Der Berliner Internet-Modehändler Zalando ist weiter auf Wachstumskurs und peilt einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro an. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt das Unternehmen im dritten Quartal ein negatives Ergebnis in Höhe von 23,5 Millionen Euro in Kauf. „Wir wollen für das Gesamtjahr eine attraktive Kombination aus schnellem Wachstum und klarer Profitabilität erreichen, die ihresgleichen sucht und auch in Zukunft der richtige Weg für uns sein wird“, zeigt sich Vorstand Rubin Ritter optimistisch.

Der Konzern hat seinen Umsatz im dritten Quartal um 42,2 Prozent auf 713,1 Millionen Euro gesteigert. Das sind rund 200 Millionen Euro mehr als im gleichen Quartal des Jahres 2014 (Q3 2014: 501,4 Millionen Euro). In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 stieg der Umsatz auf 2,1 Milliarden Euro (9M 2014: 1,5 Milliarden Euro).

Die stärksten Zuwächse verzeichnete Zalando außerhalb des deutschsprachigen Raumes: So gab es in Deutschland, Österreich und der Schweiz im dritten Quartal ein Umsatzplus von 34,4 Prozent auf 371,2 Millionen Euro und im Neunmonatszeitraum auf 1,1 Milliarden Euro zu (9M 2014: 870,5 Millionen). In den übrigen europäischen Ländern hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt. Er stieg um 52,1 Prozent auf 300,8 Millionen Euro. Addiert man die ersten neun Monatsergebnisse dieses Marktsegments, so ergibt sich ein Umsatz von 851,1 Millionen Euro. Außerhalb von Europa stieg der Umsatz um 50,3 Prozent auf 41,1 Millionen Euro, beziehungsweise auf 109,2 Millionen Euro im Neunmonatszeitraum.

Deutlicher Zuwachs bei den Kundenzahlen

Das Umsatzwachstum des Unternehmens ging mit einem deutlichen Zuwachs bei den Kundenzahlen einher. Die Zahl aktiver Kunden wuchs im Vergleich zum Vorquartal um 800.000 auf 17,2 Millionen. Im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres hatte Zalando noch 14,1 Millionen Kunden. Der Konzern registrierte im dritten Quartal 2015 insgesamt 394 Millionen Besuche auf seinen Webseiten (Q3 2014: 322 Millionen Besuche).

Die Quartalszahlen des Unternehmens zeigen einen deutlichen Trend zum mobilen Einkauf im Internet: 58,8 Prozent der Webseitenbesuche kamen von mobilen Endgeräten. Ein Jahr zuvor waren es noch 43,3 Prozent. Die Zalando-App für Smartphones und Tablets wurde zum Ende des dritten Quartals insgesamt rund 14 Millionen Mal heruntergeladen. Das sind doppelt so viele Downloads wie im ganzen Geschäftsjahr 2014 – ein Resultat der massiv angekurbelten Marketingausgaben.

Die Zahl der Bestellungen ist im dritten Quartal 2015 auf 13,8 Millionen gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es noch 9,7 Millionen. Die durchschnittliche Größe der Warenkörbe sinkt dagegen: Sie betrug im dritten Quartal 63,30 Euro. Im dritten Quartal 2014 waren es 64,40 Euro, im gesamten Geschäftsjahr 2014 kauften die Kunden pro Bestellung Waren für 66,60 Euro ein.

Die Mitarbeiterzahl stieg von 9079 zum Ende des zweiten Quartals auf 9444 Mitarbeiter zum Ende des dritten Quartals an. Zum Jahresende wird Zalando eigenen Angaben zufolge rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das Unternehmen berichtet von anhaltenden Neueinstellungen im Technologiebereich sowie dem Ausbau des Logistiknetzwerks. Vorbereitungen rund um das neue Logistikzentrum in Lahr (Schwarzwald) sowie der Ausbau des Standortes in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) auf maximale Kapazität haben begonnen und verlaufen einer Sprecherin zufolge nach Plan.

Frage nach dem Gewinn

Bleibt die Frage nach dem Gewinn des Unternehmens: Wegen gestiegener Kosten insbesondere für Marketing sank die bereinigte Gewinnmarge auf ein Minus von 23,5 Millionen Euro. Im gleiche Quartal des Vorjahres erwirtschaftete Zalando noch 3,8 Millionen Euro. Betrachtet man den Geschäftsverlauf der ersten neun Monate dieses Jahres, ergibt sich ein plus von 35,7 Millionen Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres (9M 2014: 16,2 Millionen Euro).

Betrugsfälle aus dem ersten Halbjahr 2015 führten zu weniger Einnahmen aus Inkasso-Forderungen als ursprünglich angenommen, insgesamt in Höhe eines einstelligen Millionenbetrags.