmen geschuldet.“

Pop: Durch Hilfsprogramme 360.000 Jobs gesichert

Durch die Corona-Hilfsprogramme habe man 360.000 Arbeitsplätze in der Hauptstadt gesichert, sagte Wirtschaftssenatorin Pop auf der IHK-Veranstaltung. „Wir sind in einer Phase, in der wir denen helfen, die besonders leiden“, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag. „Aber wir wollen auch Konjunkturimpulse setzen.“ So könne sie sich etwa vorstellen, die Berliner zu animieren, selbst einmal in den Hotels der Hauptstadt zu übernachten. Allerdings sei es wichtig, wie sich die Berliner die nächsten Tage und Wochen verhalten, damit die Infektionszahlen nicht außer Kontrolle geraten. „Ein zweiter Lockdown wäre nicht zu verkraften.“

Nachdem die bisherigen Programm vor allem Kleinunternehmern zugute gekommen seien, wolle man sich jetzt auf den Mittelstand konzentrieren, so Pop weiter. Den greife man auch bei den Gewerbemieten unter die Arme. So hat der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Mittwoch Haushaltsmittel für ein entsprechendes Programm zugesichert, das bereits im August anlief. So können Unternehmen mit mehr als zehn und weniger als 250 Mitarbeitern bis zu 50 Prozent ihrer Mietkosten für April und Mai 2020 beantragen. Die Zuschüsse sind bei 10.000 Euro für ein beziehungsweise bei 30.000 Euro für mehrere Mietobjekte gedeckelt. Voraussetzung ist ein Umsatzrückgang von mindestens 60 Prozent und ein in Berlin gemeldeter Unternehmenssitz.

Für Sebastian Czaja, Chef der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, tut der Senat nicht genug, um der Berliner Wirtschaft zu helfen. „Wenn wir nicht schnell handeln, drohen lange Schlangen vor den Jobcentern.“ Czaja fordert, insbesondere das Gastgewerbe „winterfest“ zu machen und „auf diese Weise Arbeitsplätze in über 19.000 Betrieben“ zu sichern.

Die Senatswirtschaftsverwaltung hat am Freitag zu einem Gastronomie-Gipfel geladen. Gemeinsam mit Vertretern von Wirtschafts- und Branchenverbänden soll diskutiert werden, wie es für die durch die Corona-Krise stark in Schieflage geratene Berliner Gastronomie weitergehen soll. Auch die Frage, ob umweltschädliche Heizpilze flächendeckend erlaubt

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