Geldhaus

Die Landesbank Berlin schrumpft zur Sparkasse zusammen

Aus der LBB wird die Berliner Sparkasse. Noch ist offen, ob und in welchem Umfang Personal abgebaut wird. Die Mitarbeiter sind beunruhigt.

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Berlins größtem Geldhaus steht ein radikaler Umbau bevor. Die Landesbank Berlin (LBB) soll nach Willen der Eigentümer auf einen Sparkassenbetrieb zurecht gestutzt werden. Das Kapitalmarktgeschäft (LBB Invest) und das Tochterunternehmen Berlin Hyp werden aus der LBB herausgelöst. Das geht aus einem Brief des LBB-Vorstands an die Mitarbeiter hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Noch völlig offen ist, ob und in welchem Umfang Personal abgebaut wird oder wie viele Mitarbeiter aus Berlin wegziehen müssen. Fest steht: Seit dem Umbau der früheren Bankgesellschaft Berlin und der folgenden Privatisierung gab es in dem Institut nicht mehr so viel Unruhe. Symbolträchtig wird auch der Name LBB verschwinden.

Neuer Rahmen

Damit steht der Rahmen für die Neuordnung des Berliner Finanzkonzerns, um den seit Monaten gerungen wird. Erst wurde im Sommer die Komplettübernahme der LBB durch die deutschen Sparkassen besiegelt, in dem die letzten Kleinaktionäre abgefunden wurden. Die Unternehmensberatung Roland Berger erstellte ein Konzept, wie das Institut in die deutsche Sparkassenlandschaft eingebettet werden kann. Vor allem ging es darum, die LBB weniger riskant und insgesamt effizienter herzurichten. Schließlich hatten die deutschen Sparkassen im Jahr 2007 mehr als sechs Milliarden Euro für das Institut gezahlt, das einst zu 80 Prozent dem Land Berlin gehörte. Im vergangenen Jahr mussten die Eigentümer 430 Millionen Euro auf den Unternehmenswert der LBB abschreiben. Spätestens da war klar: Es muss sich was tun bei der LBB – und das wird nicht ohne Folgen für die rund 6000 Mitarbeiter in Berlin bleiben.

Im Kern wird die LBB auf eine reine Großstadtsparkasse geschrumpft. Am Montag einigten sich die regionalen Sparkassenverbände sowie des Zentralverbands DSGV auf Folgendes: Das Kapitalmarktgeschäft der LBB, darunter die Tochter LBB Invest geht zur Frankfurter Dekabank. Diese wiederum legt beispielsweise Aktien- und Rentenfonds auf, deren Anteile dann über die Sparkassen an Kunden verkauft werden. Die LBB betreibt – in kleinerem Maßstab – ein ähnliches Geschäft mit Fonds und vor allem Zertifikaten. Da beide Institute – LBB und Dekabank – den Sparkassen gehören, wurde schon lange gefordert, Überschneidungen zurecht zu stutzen.

Aus der Berlin Hyp, die sich um die Finanzierung von Großimmobilien kümmert, wird ein eigenständiges Unternehmen. In der Berlin Hyp nahm Anfang des Jahrtausends der Skandal um die Bankgesellschaft Berlin seinen Anfang. Mittlerweile gilt das Institut aber längst wieder als seriöse Adresse der Immobilienfinanzierung.

Bleibt von der LBB die Berliner Sparkasse, die heute schon Kern des Finanzkonzerns ist. „Die sich neu formierende Berliner Sparkasse soll sich voll und ganz auf das Kerngeschäft der Privat- und Firmenkundenbetreuung sowie die lokale gewerbliche Immobilienfinanzierung in der Region Berlin-Brandenburg konzentrieren“, heißt es in dem Brief. Bedeutet: Das Geschäft mit regionalen Privat- und Geschäftskunden steht im Vordergrund. Dazu kommen Serviceleistungen für die anderen deutschen Sparkassen, beispielsweise bei Konsumentenkrediten.

Am 12. Dezember sollen alle Eigentümer-Sparkassen der LBB über das Konzept informiert werden. Dann müssen noch diverse Gremien in der Sparkassenlandschaft das Vorhaben abnicken; dies soll in den ersten Monaten 2013 passieren. Parallel geht es um Details der neuen Struktur und um Arbeitsplätze. So muss zunächst genau zugeordnet wer und wie viele Mitarbeiter des jetzigen LBB-Konzerns künftig zur Dekabank, zur Berlin Hyp und zur Sparkasse gehören werden. Derzeit gibt es nicht in jedem Fall eine genaue Zuordnung. Das dürfte für Unruhe unter der Belegschaft sorgen. Und dann bleibt die Frage, wie viele LBB-Leute zur Dekabank nach Frankfurt wechseln müssen. Noch gibt es keine genauen Zahlen für das Kapitalmarktgeschäft. Es sollen aber mindestens 350 Mitarbeiter sein, die derzeit in dem Bereich tätig sind.

Bei personelle Veränderungen wolle man auf einen „fairen und sozialverträglichen Prozess setzen“, heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter. Die neue Struktur mit Berliner Sparkasse, der um Berlin-Teile gestärkten Dekabank und der eigenständigen Berlin Hyp soll schon im nächsten Jahr Kontur annehmen. Die nächsten Monate dürften bei der LBB recht ereignisreich werden.

Vorstand unterstützt Pläne

LBB-Vorstandschef Johannes Evers soll die Pläne mittragen, auch wenn er dann formal nur noch Chef einer Sparkasse sein wird. Derzeit gebietet er über ein Finanzunternehmen mit überregionalem Anspruch. Doch genau das führt auch zwangsläufig zu höheren Risiken im Bankgeschäft. Und Risiko wird für Banken durch neue Eigenkapitalanforderungen immer teurer. Die Pläne immunisieren die Bank weitgehend gegen internationale Finanzmarktrisiken. Im Gegenzug ist das Geschäft regional beschränkt.