Warenhäuser

Benko will Karstadt innerhalb von zwei Jahren sanieren

Der neue Eigentümer René Benko muss den Karstadt-Konzern dringend für den Wettbewerb fit machen. Der Umbau der bundesweit 83 Filialen könnte mehr als eine Milliarde Euro kosten. Schließungen drohen.

Foto: Herbert Neubauer / dpa

Der neue Karstadt-Eigentümer René Benko will die angeschlagene Warenhauskette nach einem Bericht des „Handelsblatts“ innerhalb von ein bis zwei Jahren sanieren. Benkos Rettungsplan sehe vor, anhaltend verlustreiche Karstadt-Häuser zu schließen. Attraktive Standorte sollten in Einkaufsmeilen mit Markenhändlern verwandelt werden, berichtet die Wirtschaftszeitung. Der Konzern selbst solle saniert werden – mit neuer Organisation und Informationstechnik.

„Durch den neuen Eigentümer herrscht nun endlich Klarheit“, zitiert die Zeitung Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl. „Es gibt viel zu tun, wir werden die nächsten wichtigen Schritte einleiten.“ Bereits an diesem Donnerstag will der Aufsichtsrat nach bisherigen Planungen über die Sanierung beraten.

Es gebe eine „Fokus“-Liste, auf der rund 20 defizitäre Karstadt-Häuser stünden, berichtet das „Handelsblatt“. Jedes dieser Häuser komme auf den Prüfstand. Gebe es keine Chance, den Standort in die schwarzen Zahlen zu bringen, werde es geschlossen. Die Karstadt-Beschäftigten müssten sich auf weitere Einschnitte einstellen.

Die Sanierung wird für Benko zu einem finanziellen Kraftakt. Der Umbau könne eine Milliarde Euro oder mehr kosten, wie erste Einschätzungen zeigten. Arno Peukes, Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat, bezifferte die Schließungskosten je Filiale auf durchschnittlich 15 Millionen Euro. Das Geld müsse für Sozialpläne, meist langfristige Mietverpflichtungen, Standortkosten und andere Posten aufgewendet werden.

Fusion von Karstadt mit dem Rivalen Kaufhof

Erst nach der Sanierung von Karstadt wolle Benko dann sein eigentliches Ziel in den Vordergrund rücken: Die Schaffung einer Deutschen Warenhaus AG, also die Fusion von Karstadt mit dem Rivalen Kaufhof, hieß es weiter.

Am Freitag war bekannt gegeben worden, dass der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen die 83 verbliebenen Karstadt-Warenhäuser und die restliche Beteiligung an den Premiumhäusern sowie an den 28 Sporthäusern für einen Euro an den österreichischen Investor René Benko verkauft.

Das Bundeskartellamt bestätigte am Montag, dass die Übernahme inzwischen auch bei der Wettbewerbsbehörde angemeldet worden sei. Offiziell hat die Behörde einen Monat Zeit für eine erste Prüfung des Vorhabens. Doch könnte die Entscheidung auch deutlich schneller fallen, wenn die Behörde die Übernahme als unproblematisch einstuft, womit allgemein gerechnet wird.

Die Gewerkschaft Verdi forderte unterdessen den neuen Karstadt-Eigentümer auf, ein umfassendes Konzept für die Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette zu präsentieren. „Es muss tragfähig, es muss nachhaltig sein. Es braucht eine Strategie. Dazu gehört: Wie müssen die Sortimente aussehen, wie sollen die Häuser an den einzelnen Standorten ausgerichtet sein, damit die Arbeitsplätze sicher sind“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger im Bayerischen Rundfunk.

Die Karstadt-Beschäftigten sind nach ihren Worten vom bisherigen Besitzer Nicolas Berggruen „bitter enttäuscht“. Sie hätten erwartet, dass Berggruen „mit einer hohen Motivation und vor allen Dingen mit Geld bei Karstadt einsteigt, dass Investitionen vorgenommen werden“. Das sei aber nicht in dieser Form geschehen. Berggruen hatte in der Zeitung „Bild“ Fehler im Management von Karstadt eingeräumt, gleichzeitig aber Vorwürfe zurückgewiesen, sich am Unternehmen bereichert zu haben.