Eigentümerwechsel

Bis zu 20 Karstadt-Filialen droht nun die Schließung

Bei Karstadt hat nun der Österreicher René Benko das Sagen. Was auf die Mitarbeiter zukommt, ist noch unklar. Die Städte wie Berlin hoffen auf das richtige Konzept des neuen Eigentümers.

Nach dem Eigentümerwechsel bei der Warenhauskette Karstadt droht offenbar bis zu 20 der insgesamt noch 83 Filialen die Schließung. Am kommenden Donnerstag werde der Karstadt-Aufsichtsrat über ein Sanierungskonzept beraten, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Umfeld des neuen Eigentümers René Benko. Mittelfristig könnten „15 bis 20 Häuser“ geschlossen werden, hieß es demnach. Vorher solle jedes Haus auf seine Rentabilität geprüft werden.

Die Signa Holding des österreichischen Unternehmers Benko hatte am Freitag mitgeteilt, sie übernehme die verschuldete Warenhauskette Karstadt komplett. Es fließe kein Kaufpreis, betonte Signa. Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen. Der bisherige Besitzer Nicolas Berggruen hatte Karstadt im September 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Benkos Umfeld weiter berichtete, will der Unternehmer „zehn Jahre oder mehr“ dabeibleiben und dabei auch in das Unternehmen investieren. Demnach plant er, Markenhändler als zusätzliche Mieter in Karstadt-Häuser zu holen und sie zu Shoppingzentren umzubauen.

Umbau am Kurfürstendamm

Bereits im Januar 2014 hatte die Berliner Morgenpost berichtet, Berlins größter Privatinvestor Harald Huth soll das bekannte Karstadt-Warenhaus am Kurfürstendamm neu gestalten. Unter Führung des erfahrenen Projektentwicklers, der unter anderem auch die Shopping-Center „Das Schloss“ in Steglitz sowie die Gropiuspassagen in Neukölln errichtet hat, solle der Komplex komplett neu gestaltet werden, hieß es damals. Benko sei für das Projekt eine Allianz mit Huth eingegangen. Die Planungen zur Neuausrichtung der Immobilie liefen bereits, so mit der Materie vertraute Kreisen.

Die Gewerkschaft Verdi und der Karstadt-Betriebsrat hatten Benko aufgefordert, das Zukunftskonzept zu präsentieren und zu zeigen, dass er gewillt sei, ausreichend in das Unternehmen zu investieren. Berggruen wird vorgeworfen, dies nicht getan zu haben.

Der Deutsch-Amerikaner wies Vorwürfe zurück, sich an dem Unternehmen bereichert zu haben. „Fakt ist: Karstadt war für uns kein gutes Geschäft, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch mit Blick auf meinen Ruf in Deutschland“, sagte er der „Bild“.

Der Deutsche Städtetag hofft nun, dass der neue Eigentümer ein kluges Zukunftskonzept für die Warenhauskette vorlegt. „Die Städte brauchen attraktive Zentren und haben großes Interesse daran, dass es dem Einzelhandel vor Ort gut geht“, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus: „Warenhäuser tragen zu lebendigen Innenstädten bei, ziehen Käufer an und nutzen auch dem Einzelhandel in ihrem Umfeld.“ In der Vergangenheit habe sich gezeigt: „Wo Warenhäuser schließen, sinken oft auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe und kann ein Stück Lebensqualität verloren gehen.“ Aber die Landschaft im Handel sei vielfältiger geworden, betonte Articus: „Diesem Wandel müssen sich die Warenhäuser immer stärker stellen.“