Christopher Muhr

Warum der Groupon-Europachef das Schnäppchenportal verlässt

Er gründete Citydeal, verkaufte seine Firma nach fünf Monaten an Groupon und wurde dessen Europachef. Jetzt kündigt er seinen Rückzug an - und will in Berliner Start-ups investieren.

Foto: groupon

Groupon-Topmanager Christopher Muhr hat seinen Rückzug aus der Führung des Gutscheinportals bekannt gegeben und wird das Unternehmen Mitte Mai verlassen. Das teilte er Donnerstag gegen 9.30 Uhr den mehr als 5000 Beschäftigten des Unternehmens in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) per E-Mail mit. Muhr hatte zuletzt die Funktion des Vizepräsidenten für den EMEA-Bereich des Unternehmens inne.

Der in Bonn geborene Christian Muhr (33), der mehrere Start-ups in Europa aufgebaut hat, gehört zu den Mitgründern des Ende 2009 gelaunchten Couponvermarkters Citydeal. Die Samwer-Brüder (Rocket Internet) und Holtzbrinck Ventures hatten das in Großbritannien gestartete Gutscheinportal finanziert.

Das Unternehmen wurde nur fünf Monate nach dem Start an Groupon verkauft, was dem US-Unternehmen den Eintritt in den europäischen Markt ermöglichte. Über die Summe wird spekuliert: Sie soll zwischen 100 und 300 Millionen US-Dollar betragen haben.

Zeit für nächsten Karriereschritt

Danach wechselte Muhr ins Groupon-Management und kehrte 2012 nach Europa zurück, um die Leitung des Dienstes in den EMEA-Märkten zu übernehmen. Unter seiner Führung stieg der Jahresumsatz auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar an, die Zahl der Beschäftigten stieg auf mehr als 5000.

In seiner Abschiedsmail schreibt Muhr, nach viereinhalb Jahren bei Groupon sei die Zeit für den nächsten Abschnitt seiner Karriere gekommen. Er verweist darin ferner auf die Erfolge des Unternehmens in seinem Verantwortungsbereich: Das vierte Quartal 2013 sei das stärkste Vierteljahr aller Zeiten gewesen. Die EMEA-Region sei nun perfekt aufgestellt für die weitere Expansion. „Ich bin stolz auf das, was wir in dieser kurzen Zeit geschafft haben“, schreibt Muhr.

Start in turbulenten Zeiten

Muhr hatte die Aufgabe in turbulenten Zeiten übernommen. „Wir hatten handfeste Probleme“, sagt er zurückblickend. Nach einem anfänglichen Höhenflug war das Geschäft eingebrochen. Der Mitgründer und Firmenchef Andrew Mason war gefeuert worden.

„Ich mache gerne Sachen zuende“, begründete Muhr am Donnerstag seinen Ausstieg bei Groupon. „Nachdem wir eine nachhaltigere Basis geschaffen haben, ist Groupon jetzt auf einem guten Weg.“

Europageschäft wächst wieder

Muhrs Aufgaben soll der Mail zufolge Tamer Tamar übernehmen, der zuvor für die Unternehmen Expedia und Orbitz tätig war. „Die besten Tage für Groupon stehen noch vor uns“, schließt Muhr die Mail an seine Beschäftigten.

Im vierten Quartal 2013 war der bereinigte Umsatz des Unternehmens gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 768 Millionen US-Dollar gestiegen, die Zahl der Deals um fünf Prozent auf 1,6 Milliarden.

Die Zahl der Geschäfte auf dem EMEA-Markt waren im vierten Quartal 2013 um sechs Prozent auf 556 Millionen US-Dollar gestiegen, der Umsatz um 43 Prozent auf 251 Millionen Dollar. Das waren die ersten positiven Zahlen nach fünf negativen Quartalen.

Muhr will eigene Unternehmen aufbauen

Langfristig gesehen sei die Tätigkeit bei Groupon eine gute Schule gewesen und „eine super Umgebung“. Er will nun wieder „selber Unternehmen aufbauen und investieren“. Dabei will er einen ähnlichen Ansatz wir Rocket Internet verfolgen, wofür er die Bezeichnung „Inkubuilder“ wählte – eine Kombination aus Inkubator und Company Builder.

Dabei liegt sein Fokus im Bereich E-Commerce. „Es gibt im Handel Bereiche, in denen der Schritt von Offline zu Online noch nicht wirklich vollzogen ist“, beschreibt er seinen Ansatz. Das Internet müsse als Infrastuktur des Einzelhandels stärker genutzt werden. „Das Netz muss das Gateway für lokale Händler werden“, sagt Muhr.

Muhr setzt auf Berliner Internetszene

Als Investor will Muhr in Berlin und an der amerikanischen Ostküste tätig werden. „Das Silicon Valley ist zu weit entfernt“, sagt er. „Unternehmer mit einer europäischen Tradition sind in den USA gefragt und rar“, sagt er. Das zeige sich auch daran, dass in der Vergangenheit zahlreiche Gründer aus dem Valley nach Berlin gekommen seien, um diese Tradition näher kennenzulernen.

„Ich bin überrascht, wie gut sich die Berliner Internetszene entwickelt hat. Es gibt viele tolle Modelle mit einer sehr guten Performance“, sagt Muhr. Anfangs habe er die Chancen des Standorts wegen der großen Konkurrenz in den USA skeptisch beurteilt.

Muhr war in der Vergangenheit nicht nur als Manager aktiv. Als Business Angel und Investor beteiligte er sich am Aufbau mehrerer Start-ups in Europa und den USA. Seinem Wikipedia-Eintrag zufolge wurde er 2011 vom Branchenmagazin Wired zur Nummer 35 der 100 wichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten gewählt.