Eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise könnte Deutschlands Aussichten auf anhaltendes Wachstum nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) jäh zunichte machen.

„Deutschland ist eine der offensten großen Volkswirtschaften weltweit“, schrieben die Fonds-Experten in einem am Dienstag veröffentlichten Länder-Bericht. Das mache Deutschland aber extrem anfällig für negative Entwicklungen von außen, sowohl in der Euro-Zone als auch in der Weltwirtschaft.

Der Fonds nannte es „bemerkenswert“, wie Deutschland bislang durch alle Widrigkeiten gesteuert sei. Er erhöhte denn auch seine Prognose für das deutsche Wachstum im laufenden Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Schätzung für das kommende Jahr nahm der Fonds aber um 0,1 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent zurück.

„Deutschland kann eine Schlüsselrolle spielen, um die Stabilität der Euro-Zone zu sichern und das Wachstumspotenzial zu erhöhen“, schrieben die IWF-Experten. Das Land sollte in dieser Rolle stärker die gemeinsame europäische Vision für eine stabile Architektur des Währungsraumes nach der aktuellen Krise nach außen vertreten.

Damit könne Deutschland etwas für die Rückgewinnung von Vertrauen an den Märkten tun. Zudem könnten die Strukturreformen in einigen Euro-Problemländern ergänzt werden mit gesamteuropäischen Bemühungen, wie etwa einem flexibleren Einsatz von EU-Mitteln in den Strukturfonds.

Offenheit der deutschen Wirtschaft birgt Risiken

Das hohe Maß an Offenheit der deutschen Wirtschaft im Handel und im Finanzbereich, gepaart mit nach wie vor relativ hohen Außenständen der deutscher Banken im benachbarten Ausland, birgt laut IWF Risiken. Komme es zu tiefen Erschütterungen im Euro-Raum, könnte das für Deutschland einen „massiven Einbruch“ auslösen, warnte der Fonds in seinem Länderbericht.

„Das Abschneiden der deutschen Wirtschaft trotz starken Gegenwindes ist bemerkenswert“, urteilten die Fachleute des IWF aber mit Blick auf die deutsche Wachstums-, Finanz- und Arbeitsmarktentwicklung. Allerdings deute einiges darauf hin, dass insbesondere die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt langsam auslaufe. Aufgabe der Politik sei es, die deutsche Wirtschaft stärker gegen Abwärtsrisiken abzusichern. Dabei gehe es neben der Stabilisierung der Euro-Zone auf mittlere Sicht vor allem um eine Stärkung des Wachstumspotenzials.

US-Konjunktur weiter lau – Gefahr durch Euro-Krise

Die USA muss nach Einschätzung des IWF für absehbare Zeit mit einem schwachen Wirtschaftswachstum rechnen. Die weltgrößte Volkswirtschaft legt demnach in diesem Jahr lediglich um zwei Prozent zu. Im nächsten Jahr dürfte das Wachstum 2,25 Prozent betragen. Die Kernprobleme seien weiterhin schwacher Konsum, angeschlagener Immobilienmarkt sowie hohe Arbeitslosigkeit.

Vor allem die Euro-Krise berge erhebliche Risiken für die US-Konjunktur, heißt es in dem Bericht zur Lage in den USA. Sinkende Nachfrage in Europa könne der US-Konjunktur schaden.

Zudem lauerten interne Gefahren durch eine angestrebte Haushaltskonsolidierung in den USA. Washington stehe vor dem Problem, einerseits die hohen staatlichen Schulden abbauen zu müssen, anderseits aber eine konjunkturelle Erholung nicht zu gefährden.

Reuters/dpa/bee