Neuer Standort

Mercedes-Benz-Bank eröffnet Servicezentrum am Alex

Im neuen Hochhaus am Königstadt Carrée in Berlin-Mitte arbeiten 550 Menschen. Es sollen allerdings noch mehr werden.

Foto: euroluftbild.de/Grahn

Diese Vorlage war einfach zu gut, als dass der Architekt Manfred Herrmann sie nicht verwandeln konnte. Der Flughafen Schönefeld komme zu spät, doch er und sein Team hätten das Hochhaus am Königstadt Carrée Moll-/ Ecke Otto-Braun-Straße in Berlin-Mitte termingerecht hochgezogen. In 14 der 21 Hochhausetagen hat sich der wichtigste Mieter schon eingerichtet. Am Freitag eröffnete die Mercedes-Benz-Bank offiziell ihr Dienstleistungszentrum nahe dem Alexanderplatz. Seit vergangenem Herbst arbeiten die Finanzleute des Autokonzerns bereits in dem Haus. Derzeit sind es 550, die Belegschaft werde bis 2015 auf 700 Leute wachsen, sagte Bankchef Franz Reiner. „Berlin ist ein hervorragender Standort, um junge Leute zu finden“, sagte Reiner.

Allerdings ist das neue Dienstleistungszentrum, wo vor allem Leasing und Finanzierung für Gewerbekunden des Daimler-Konzerns erledigt werden, das Resultat eines Sparkurses. Ursprünglich residierten mehr als 400 Mitarbeiter der Finanztochter Daimler Financial Services am Potsdamer Platz im Debis-Haus. Vor drei Jahren beschloss der Stuttgarter Weltkonzern die Zusammenlegung von Financial Services und Mercedes-Benz-Bank. Die Zentralbereiche wurden in Stuttgart angesiedelt. Berlin erhielt dafür das größte Servicezentrum.

Konzern senkt Personalkosten

Mit diesem Schritt senkt Daimler die Kosten erheblich. So werden die neuen Beschäftigten am Königstadt Carrée nicht mehr nach dem Metalltarifvertrag Baden-Württemberg bezahlt. Jenes Privileg hatte der alte Daimler-Chef Edzard Reuter, Sohn des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter, verfügt, als er einen Teil der Servicesparte in den 90er-Jahren am neu erbauten Potsdamer Platz ansiedeln ließ. Jetzt gilt, wie Bankchef Reiner sagt, ein Haustarifvertrag. Was nichts anderes bedeutet, als dass weniger gezahlt wird. Die Belegschaft in dem neuen Bürohochhaus wurde überwiegend neu eingestellt. Reiner zufolge arbeiten nur 100 „alte“ Mitarbeiter auf den 14.000 Quadratmetern.

Für Autokonzerne sind die hauseigenen Banken enorm wichtig. Alle deutschen Hersteller haben eigene Finanzinstitute. Da die meisten Fahrzeuge – egal ob für privat oder gewerblich – nicht in bar bezahlt werden, wollen die Unternehmen das Finanzierungsgeschäft nicht den herkömmlichen Banken überlassen. Reiner sagt, dass gut ein Drittel aller Gewinne im Lebenszyklus eines Fahrzeugs durch Finanzdienstleistungen erwirtschaftet wird. Zum Vergleich: Produktion und Verkauf tragen rund 20 Prozent bei.

Die Hersteller bieten immer häufiger Pakete mit Finanzierung und Versicherung an. Darüber hinaus haben die Autobanken ein Einlagengeschäft und bieten Tagesgeldkonten an. Die Mercedes-Benz-Bank verfügte Ende 2011 über Einlagen in Höhe von elf Milliarden Euro. 55 Prozent aller Konzernfahrzeuge wurden über die hauseigene Bank finanziert.

8000 Daimler-Mitarbeiter

Insgesamt arbeiten im Großraum Berlin dem Konzern zufolge 8000 Menschen für Daimler. Nachdem Daimler im alten Quartier am Potsdamer Platz die Mietverträge gekündigt hatte, gab es kurze Zeit Bedenken, das Unternehmen könne sich zum Teil aus Berlin zurückziehen. Doch dazu ist es nicht gekommen. Derzeit wird noch ein weiteres Haus für Daimler-Mitarbeiter gebaut. Neben der Veranstaltungshalle O2 World in Friedrichshain entsteht die neue Deutschlandzentrale des Daimler-Vertriebs. In einem Jahr soll das Haus fertig sein – dann ziehen 1200 Mitarbeiter vom Potsdamer Platz in den Osten.