Ein neuer Futtermittel-Skandal mit krebserregendem Schimmelpilzgift verunsichert die Verbraucher in mehreren Bundesländern. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden rund 10.000 Tonnen Mais aus Serbien ausgeliefert, der mit giftigem Aflatoxin B1 verunreinigt ist. Für diesen Stoff gelten strenge Grenzwerte, die in diesem Fall jedoch um ein Vielfaches überschritten wurden. Betroffen ist nach Behördenangaben Tierfutter für Schweine, Rinder und Geflügel.
Eine Gefährdung für die Verbraucher sei nach einer ersten Einschätzung jedoch unwahrscheinlich, hieß es. In die menschliche Nahrungskette gelange das Gift über die Milch, erläuterte Staatssekretär Udo Paschedag am Freitag in Hannover. Die Rohmilch werde von den Molkereien mit der Milch anderer Erzeuger in Stapeltanks vermischt, wenn sie vom Hof abgeholt werde. Fleisch und Eier seien unbedenklich, weil die Tiere den im Kreislauf befindlichen Stoff rasch abbauten.
Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin gibt Entwarnung. Institutspräsident Andreas Hensel erklärte: „Hier haben wir im Moment keine Anzeichen für eine Gesundheitsgefährdung des Verbrauchers.“ Schimmelpilze auf Lebensmitteln und Futtermitteln seien völlig normal, so Hensel. „Wir haben also hier erst mal einen Normalfall und noch keine Krise und noch keinen Skandal.“
45.000 Tonnen verunreinigter Mais
Ermittler hatten im Hafen von Brake rund 45.000 Tonnen mit dem verunreinigten Mais entdeckt. Rund 10.000 Tonnen konnten im Hafen gesperrt werden, weitere 25.000 in einer Lagerhalle in Bremen. Die restlichen 10.000 Tonnen gingen an 13 Unternehmen in Niedersachsen, die daraus Mischfutter für Rinder, Schweine und Geflügel herstellten.
Dieses wurde an 3560 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen sowie 14 in Nordrhein-Westfalen geliefert. Auch Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und die Niederlande seien in geringem Maße betroffen, hieß es. Die letzten Höfe waren am Montag beliefert worden. Bis zu eine Woche lang könne das Gift nach der letzten Fütterung in die Milch gelangen, sagte Paschedag.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Bundesverbraucherministerium die Länder bereits im Herbst wegen möglicher Belastungen von Mais mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin gewarnt. In den vergangenen Monaten sei EU-weit eine Reihe von Schnellwarnmeldungen zu erhöhten Aflatoxin-Gehalten in Mais aus verschiedenen EU-Staaten eingegangen, bestätigte ein Sprecher. Das Ministerium habe daher im Oktober die für Futtermittelkontrollen zuständigen Länderbehörden und die Wirtschaft auf die Gefahr erhöhter Werte aus der Maisernte 2012 hingewiesen und um erhöhte Wachsamkeit gebeten.
BM





