Berlin Partner

Warum Berlin die Stadt der Chancen geworden ist

Berlin überholt London beim Wagniskapital, Arbeitslosenzahlen sinken und der Zuzug steigt. Traditionelle und Digitalwirtschaft wachsen zusammen.

Im TechStars-Accelerator finden Start-ups (hier: Globumbus Drones) Kontakt zur traditionellen Wirtschaft

Im TechStars-Accelerator finden Start-ups (hier: Globumbus Drones) Kontakt zur traditionellen Wirtschaft

Foto: Fotograf: Stefan Kny / Stefan Kny

Berlin.  Die Wirtschafts- und Technologieförderungsorganisation Berlin Partner zieht zum Ende des ersten Halbjahres eine Erfolgsbilanz. Sie hat 141 Projekte unterstützt, bei denen 3033 Arbeitsplätze geschaffen und 223 Millionen Euro investiert wurden. Das berichten die Geschäftsführer Andrea Joras und Stefan Franzke.

„Wir befinden uns in einem absoluten Aufwind“, sagte Franzke. 2014 sei schon ein Rekordjahr gewesen und dieser Trend habe sich 2015 fortgesetzt. Bei den geschaffenen Arbeitsplätzen sei ein Plus von 25 Prozent zu verzeichnen, bei den Projekte ein Plus von 40 Prozent. „Wir können heute schon optimistisch sagen, dass wir den Vorjahreswert übertreffen werden“, kündigte Franzke an.

Ein wesentlicher Aufgabenschwerpunkt sei die Vernetzung der traditionellen und der digitalen Wirtschaft. Besonderes Augenmerk werde dabei auf die Stärkung des industriellen Sektors gelegt, in dem 100 Millionen Euro investiert worden seien. Jeder dritte neue Arbeitsplatz ist im industriellen Sektor entstanden.

Beschleunigungssensoren für Schwingungen

Franzke nennt drei Beispiele. Das 2015 komplett nach Berlin gezogene Unternehmen BeanAir entwickelt Beschleunigungssensoren für die Messung von Schwingungen in Brücken. Ferner werden die Module in der Automobilindustrie eingesetzt. Es wurden 30 Arbeitsplätze in Marzahn geschaffen.

Ein zweites Beispiel ist das Start-up Doodle aus Schweiz, das einen digitalen Terminplaner entwickelt hat, den 25 Millionen Menschen nutzen. Das 2012 gegründete Unternehmen hat sich am Alexanderplatz niedergelassen und dort seine erste internationale Tochtergesellschaft gegründet.

Aus dem Silicon Valley nach Berlin

Neu in Berlin ist auch der Start-up-Accelerator TechStars aus dem Silicon Valley, der sich im ehemaligen Staatsratsgebäude am Schlossplatz in Mitte angesiedelt hat und mit dem Handelskonzern Metro kooperiert. Gründer erhalten im Rahmen dreimonatiger Acceleratorprogramme Unterstützung durch Mentoren und Startkapital von rund 120.000 Dollar. Bei Doodle und TechStars half Berlin Partner mit seinem Talent-Service bei der Visa-Beschaffung.

Die neue Geschäftsführerin Andrea Joras bezeichnete die Vernetzung von Start-ups und etablierten Unternehmen als zentrale Aufgabe ihrer Organisation. „Wir beobachten, dass sich mehr etablierte Unternehmen Zugang zu Start-ups verschaffen und ihre Innovationszentren nach Berlin holen“, sagte sie. Grund dafür sei die inspirierende Atmosphäre. „Berlin ist eine Stadt der Chancen, die mit ihrer Mischung aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründerszene den besten Nährboden für Wachstum und Innovation bietet“, sagte sie. In Berlin komme das Beste aus zwei Welten zusammen.

Berlindustrie rocks

Die Kampagne „Berlindustrie rocks“ gab Anfang des Jahres 15 Berliner Industrieunternehmen die Möglichkeit, sich in Animationsfilmen in Szene zu setzen. Jeder Kurzfilm wurde mit einem Remix des Songs „Berlin“ der Band Bollmer in Kooperation mit Universal Music umgesetzt und dem Twitter-Hashtag #berlindustrie beworben.

In einer weiteren Aktion soll die 360-Grad-Wurfkamera des Berliner Start-ups Panono Industriestätten fotografieren oder das 3D-Druck-Startup 3Yourmind Industrieprodukte aus Berlin per 3D-Druck entstehen lassen.

Rocket-Ventures treffen Technologie

2015 gab es bereits mehr als 30 Veranstaltungen, die Start-ups, die etablierte Wirtschaft und die Wissenschaft zusammen brachten. In der zweiten Jahreshälfte ist ein Zusammentreffen der besonderen Art geplant: Bei „Rocket Ventures meets Adlershof“ treffen Digital-Start-ups aus der Rocket-Familie auf Tech-Start-ups aus Adlershof.

„Wir vernetzen Welten und sind auch international unterwegs“, sagte Joras. Im September werde eine Delegation nach New York reisen. Gemeinsam mit der Tourismusförderung VisitBerlin sollen Pop-up-stores eröffnet werden.

Weichen für nachhaltiges Wachstum stellen

„Berlin ist im Aufwind. Wir sind bemüht, die Weichen für nachhaltiges Wachstum zu stellen. Wir wollen Venture Capital. Und wir wollen daraus Kapital machen“, skizzierte Joras die künftige Strategie. Beim Wagniskapitel hat Berlin London bereits überholt. 2,2 Milliarden Dollar flossen im vergangenen Jahr in die deutsche Hauptstadt.

Berlin Partner verfügt nach Angaben von Stefan Franzke über einen Jahresetat von 20 Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln. Weitere zehn Millionen stammen von Sponsoren aus der Wirtschaft. Er bezeichnete das Sinken des staatlichen Anteil an den Investitionen (223 Millionen Euro) als Zeichen für die Nachhaltigkeit. „Unternehmen glauben an den Standort, etablierte vergrößern sich, neue siedeln sich an“.