Staatsanleihen

Anleger stoßen nach Moody's-Schelte deutsche Anleihen ab

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Die Rating-Agentur rüttelt an der deutschen Top-Note. Finanzprofis machen nun Kasse. Ein Anleihen-Ausverkauf dürfte es aber nicht geben.

Der drohende Entzug der Top-Bonitätsnote durch die Rating-Agentur Moody's hat am Dienstag Verkäufe bei deutschen Staatsanleihen ausgelöst. Der Bund-Future verlor 71 Ticks auf 144,84 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 1,244 Prozent, nachdem sie am Vortag auf ein Rekordtief von 1,126 Prozent gefallen war.

Moody's hatte am Vorabend den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands – aber auch der Niederlande und Luxemburgs – auf „negativ“ von „stabil“ gesenkt. Allerdings ließ Moody's den drei Ländern ihre Spitzenbewertung AAA.

Als Begründung gab die Ratingagentur die „wachsende Unsicherheit“ in der Eurozone an und verwies auf die Möglichkeit eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro sowie dessen voraussichtliche Auswirkungen auf Spanien und Italien, die ebenfalls hoch verschuldet sind. Die Vernetzung der deutschen Banken in diesen Ländern mache diese „anfällig bei einer weiteren Ausweitung der Krise“, hieß es.

Potitik und Finanzprofis erwarten keinen Ausverkauf

Die von der US-Ratingagentur genannten Risiken in der Eurozone seien „nicht neu“, erklärte das Bundesfinanzministerium. Auch stelle die Einschätzung von Moody's „vor allem kurzfristige Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben“. An den internationalen Finanzmärkten sei das Vertrauen in Deutschland weiterhin hoch.

Das sehen Finanzprofis ähnlich. Rentenhändlern zufolge sind die aktuellen Kursverluste vor allem auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen. „Ich gehe nicht davon aus, dass dies der Auftakt eines Ausverkaufs von Bundesanleihen ist“, betonte einer von ihnen. „Wenn sich die Krise verschärft, wird Deutschland immer noch der sichere Hafen sein.“

Moody's habe zwar Altbekanntes verkündet, sagte Commerzbank-Analystin Carolin Hecht. Er warnte aber vor, dass internationale Investoren mit dem Rückzug aus den krisengeschüttelten Ländern auch das Interesses den vermeintlich stabilen Kernländer verlieren könnten. „Damit wäre ein Verkauf des Euros unvermeidlich“, sagte Hecht. Die Kursreaktion des Euro hielt sich am Dienstag allerdings in Grenzen. Die Gemeinschaftswährung pendelte in einer engen Spanne um die Marke von 1,21 Dollar.

Nur Finnland begeistert noch die Ratingagentur

Trotz der gefährdeten Spitzenbonität für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg hielt Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Plan einer Stabilisierung der gesamten Eurozone fest. „Wir bekräftigen erneut unser starkes Bekenntnis, die Stabilität der Eurozone als Ganzes sicherzustellen“, teilte Juncker mit. Die drei Staaten verfügten über „einwandfreie Grundlagen“.

Angesichts der massiven Schwierigkeiten Griechenlands, die Sparauflagen zu erfüllen, waren in den vergangenen Tage wieder Rufe nach einem Ausstieg des Landes aus der Eurozone laut geworden. Dies werde aber „derzeit nicht diskutiert“, sagte dennoch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter. Zunächst werde der Bericht der Troika abgewartet.

Die Troika aus Vertretern von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) ist seit Dienstag in Griechenland, um die Umsetzung der Sparauflagen zu prüfen. Ihr Bericht wird für September erwartet und soll Grundlage für eine Entscheidung über die Freigabe von einer Tranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro sein.

Als einziges Land mit der Topbonität AAA gewährt Moody's nun nur noch Finnland einen stabilen Ausblick. Das Finanzministerium teilte in Helsinki mit, es sei „begeistert“. Die Ratingagentur habe aber betont, dass sich die finnische Wirtschaft in einer „komplizierten Lage“ befinde, da sie die Probleme der Eurozone noch beim Export zu spüren bekommen könnte.