Anlegergruppe

Finanzinvestoren streiten um Luxushotel Adlon

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Norbert Schwaldt

Anleger wollen sich am Freitagabend treffen, um den Fondschef Anno August Jagdfeld zu stürzen. Obwohl ein Gutachten eines Wirtschaftsprüfers den Chef der Fundus-Gruppe entlastet, besteht dennoch die Chance auf eine Abwahl.

Während eine große Gruppe Anleger am Freitagabend Anno August Jagdfeld, den Chef der Fundus-Gruppe, aus der Fondsverwaltung für das Berliner Nobel-Hotel Adlon abwählen will, laufen sich im Hintergrund schon potenzielle Investoren warm. Ein Private-Equity-Fonds aus den USA, der Investitionen in europäische Hotels plant, will den Anlegern ihre Anteile abkaufen. Zudem habe eine Großbank nachgefragt, ob sie das Hotelgebäude ganz übernehmen könnte, heißt es in Branchenkreisen. Angesichts der Zerstrittenheit der Gesellschafter habe es wieder Anfragen gegen, berichtet ein Branchenexperte. Besonders im Nahen Osten soll es Interesse geben. Konkrete Pläne hat ein Schweizer Investor, der nicht genannt werden will.

600 Anleger treffen sich in Berlin

An die 600 Anleger treffen sich im Ballsaal des Nobelhotels am Brandenburger Tor zur Gesellschafterversammlung. Es dürfte dort hoch her gehen, denn Tagesordnungspunkt 6 ist die Abwahl von Jagdfeld – ein in der Fondsbranche seltener Vorgang. Eine „Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger“, in der sich 220 Fondszeichner, darunter auch Großinvestoren wie die Versicherung Signal Iduna, zusammengeschlossen haben, hat unter der Regie des Berliner Anwalts Thomas Fritsch einiges zusammengetragen. Jagdfeld habe es zugelassen, dass Dienstleistungsfirmen, die von Familienmitgliedern geführt werden, die fällige Miete gestundet wurde. Es geht hier um die von einem Jagdfeld-Sohn geführte Adlon-Holding, die Dienstleister wie den China-Club oder ein Wellness-Center führt. Die Wirtschaftskrise und teure Umbauten hatten das Ergebnis verschlechtert, weshalb der Holding die Pacht gestundet wurde. Jagdfeld wurden in Sachen Adlon „maffiaartige Strukturen“ und „ eine unendliche Abfolge von In-sich-Geschäften mit seiner Familie und seinen Firmen“ unterstellt. Der Unternehmer konterte in der monatelangen Schlammschlacht: Anwalt Fritsch gehe s nur um sein üppiges Honorar.

Gutachten enlastet Jagdfeld

Hart kritisiert wird, dass es mehrfach keine Ausschüttungen gab. Jagdfeld hatte schon auf der vergangenen Gesellschafterversammlung empfohlen, auf Ausschüttungen zu verzichten, um 2016 eine günstige Umschuldung laufender Kreditverträge für die Immobilie zu erreichen. Der Hotelbetrieb durch die Kempinski-Gruppe, mit der ein langjähriger Pachtvertrag besteht, hat damit nichts zu tun. Doch auch Kempinski musste in der Krise mit einer geringeren Auslastung kämpfen. Zudem gibt es im Fünf-Sterne-Bereich in der Hauptstadt eine hohe Hoteldichte. Dabei ist die Fondsgesellschaft nicht etwa pleite. Aktuell gibt es sogar Gewinnrücklagen von 14 Millionen Euro.

Ein vom Verwaltungsrat beauftragtes Gutachten des Wirtschaftsprüfers von Deloitte & Touche entlastet jedoch Jagdfeld: Es gebe keine Pflichtverletzungen. „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe haben sich nach umfassender Überprüfung als grund- und haltlos herausgestellt“, schrieb Jagdfeld den Anlegern. Mit zwei Stimmen gegen eine empfahl das Gremium, gegen die Abwahl zu stimmen.

An die 1900 Stimmrechte soll Anwalt Fritsch hinter sich gebracht haben. Jagdfeld will aber dann wieder 1260 Widerrufe eingesammelt haben. Auf einer hatte der Unternehmer zuvor vor 1000 Anlegern für sein Verbleiben in der Fondsverwaltung geworben. Die Mehrzahl der Adlon-Gesellschafter sind einfache Privatanleger, es gibt aber auch betuchte Prominente. Neben der Signal Iduna sind Sparkassen aus Bochum, Hildesheim und Herford sowie die Sparda-Bank Baden-Württemberg zu finden.

Schadenersatzforderungen

Rechtsanwalt Jens Graf, der 35 Adlon-Anleger vertritt, hält allerdings nicht viel von dem ganzen Getöse. Er rät enttäuschten Anlegern, die ihre Adlon-Anteile über Banken und Sparkassen erworben haben, diese wegen Falschberatung auf Schadenersatz zu verklagen. „Kein Autokäufer käme auf die Idee, noch kurz vor Rückgabe eines Fahrzeugs den Motor gegen ein Exemplar eines anderen Herstellers auszutauschen“, sagt Graf zur geplanten Abwahl Jagdfelds. Die Schutzgemeinschaft will nämlich statt Jagdfeld eine extra dafür gegründete Hotel Lorenz A. Verwaltungs GmbH als neuen Komplementär installieren. Als Geschäftsführer wurden der Berliner Unternehmensberater Dietmar Thiele und der langjährige Kempinski-Manager Dieter Schurig bestellt. Burkhard Grunzke, der an der Kantstraße ein Hotel betreibt, wurde wieder abberufen.

„Herr Fritsch spielt mit Anlegern und Öffentlichkeit Katz und Maus“, sagte Jagdfeld der Morgenpost. „Die Mehrheit der Adlon-Anleger hat dieses Spiel durchschaut, das Anlegergeld und das Adlon existenziell gefährden. Daher bin ich zuversichtlich, dass Herr Fritsch mit seinen Plänen scheitert.“ Ob Jagdfelds Sturz gelingt, ist offen. Auf der letzten Gesellschafterversammlung bei seiner zweiten finanziellen Großbaustelle, dem Ostseebad Heiligendamm, konnte er eine Mehrheit von 74 Prozent der Zeichner für einen Kapitalschnitt von 90 Prozent und weitere Zuschüsse überzeugen. Seinerzeit waren aber nur 250 der 1900 Anleger präsent. „In Berlin geht Jagdfeld nicht mit einer gesicherten Mehrheit in die Gesellschafterversammlung“, sagt ein Branchenexperte. „Es wird knapp“. Doch es gebe keine professionellen Alternativen zu Fundus.