Air-Berlin-Krise

Von Fidschi nach Berlin - Stefan Pichler wird Air-Berlin-Chef

Die angeschlagene Fluggesellschaft bekommt einen neuen Chef. Wolfgang Prock-Schauer lege zum 1. Februar auf eigenen Wunsch sein Amt nieder, Nachfolger werde der frühere Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler.

Foto: JONATHAN DRAKE / BLOOMBERG NEWS

Air Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer tritt ab. Prock-Schauer werde zum 1. Februar 2015 sein Amt auf eigenen Wunsch niederlegen, teilte die Fluglinie am Montag mit. Zu seinem Nachfolger habe der Aufsichtsrat Stefan Pichler bestimmt, der bereits 2012 als Air-Berlin-Chef im Gespräch war.

Pichler zählt zum Urgestein der deutschen Tourimusbranche. Der Luftfahrt-und Touristikexperte war unter anderem Chef der Thomas Cook AG, zudem maßgeblich verantwortlich für den Umbau der britischen Billigfluglinie Virgin Blue und die Rettung von Jazeera Airways aus Kuwait. Derzeit ist Pichler Vorstandschef von Fiji Airways, der früheren Air Pacific.

Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne geschrieben. Die arabische Airline Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält die Berliner seither mit Finanzspritzen in der Luft.

Gleichzeitig saniert Air Berlin sich seit Jahren – jedoch ohne großen Erfolg. Derzeit werden die Blaupausen für einen Konzernumbau erarbeitet. Details sollen nach früheren Angaben mit der Zwischenbilanz am 13. November vorgestellt werden. Einiges ist schon bekannt: So verringerte die Fluglinie die Kapazität um fünf Prozent und streicht 200 Jobs.

Prock-Schauer übernimmt die Netzplanung von Air Berlin

Mit dem Abschied von Prock-Schauer endet eine weitgehend glücklose Ära bei Air Berlin. Dem Österreicher, der zuvor unter anderem die indische Jet Airways geführt hatte, gelang es nicht, die Dauerkrise der als „Mallorca-Shuttle“ bekannt gewordenen Airline zu beenden. Stattdessen geriet der Lufthansa -Rivale in der Zeit seiner Führung immer wieder in die Schlagzeilen, im Frühjahr wegen Spekulationen über den Rückzug von der Börse und jüngst, weil das Luftfahrtbundesamt Code-Share-Flüge mit Großaktionär Etihad untersagte.

Prock-Schauer werde künftig dem Management Board der Fluggesellschaft weiter als Chefstratege angehören und dabei für die Netzplanung verantwortlich sein. Er hatte im Januar 2013 den jetzigen Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn abgelöst. Zuvor hatte er sich an der Sanierung der damaligen Lufthansa-Beteiligung British Midland (bmi) versucht.

Prock-Schauer hatte im Frühjahr zugeben müssen, dass die bisherigen Sparanstrengungen nicht ausreichen, um Deutschlands zweitgrößte Airline zurück in die Gewinnzone zu bringen. Er kündigte daraufhin eine grundlegende Neuausrichtung an, hielt dann aber am bisherigen Geschäftsmodell fest. Air Berlin sei mit den drei Segmenten Europa, Touristik und Langstrecke genau richtig positioniert. In den vergangenen Monaten strich die Fluggesellschaft 900 Stellen. rtr/dpa