Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner kommt nicht zur Ruhe: Der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Zühlsdorff legte am Montag sein Amt nieder, aus persönlichen Gründen, wie es heißt . „Ich habe mein Mandat gern ausgeübt, aber immer als zeitlich befristet angesehen. Nun möchte ich den Aufsichtsratsvorsitz von Berlin Partner in neue Hände geben, die der gut aufgestellten Mannschaft frische Impulse geben können“, erklärte er am Montag in einer Mitteilung der Gesellschaft. Er dankte dabei ausdrücklich den Mitarbeitern, der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat von Berlin Partner. „Unser Team im Ludwig-Erhard-Haus zeigt jeden Tag, dass Berlin ein funktionierendes Standortmarketing und eine effiziente Wirtschaftsförderung betreibt."

Auf der Internetseite wurde er am Dienstagmittag allerdings noch als Chef des Kontrollgremiums geführt. Zühlsdorff hatte das Amt Ende 2010 übernommen. Der gebürtige Berliner Zühlsdorff kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken, die ihn an die Spitze bedeutender deutscher Unternehmen geführt hat. Seine Stationen: Nach verschiedenen Positionen bei der Handelskette Woolworth 1967 Wechsel in die Marketingabteilung von Klosterfrau Melissengeist in Köln, drei Jahre später Geschäftsführer im mittelständischen Unternehmen Tondo, das in Solingen Friseurschneidegeräte produziert. 1978 das Angebot des Haarkosmetikkonzerns Wella, in dessen Vorstand zu kommen. Trennung nach 18 Jahren. Seitdem erfolgreicher Restrukturierer und Sanierer; u.a. bei der Tengelmann-Gruppe und dem Dualen Müllsystem DSD Grüner Punkt. 1999 Übernahme der Deutschen Industrie Holding (DIH), in der er seitdem seine mittelständischen Unternehmensbeteilungen bündelt. Von November 2003 bis August 2004 holt ihn der damalige Innenminister Otto Schily als Geschäftsführer der Olympia-Bewerbung 2012 nach Leipzig. Die allerdings scheiterte.

Wer die Nachfolge des 71 Jahre alten Managers antritt, wurde am Montag noch nicht bekannt. Bis zur Neubesetzung des Postens werde die Berliner Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos für CDU) als erste Stellvertreterin des Aufsichtsratsvorsitzenden das Gremium leiten, hieß es. Obernitz bedauerte die Entscheidung Zühlsdorffs und dankte ihm für seine Arbeit.

Berlin Partner ist eine privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaft. Nach eigenen Angaben liegen 55 Prozent der Anteile bei Vertretern der privaten Wirtschaft. Das Land Berlin ist über die Investitionsbank Berlin beteiligt. Sie hält 45 Prozent der Gesellschafteranteile. Der Aufsichtsrat sei mehrheitlich mit Unternehmern besetzt. Berlin Partner kümmert sich um Investoren am Standort und hilft Berliner Firmen, Märkte außerhalb Deutschlands zu erschließen sowie der Hauptstadt zu einem starken Markenauftritt zu verhelfen. Dabei nutzt das Unternehmen lokale, europaweite und internationale Netzwerke. Die Firma arbeitet eng mit der ZAB Zukunftsagentur Brandenburg zusammen. Gemeinsam stellen sie Kontakte zu Behörden, Banken, Kammern und Verbänden, Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen in der Region her.

Hintergrund des Rücktritts könnte ein Disenz über eine künftige engere Anbindung der Gesellschaft an die Senatsverwaltung sein.

Erst im Herbst 2011 hatte es einen Wechsel in der Geschäftsführung von Berlin Partner gegeben: An die Stelle von René Gurka, der den Geschäftsführer-Posten nach einer öffentlichen Debatte um persönliche und organisatorische Verfehlungen niederlegte, trat die bisherige Justiziarin der Industrie- und Handelskammer, Melanie Bähr (36).

Bähr ist Juristin. Sie baute 2006 bis 2008 eine Unternehmensberatung in Bulgarien auf, die deutsche und bulgarische Unternehmen vor dem EU-Beitritt des Landes beriet. Sie übernahm danach die Leitung des Geschäftsbereichs Recht und Fair Play bei der IHK Berlin, wo sie bereits 2005/2006 im Stab der Geschäftsführung gearbeitet hatte.

173 Unternehmen unterstützten im vergangenen Jahr als Partner das Hauptstadt-Marketing Berlin Partner mit mehr als vier Millionen Euro. Dazu kamen weitere 30 Förderer aus der Berliner Wissenschaft.

Mit Unterstützung von Berlin Partner und der Servicepartner haben sich im vergangenen Jahr 159 Unternehmen in Berlin neu angesiedelt oder ihren Berliner Standort erweitert.

dpa/sei