Industriepolitik soll in Berlin Chefsache werden. Das unterstrich der Regierende Bürgermeister Michael Müller am Rande des Steuerkreises Industriepolitik (Skip), der am Montag beim Pharmaunternehmen Berlin Chemie in Adlershof tagte. Im Mittelpunkt steht dabei die Sicherung von Entwicklungsflächen.

Der Skip wurde vor mehr als fünf Jahren als eine Art Spitzengremium gegründet, in dem Politik, Kammern, Unternehmensverbände und Gewerkschaften Konzepte für Berlin als Industriestandort suchten.

Bislang verfolgten die Akteure unterschiedliche Ziele. Für die Industriepolitik wurde ein Masterplan beschlossen. Neue Ansprüche für die Digitalisierung unter dem Schlagwort Industrie 4.0 und das Thema Smart City kamen später hinzu. Das sind die Technologien die im Rahmen der vernetzten Stadt eine Rolle spielen.

Flächensicherung hat Priorität

„Wir wollen unter Federführung der Senatskanzlei diese Handlungsstränge, die alle für sich richtig sind, zusammenfassen zu einem wirtschaftspolitischen Anspruch, den wir formulieren“, sagte Müller. Ihm geht es dabei zunächst um die Flächensicherung. Müller kündigte an, das Kataster solle auf den neuesten Stand gebracht werden.

Müller versicherte, dass es keine Neukonzeption für das Flughafengelände Tegel geben werde. Was dort an Forschungs-, Technologie und Produktionsstandorten geplant sei, werde weiter verfolgt. „Es wird nicht infrage gestellt, dass Tegel einer der wirtschaftspolitisch wichtigen Zukunftsstandorte der Stadt ist. Darin waren wir uns einig.“ Zwar hänge der Zeitplan von Schönefeld ab. „Durch unsere Beschlüsse wird es aber keine Verzögerungen in der Umsetzung geben. Wenn Schönefeld in Betrieb und Tegel geschlossen ist, kann man die Pläne sofort umsetzen“, sagte Müller.

Berlin Chemie investiert 80 Mio. Euro

Positiv bewertete Müller ferner, dass der Arbeitsplatzabbau im Berliner Gasturbinenwerk von Siemens „deutlich geringer als ursprünglich geplant“ ausfalle. „Dass es diese Entwicklung gibt, ist sehr schön.“ Ursprünglich wollte Siemens 800 Stellen streichen. Kreisen zufolge sollen nach Zugeständnissen der Arbeitnehmerseite in Berlin nun nur 250 Stellen gestrichen werden.

Auf dem Gelände der Berlin Chemie konnte sich die Delegation von der Weiterentwicklung des mehr als 90 Jahre alten Industriestandortes überzeigen. Das Unternehmen, Teil des italienischen Pharmakonzerns Menarini, investiert 70 bis 80 Millionen Euro für den Neubau und die Modernisierung der Forschungs- und Produktionsstätten. Menarini hatte die Fabrik nach der Wende im Jahr 1992 samt 380.000 Quadratmeter Fläche erworben. Auf 130.000 Quadratmetern entsteht jetzt das neue Pharmawerk, der Rest dser Fläche wurde an die Nachfolgeorganisation der Treuhand zurückgegeben. Er soll als Industrie- und Gewerbefläche neu erschlossen werden.

Mehr als 2000 Arzneimittel im Angebot

Berlin Chemie produziert mit seinen 1400 Beschäftigten mehr als 2000 Arzneimittel vor allem gegen Herz-Kreislauf- sowie Magen-Darm-Krankheiten und gegen Diabetes, wie Vorstandsvorsitzender Reinhard Uppenkamp sagte. Seit mehr als 30 Jahren betreibt das Unternehmen eine Werkstatt für Behinderte und bildet junge Menschen aus.

Udo Niehage, Präsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), bezeichnete die Digitalisierung, die Stärkung der dualen Ausbildung und die Bereitstellung von industriell nutzbaren Flächen als herausragende Aufgaben. „Der Senat muss dafür sorgen, dass es keine Konflikte gibt zwischen den Bedürfnissen moderner Industrie einerseits und Wohnbebauung andererseits“, sagt Niehage.

Berlin –