Hochschulen

Spree Aviv – Israelis gründen Start-ups in Berlin

Das Bundeswirtschaftsministerium will Start-ups aus Israel nach Deutschland locken: Israelische Gründer profitieren davon.

Johanna Ludwig ist Mitgründerin des Start-ups "Akvola". Das Unternehmen mit israelischer Beteiligung hat eine neue Technologie zur Wasser

Johanna Ludwig ist Mitgründerin des Start-ups "Akvola". Das Unternehmen mit israelischer Beteiligung hat eine neue Technologie zur Wasser

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin schlägt eine neue Brücke nach Israel, eine Brücke der Wissenschaft und der wirtschaftlichen Innovation gleichermaßen, von der beide Seiten profitieren. Künftig können Israelis, die in der Hauptstadtregion Berlin-Potsdam ein Start-up-Unternehmen gründen wollen, vom Förderprogramm „Exist“ des Bundeswirtschaftsministeriums profitieren. „Exist“ bietet ihnen finanzielle Unterstützung in der ersten, oft schwierigen Phase der Gründung, wenn es darum geht, aus einer guten Idee ein marktfähiges Produkt zu machen, außerdem Beratung und den Zugang zu Räumen. Das Programm hat inzwischen ein jährliches Förderbudget von 50 bis 60 Millionen Euro.

Hochrangige Delegation

Am Montagmorgen haben Brigitte Zypries, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, und Steffen Krach, Staatssekretär in der Senatswissenschaftsverwaltung, die Ausweitung des Exist-Programms in Tel Aviv vorgestellt. Zur Berliner Delegation zählten Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, und die Präsidenten oder Vizepräsidenten von Technischer, Freier und Humboldt-Universität sowie der Universität Potsdam. Das zeigt, wie wichtig das Projekt genommen wird, das im Zusammenhang des 50. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel steht. Israelische Gründerteams können nun nicht nur von der finanziellen und organisatorischen Förderung profitieren, sondern auch Netzwerkstrukturen nutzen, deutsche Mitgründer finden oder mit anderen Start- ups zusammenarbeiten und in den europäischen Markt gelangen.

Nicht jeder Antrag wird bewilligt

Im Rahmen des „Exist“-Programms werden Absolventen sowie Wissenschaftler aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt, die ein innovatives Produkt oder eine wegweisende Dienstleistung entwickelt haben. Die Bewilligungsquote liegt bei lediglich 60 Prozent, die Tüftler müssen also eine wirklich gute und zugleich marktfähige Idee haben, um an die Fördertöpfe zu kommen. Bedingung ist zudem, dass das Gründerteam nicht nur aus Fachwissenschaftlern besteht, sondern auch über wirtschaftliche Expertise verfügt.

Das Programm verfolgt drei Linien: Es gibt Gründerstipendien zur Umsetzung des Businessplans, bis zu 150.000 Euro für zwölf Monate sowie einen „Forschungstransfer“ von bis zu 250.000 Euro für technisch besonders aufwendige Vorhaben, etwa in den Bereichen Energie, Cleantech oder Biotech. Dritte Linie ist ein Exzellenzprogramm zur Entwicklung der Gründungskultur an Hochschulen. Das bietet international herausragende Startbedingungen. Rund 1270 „Exist“-Stipendien wurden seit 2008 vergeben, davon gingen knapp 300 in die Hauptstadtregion. Die Technische Universität (TU), Berliner „Marktführer“ bei den Gründungen aus Hochschulen heraus, zählt pro Jahr 20 solcher Gründungen, im „Centre for Entrepreneurship“ würden 40 bis 50 Projekte betreut, so die Leiterin des Zentrums, Agnes von Matuschka.

Innovation für sauberes Wasser

„Wir sind glücklich und stolz, dass das Wirtschaftsministerium die Region Berlin-Potsdam ausgewählt hat. Das ist ein wichtiges Zeichen und auch eine Riesenchance“, sagte dazu Steffen Krach, Staatssekretär in der Senatswissenschaftsverwaltung, der Berliner Morgenpost. „Wir sagen aber auch selbstbewusst, dass wir viel zu bieten haben und es die richtige Region ist. Sie passt hervorragend zu der Start-up-Szene in Jerusalem, Haifa und Tel Aviv“, so Krach weiter. Diese Szene rangiert nach Ansicht von Experten weltweit hinter dem Silicon Valley auf Platz zwei. „Ich verspreche mir davon einen weiteren Schub für unsere Start-up-Region“, so Steffen Krach weiter.

Bereits heute sind Israelis an etlichen Berliner Start-ups als Gründer beteiligt. Dazu gehört zum Beispiel „Akvola“, 2012 gegründet und ebenfalls durch „Exist“ gefördert. Das spanisch-deutsch-israelische Team hat ein neues Verfahren zur Wasseraufbereitung mit keramischen Materialien entwickelt. Die Anlagen können zur Meerwasserentsalzung oder zur Reinigung von Industrieabwasser genutzt werden. Viele Experten erhoffen sich vor allem von neuen israelischen Gründern eine Belebung der Berliner Szene. Diese hätten oft eine andere Mentalität als deutsche Gründer, seien weniger die stillen Tüftler sondern stünden wirtschaftlichen Notwendigkeiten aufgeschlossener gegenüber. Das würde sich gut ergänzen

Ansprechpartner im Senat gesucht

Die Wissenschaftsverwaltung will die Gründungen aus Hochschulen heraus weiter fördern. „Die Berliner Hochschulen sind bei diesen Gründungen schon sehr gut aufgestellt. Es gibt aber noch Punkte, an denen nachgebessert werden kann. Zum Beispiel wünschen sich die Hochschulen einen klaren Ansprechpartner im Senat. Die Wissenschaftsverwaltung hat zugesagt, das anzubieten“, sagte Staatssekretär Krach. TU-Präsident Christian Thomsen betont ebenfalls die Wichtigkeit eines festen Ansprechpartners – auch nach außen in Richtung möglicher Investoren. Ein paar Zahlen spiegeln, wie wichtig der Markt der Start ups in Berlin und Brandenburg, die aus Universitäten und Fachhochschulen hervorgegangen sind, inzwischen ist. In den rund 1000 Unternehmen arbeiten mehr als 17.000 Mitarbeiter, der erwirtschaftete Gesamtumsatz lag 2013 bei 1,7 Milliarden Euro.