Berliner Immobilienkonzern

Machtkampf bei der Wohnungsgesellschaft GSW eskaliert

Angeführt von einem holländischen Pensionsfonds wollen Investoren Vorstands- und Aufsichtsratschef loswerden. Gleichzeitig wird betont, dass andere GSW-Manager viel geeigneter wären.

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Es gibt vieles was Hans op ’t Veld am Berliner Immobilienkonzern GSW mag. Zum Beispiel dessen Fokus auf den boomenden Immobilienmarkt der deutschen Hauptstadt, wo die GSW rund 60.000 Wohnungen besitzt. „Wir mögen Unternehmen mit einer klaren Strategie“, sagt op ’t Veld, der beim niederländischen Pensionsfonds PGGM die Immobilien-Investitionen überwacht. Wen Hans op ’t Veld weniger mag, sind die wichtigsten Manager der GSW, Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend und Vorstandschef Bernd Kottmann. „Wir sehen keine anderen Optionen, als das beide ihre Ämter niederlegen“, sagt der Niederländer, dessen Unternehmen gut 2,6 Prozent der GSW-Aktien hält.

Großes Misstrauen

Op ’t Veld und PGGM liegen beim Machtkampf mit der GSW-Spitze deutlich in Führung. Auf der Hauptversammlung am Dienstag stimmten 63 Prozent für einen PGGM-Antrag, mit dem Vorstandschef Kottmann das Vertrauen entzogen wurde. Zudem scheiterte ein Antrag auf Ablösung von Chefkontrolleur von Freyend denkbar knapp: 75 Prozent wären nötig gewesen, 69 Prozent betrug das Ergebnis. Angesichts eines solchen Misstrauens ist eine Lösung ohne personelle Konsequenzen schwer vorstellbar.

Wie angeschlagen die beiden GSW-Spitzenmanager sind, dokumentieren ihre Äußerungen. Der Aufsichtsrat werde sich in einer außerordentlichen Sitzung „zeitnah“ mit den Ergebnissen befassen, ließ von Freyend in einer Mitteilung verbreiten. Und: „Bis dahin werden wir über mögliche Konsequenzen nicht spekulieren.“ Das klingt nicht gerade nach Rückhalt für Vorstandschef Bernd Kottmann. Dieser wiederum betont im Gespräch mit der Morgenpost: „Ich werde nicht zurücktreten.“ Über das Ergebnis der Hauptversammlung sei er „alles andere als glücklich“. Aber er habe einen Vertrag als GSW-Vorstandschef und sei bereit, diesen zu erfüllen. „Ich will den Investoren beweisen, dass ich der richtige Mann bin.“ Ob er diese Chance erhält, entscheidet sich in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche – ebenso wie das Schicksal seines Mentors von Freyend.

Der Auslöser des Machtkampfs

Die engen Bande zwischen beiden Managern sind Auslöser des Machtkampfes, den es in dieser Art bei einer deutschen Aktiengesellschaft aus dem MDax der mittelgroßen Börsenwerte bisher kaum gegeben hat. Weil der vormalige GSW-Chef Thomas Zinnöcker zum Konkurrenten Gagfah wechselte, musste im März ein Nachfolger gefunden werden. Der Aufsichtsrat stellte schließlich Kottmann vor, der jahrelang unter dem Vorstandschef von Freyend beim Immobilienkonzern IVG gearbeitet hatte. PGGM und andere GSW-Aktionäre vermuten Vetternwirtschaft und sprechen von mangelnder Transparenz.

„Die mangelhafte Information und Einbindung von Investoren bei einer solch wichtigen Entscheidung bereitet uns Sorge“, PGGM-Manager Hans op ’t Veld. Vertrauen sei zerstört worden. Zudem gebe es innerhalb der GSW Manager, die für den Spitzenposten besser geeignet seien als Kottmann. „Aber Namen werde ich nicht nennen“, sagt op ’t Veld.

Delikate Äußerungen

Diese Äußerungen sind delikat. Mitarbeiter, Investoren, alle möglichen Leute der Immobilienbranche schauen nun natürlich auf die Namen der GSW-Vorstände – und spekulieren munter darüber, wer von ihnen als besser geeignet gilt als Kottmann. Dem Klima innerhalb des GSW-Führungsgremiums tut das genauso wenig gut wie dem Ansehen von Kottmann. Dieser sieht darin jedoch kein Problem und würdigt das gute und professionelle Arbeitsklima unter den Spitzenmanagern der GSW. Für etwaige Enttäuschungen zeigt er Verständnis. Es sei nun mal so, dass Vorstände normalerweise Ambitionen hätten, wenn der Posten des Vorstandschefs frei werde.

Ehrgeizige Manager dürfen angesichts des Machtkampfes bei der GSW wieder hoffen. Denn PGGM und andere Investoren werden sich kaum besänftigen lassen. „Die weiteren Schritte hängen vom Ergebnis der Aufsichtsratssitzung ab“, sagt Hans op ’t Veld. Normalerweise, betont er, würde PGGM nicht als aggressiver Aktionär auftreten. Doch die GSW ist für die Niederländer ein Präzedenzfall für den Umgang zwischen Spitzenmanagement und Aktionären in Deutschland. Internationale Investoren sind es gewohnt, bei wichtigen Entscheidungen wie Personalfragen aktiv mitzureden. Sie finden sich nur schwer damit ab, wenn ein Aufsichtsrat eigenständig agiert. Genau dies erlaubt aber das deutsche Aktienrecht. Insofern ist der Machtkampf bei der GSW auch ein Konflikt verschiedener Kulturen.