Für deutsche Unternehmen ist China ungemein attraktiv: Welche Absatzchancen bieten sich in einem aufstrebenden Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern. Auch der Berliner Recyclingkonzern Alba setzt auf China und sieht enorme Wachstumschancen. Denn wo die Wirtschaft boomt und mehr konsumiert wird, wird auch mehr weggeworfen – der Rohstoff für Albas Geschäft. Und jetzt sicherte sich der Konzern den größten Auftrag seiner Geschichte – eine gute Nachricht in sonst eher schwierigen Zeiten für das Familienunternehmen.

Alba wird über ein Tochterunternehmen in Hongkong künftig große Teile des sogenannten regulierten Elektronikschrotts der südchinesischen Metropole recyceln. Hongkong will ein Recyclinggesetz nach europäischem Vorbild erlassen, das dazu verpflichtet, elektronische Haushaltsgroßgeräte wiederzuverwerten. Darunter fallen unter anderem Kühl- und Klimageräte, Fernseher, Waschmaschinen, Reiskocher und Computer.

„Wir haben uns in einem internationalen Bieterverfahren gegen zwölf Konkurrenten unter anderem aus Japan und Europa durchgesetzt“, sagte Axel Schweitzer, Co-Vorstandschef der Alba Group, der Berliner Morgenpost. In den kommenden zwei Jahren wird ein Tochterunternehmen in Hongkong zunächst eine Recyclinganlage mit eigener Technologie nach dem Vorbild zweier Alba-Anlage in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg errichten und dann zehn Jahre lang betreiben. Das Projekt schaffe rund 280 neue Arbeitsplätze, sagte Schweitzer. Auch in Deutschland entstünden durch den Auftrag zusätzliche Stellen.

Stadt Hongkong ist Auftraggeber

In Hongkong arbeitet Alba mit dem örtlichen Logistikpartner IWS zusammen, der zu einem Viertel an der Alba-Tochter in Hongkong beteiligt ist. Auftraggeber ist die Stadtverwaltung Hongkongs, der Auftrag hat ein Volumen von umgerechnet insgesamt 318 Millionen Euro, davon 49 Millionen Euro für den Bau der Anlage. Und das ist erst der Anfang: „Ich bin zuversichtlich, dass das nicht die einzige positive Nachricht aus China in diesem Jahr bleiben wird“, sagte Schweitzer.

Das Unternehmen will in China eine „signifikante Rolle“ in der Recyclingwirtschaft übernehmen. So werde in China noch 70 Prozent des Hausmülls unbehandelt deponiert, sagte Schweitzer. In Deutschland ist das seit zehn Jahren verboten, entsprechend hoch ist der Recyclinganteil. Auch China will künftig mehr Abfall nutzen. Wegen der Pläne in China wollen Axel und sein Bruder Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages ist, das Familienunternehmen Alba für einen Investor öffnen, um Kapital für den Ausbau zu bekommen.

Hat Alba die Wende geschafft?

Das Bankhaus Rothschild ist mit der Suche beauftragt, die Schweitzers haben sich zwölf Monate Zeit gegeben. „Erfreulicherweise haben wir eine hohe Attraktivität“, sagte Axel Schweitzer. Es gebe zahlreiche Interessenten. Er führt das auf die Recyclingtechnologie des Unternehmens zurück und darauf, dass die Zahlen wieder besser aussehen, weil das Management „seine Hausaufgaben gemacht hat“.

Denn richtig gut steht Alba nicht da. Hartnäckig hält sich in der Branche auch das Gerücht, es sei finanziell etwas eng. Der Konzern hat unter 500 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Schweitzer hatte allerdings bereits im März gesagt, Alba verfüge über ausreichend Geld. Immerhin scheint das Unternehmen die Wende geschafft zu haben. Darauf deuten die Zahlen der börsennotierten Konzerntochter Alba SE (früher Interseroh) mit Sitz in Köln hin. Die Konzernholding Alba Group mit Sitz in Berlin hält rund 93 Prozent der Aktien. In der Alba SE sind Schrott- und Metallrecycling sowie Dienstleistungen gebündelt. Die Holding Alba Group betreibt unter anderem die zahlreichen Recyclinganlagen des Konzerns.

Jahresumsatz 1,6 Milliarden Euro

Im vergangenen Jahr setzte die Alba SE rund 1,6 Milliarden Euro um, 0,1 Milliarden Euro weniger als 2013. Gleichzeitig stieg allerdings das Betriebsergebnis von 26,2 auf 33,7 Millionen Euro. Unter dem Strich schrieb das Unternehmen allerdings 39,9 Millionen Euro Verlust, vor allem wegen hoher Wertberichtigungen und Abschreibungen im Zuge des Umbaus. 2013 waren es 43,6 Millionen Euro. Das Jahr gilt als das schlechteste in der Geschichte.

Auch 2014 war schwierig. Das Geschäft mit Recyclingstahl schwächelte, weil die Eisenerzpreise weltweit um fast 40 Prozent gefallen sind.

Der gesamte Konzern hat 2014 knapp 2,5 Milliarden Euro umgesetzt, nach 2,6 Milliarden Euro 2013. Vermutlich wird ein Verlust anfallen, allerdings weniger als 2013. Damals waren es 58,6 Millionen Euro. Schwarze Zahlen in der Alba Group erwartet Schweitzer für 2016.