Das Grand Hotel Heiligendamm an der Ostsee ist pleite. Geschäftsführer Arno Jagdfeld habe am Montag beim zuständigen Amtsgericht in Aachen die Insolvenz angemeldet, bestätigte das Unternehmen einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Die Kreditzinsen konnten nicht mehr gezahlt werden und die Banken hätten erklärt, ihre Kredite definitiv nicht zu verlängern, teilte die Gruppe mit. Das Unternehmen sei aber nicht überschuldet, hieß es.
Alle Gläubiger könnten von einer vollständigen Zahlung ausgehen. „Ich bin aber zuversichtlich, dass eine Lösung möglich ist, die den dauerhaften Betrieb des Grand Hotel Heiligendamm sichert“, erklärte Geschäftsführer Anno August Jagdfeld. Für Dienstagmittag wurde eine Pressekonferenz angekündigt.
Dem "Bild"-Bericht zufolge fehlen dem "Fundus Fonds 34", den einst Jagdfeld aufgelegt hatte, 31 Millionen Euro. Heiligendamm war im Sommer 2007 bekannt geworden, als die Bundesregierung in dem Ostseebad den G-8-Gipfel ausrichtete. Die wichtigsten Staatschefs der Welt setzten sich in einen großen Strandkorb im Park der Hotelanlage.
Auf der letzten Gesellschafterversammlung des Fonds im Herbst 2011 konnte Jagdfeld noch eine Mehrheit von 74 Prozent der Zeichner für einen Kapitalschnitt von 90 Prozent und weitere Zuschüsse überzeugen. Seinerzeit waren aber nur 250 der 1900 Anleger, die insgesamt 130 Millionen Euro eingezahlt hatten, präsent.
Das Nobelresort an der Ostsee litt jahrelang unter schlechten Buchungen und schrieb Verluste. Ein Vertrag mit der Kempinski-Gruppe wurde gekündigt, Jagdfeld übernahm selbst das Management, baut den Komplex weiter aus und lässt die Strandvillen restaurieren.
Die Belegungszahlen sehen wieder besser aus, die Erträge steigen. Doch es ist völlig ungewiss, ob die Fondszeichner noch einmal frisches Geld nachschießen und ob sich neue Investoren engagieren. 41 Millionen Euro werden noch für den Ausbau von Heiligendamm benötigt, etwa acht Millionen Euro wurden bisher erst gezeichnet.
„Ich hätte viel lieber zufriedene Anleger“, sagt Jagdfeld. „Ich kann die Kritik verstehen.“ Der 64 Jahre alte Unternehmer, der bislang 800 Projekte verwirklicht hat, hängt an Heiligendamm. Mit dem „Adlon“ und dem Ostseebad wollte er sein Lebenswerk krönen. All die Jahre hatte der charismatische Projektemacher seine Geldgeber überzeugen können.
In Heiligendamm hat Jagdfeld noch Küstenwald dazugekauft und Wanderwege für seine Gäste anlegen lassen. Namhafte Unternehmen haben einige Villen erworben. Jagdfeld kann sich hier auch seinen Ruhesitz vorstellen. Ein baufälliges Gebäude in der Nähe möchte er später einmal für sich und seine Familie sanieren.
dpa/n.s./woz




