Das Grand Hotel Heiligendamm an der mecklenburgischen Ostseeküste ist zahlungsunfähig. Geschäftsführer Anno August Jagdfeld habe am Montag beim Amtsgericht Aachen Insolvenzanträge für das Nobelhotel gestellt, das 2007 Gastgeber für die Teilnehmer des G-8-Gipfels war, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Als Insolvenzverwalter wurde Jörg Zumbaum aus Düren bestellt.
Am Dienstagvormittag wurden die 300 Mitarbeiter informiert. Im Gespräch ist eine Auffanggesellschaft, an der sich neue Investoren beteiligen wollen. Der Hotelbetrieb läuft weiter.
Insolvenzgrund ist die Zahlungsunfähigkeit der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. Kommanditgesellschaft (Fonds KG). Die Kreditzinsen konnten nicht mehr gezahlt werden, teilte das Unternehmen mit. Die Banken hätten erklärt, ihre Kredite definitiv nicht zu verlängern. Das Unternehmen sei aber nicht überschuldet, die Forderungen der Banken und Lieferanten könnten bezahlt werden. Der Fonds habe zuletzt versucht, notwendige 32,5 Millionen Euro an neuen Anteilen bei den 1900 Gesellschaftern zu platzieren. Dies sei nicht gelungen, so eon Sprecher.
Jagdfeld hatte 1996 mit seiner Fundus-Gruppe das klassizistische Gebäudeensemble in Heiligendamm sowie ein Landgut von der ostdeutschen Treuhandgesellschaft erworben. 2003 wurde das Hotel eröffnet, das zunächst von Kempinski gemanagt wurde. Nach Streitigkeiten führte Fundus-Chef Jagdfeld seit 2009 das Hotel in Eigenregie.
Weltweit wurde die Nobelherberge bekannt, als 2007 dort der G-8-Gipfel tagte.
Jagdfeld war es zuletzt nicht gelungen, die 1900 Fondszeichner, die bereits 130 Millionen Euro in einen geschlossenen Immobilienfonds eingezahlt hatten, zu einer Kapitalerhöhung um 32,5 Millionen Euro zu begeistern. Sie hatten jahrelang keine Ausschüttungen gesehen und einen Kapitalschnitt hinnehmen müssen. Dabei waren 90 Prozent der eingezahlten Anlegergelder bereits vernichtet.
Insgesamt wurden 186 Millionen Euro in die sogenannte „Weiße Stadt“ an der Ostsee investiert. Das Hotel war zeitweise schlecht ausgelastet. Mit einer Bürgschaft musste sogar das Land Mecklenburg-Vorpommern einspringen.
Im vergangenen Jahr konnte allerdings eine Belegung von 60 Prozent erreicht werden, und auch die wirtschaftlichen Ergebnisse hatten sich zuletzt verbessert.
„Die Insolvenz der Fonds KG ist ein schwarzer Tag für Heiligendamm, seine Gesellschafter, Mitarbeiter und die gesamte Region. Ich bedauere diesen Schritt zutiefst, war dazu aber gesetzlich gezwungen. Uns fehlte die Zeit, die begonnene Sanierung erfolgreich abzuschließen“, sagte Fondsgeschäftsführer Jagdfeld. „Ich bin aber zuversichtlich, dass eine Lösung möglich ist, die den dauerhaften Betrieb des Grand Hotel Heiligendamm sichert.“ Das Haus sei trotz der schwierigen Lage in geordneter Verfassung. Es gelte nun, mit allen Kräften den Hotelbetrieb aufrechtzuerhalten und eine Zerschlagung zu verhindern, erklärte Jagdfeld.




