Verseuchtes Futter

Behörden untersuchen Milch auf Schimmelgift

Der gefährliche Schimmelpilz Aflatoxin B1 könnte über verseuchtes Futtermittel in Milch gelangt sein. In Betrieben werden Proben genommen.

Foto: Martin Schutt / dpa

Der Skandal um den gefährlichen Schimmelpilz Aflatoxin in Tierfutter weitet sich aus. Auf der Basis weiterer Unterlagen von Futtermittelunternehmen teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium in Hannover mit, die Zahl der mit dem verseuchten Mais aus Serbien belieferten Betriebe betrage nunmehr mindestens 4467 – knapp tausend mehr als am Vortag angegeben.

Kurz zuvor hatte das Ministerium die Zahl mit 6457 angegeben, dies dann aber in der späteren Mitteilung wieder nach unten korrigiert. Insgesamt rund 45.000 Tonnen Körnermais mit hohen Konzentrationen des giftigen und krebserregenden Aflatoxin B1 waren von Serbien nach Deutschland geliefert worden. 35.000 Tonnen wurden in Lagerhallen in Brake und Bremen beschlagnahmt, 10.000 Tonnen jedoch bereits ausgeliefert.

Gefährdung unwahrscheinlich

Tiere, die das mit verseuchtem Mais versetzte Mischfutter fressen, können giftige Abbauprodukte über die Milch weitergeben. Jedoch ist nach bisherigen Einschätzungen von Experten eine Gefährdung der Verbraucher unwahrscheinlich.

Der Milchindustrie-Verband erklärte, Milch und Milchprodukte seien „weiterhin unbedenklich“. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wollte zunächst nicht vor dem Verzehr bestimmter Produkte warnen. Dazu sei es „zu früh“, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel der „Saarbrücker Zeitung“.

Aflatoxin B1 reichert sich in Milch stark anDie Milch betroffener Betriebe darf nur nach einer Überprüfung ausgeliefert werden, weil sich Aflatoxin B 1 in Milch anders als in Fleisch stark anreichert. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden inzwischen 79 Milchproben untersucht, bei keiner sei eine Überschreitung der Aflatoxin-Grenzwerte festgestellt worden.

Grenzwerte überschritten

Bei insgesamt 19 untersuchten Futtermittel-Proben seien dagegen in acht Fällen Überschreitungen der Grenzwerte registriert worden. Das Ministerium teilte überdies mit, zum jetzigen Zeitpunkt könne eine Höchstmengenüberschreitung auch in Leber und Nieren geschlachteter Tiere noch nicht ausgeschlossen werden.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) kritisierte, mehrere Futtermittelunternehmen hätten die Verfügung seines Hauses zur schnellen Lieferung der Listen über verseuchte Maislieferungen ignoriert. „Die verzögerte Zustellung zeigt, dass die Zusage der Wirtschaft, Daten im Rahmen der Rückverfolgbarkeit innerhalb kürzester Zeit vorzulegen, nicht funktioniert“, erklärte Meyer.

Die serbischen Behörden hatten Mitte vergangener Woche Milch verschiedener Hersteller wegen einer Aflatoxin-Belastung aus dem Verkehr gezogen. Serbischen Medienberichten zufolge war den staatlichen Stellen die Verseuchung bereits seit einiger Zeit bekannt gewesen. Das belastete Tierfutter sei während der Dürre auf dem Balkan im Sommer 2012 verfüttert worden.