Autobauer

Rekordprämie - Audi zahlt noch mehr als Porsche

Die Mitarbeiter deutscher Autobauer können sich in diesem Jahr über Rekordprämien freuen. Audi zahlt im Schnitt 8250 Euro. Das ist mehr als Porsche.

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Audi hat 2011 alle Rekorde gebrochen. Die bayerische Volkswagen-Tochter verkaufte angesichts der ungebrochenen Nachfrage nach teuren Nobelwagen im vergangenen Jahr so viele Autos wie nie zuvor und fuhr den dicksten Gewinn der Unternehmensgeschichte ein. Unter dem Strich stehen 4,4 Milliarden Euro – ein sattes Plus von fast 69 Prozent. Damit bleibt der Oberklassehersteller nicht nur eine Ertragsperle im VW-Konzern, die Ingolstädter schalten auch im Dreikampf mit Daimler und Branchenprimus BMW noch mal einen Gang höher. Während der Münchner Rivale seine Spitzenposition verteidigen will, wollen die Schwaben bis 2020 nach vorne fahren.

Aktuell freuen können sich die Mitarbeiter bei Audi. Ihre Erfolgsbeteiligung an den deutschen Standorten steigt auf im Schnitt 8251 Euro, den höchsten Wert aller Zeiten. Allein für die Boni in Deutschland gibt Audi damit 370 Millionen Euro aus. Das Unternehmen kann sich das leisten. Die guten Geschäfte haben 2011 auch die Kassen bei Audi gut gefüllt. Zum Jahresende lag die Liquidität bei 15,7 Milliarden Euro.

Der Sportwagenhersteller Porsche hatte am Mittwoch mitgeteilt, er zahle seinen Mitarbeitern nach dem besten Absatzjahr aller Zeiten mit jeweils 7600 Euro einen Rekordbonus.

Bei Audi überwiegt die Zuversicht, BMW weiter Marktanteile abzunehmen. Dem Ziel, bis 2015 mehr als 1,5 Millionen Autos zu verkaufen, sei man 2011 mit dem Verkaufsrekord von gut 1,3 Millionen Einheiten einen großen Schritt näher gekommen. Möglicherweise werde die Schwelle auch früher überschritten.

Trotz allem Optimismus blickte Audi-Chef Rupert Stadler am Donnerstag wie bereits vor einem Jahr nur vorsichtig nach vorne. „Beim Blick in die Zukunft kann hingegen von eitel Sonnenschein längst nicht die Rede sein“, sagte er. Vor allem die trüberen Konjunkturaussichten machen dem Audi-Boss Sorgen. Der Wind dürfte der Wirtschaft in diesem Jahr rauer entgegenwehen. Dennoch will Stadler 2012 auf dem weltweiten Automarkt zulegen, dem Experten insgesamt ein Plus von etwa 4 Prozent vorhersagen. „Wir haben uns ein klares Ziel gesetzt: Audi will 2012 stärker wachsen als der Gesamtmarkt.“

Vor allem in China und in den USA erhofft sich der Manager erneut zweistellige Zuwachsraten. Das Reich der Mitte habe sich längst als „tragende Säule“ neben den großen Märkten in Europa und Nordamerika etabliert. China war bereits 2011 der größte Absatzmarkt für Audi. Dass die Regierung in Peking Funktionären den Kauf chinesischer Wagen nahelege und die eigene Autoindustrie fördere, sei „das normalste der Welt“, sagte Stadler. Das Umfeld in China bleibe für Audi sehr gut, zumal Privatkunden den weitaus größten Anteil hätten.

Schwieriger ist die Lage in Europa. Auf dem Heimatkontinent rechnet Stadler dennoch mit einem leichten Absatzplus. „Auch wenn sich die Gesamtmärkte in einigen Ländern extrem schwierig entwicklen werden, sehen wir eine besondere Audi-Konjunktur“, sagte Stadler. Im Januar war Audi mit einem schmalen Plus von 0,8 Prozent gestartet, vor allem wegen der Schwäche in Südeuropa. Bereits der Februar sei wieder besser gelaufen. In beiden Monaten habe Audi mehr als 200.000 Autos ausgeliefert. „Das entspricht einem Plus von 8 Prozent.“

Den Umsatz steigerte Audi 2011 um fast ein Viertel auf etwas mehr als 44 Milliarden Euro. Der operative Gewinn stieg um 60 Prozent auf 5,34 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftete Audi einen stattlichen Anteil des VW-Rekordgewinns von fast 16 Milliarden Euro. In diesem Jahr soll der operative Gewinn aber angesichts höherer Kosten für neue Fahrzeuge und Investitionen in den Ausbau von Fabriken wohl etwa auf dem Niveau von 2011 bleiben, sagte Finanzchef Axel Strotbek. Bedingung sei, dass sich die Rahmenbedingungen nicht deutlich verschlechtern. Eine Gefahr: Die Euro-Schuldenkrise.

Auch Daimler will in diesem Jahr viel Geld in neue Produkte und die Entwicklung stecken und sieht 2012 als „Übergangsjahr“, wie Konzernchef Dieter Zetsche sagte. Die Schwaben haben wie Audi in allen Bereichen Rekorde gebrochen. Gleiches ist von BMW zu erwarten. Die Münchner hatten ihren Absatzrekord bereits vor Jahresfrist eingestellt. Insgesamt verkaufte BMW 1,67 Millionen Autos. Die Bilanz legt der Branchenführer am 13. März vor. Stadler sieht den Wettbewerb sportlich und vor allem langfristig: „Es geht um einen Marathon.“