Der erfahrene Wirtschaftsmanager Peter Zühlsdorff hat überraschend sein Amt als Chef des Aufsichtsrates von Berlin Partner niedergelegt. Nach nur gut einem Jahr in dieser Funktion. Aus persönlichen Gründen, wie er am Montag offiziell mitteilen ließ. Bis zur Neubesetzung des Postens wird nun die Berliner Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos für CDU) als erste Stellvertreterin des Aufsichtsratsvorsitzenden das Gremium leiten. Obernitz bedauerte die Entscheidung Zühlsdorffs und dankte ihm für seine Arbeit.

Anlass für Zühlsdorffs Schritt könnten jedoch Meinungsverschiedenheiten über eine künftige engere Anbindung von Berlin Partner an die Senatsverwaltung sein. Hinzukamen, so berichten Insider, Spannungen zwischen dem 71-Jährigen und der Senatorin.

Berlin Partner ist eine privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaft. Nach eigenen Angaben liegen 55 Prozent der Anteile bei Vertretern der privaten Wirtschaft. Das Land Berlin ist über die Investitionsbank Berlin beteiligt. Sie hält 45 Prozent der Gesellschafteranteile.

Es ist nicht das erste Mal, dass die neue Wirtschaftssenatorin von Obernitz in Personalangelegenheiten auffällt. Auch ihre Pressesprecherin hat nach nur wenigen Wochen die Wirtschaftsverwaltung mittlerweile wieder verlassen. Sie war von CDU-Parteichef Frank Henkel von Obernitz an die Seite gestellt worden, damit die neue Senatorin, die sich in der Berliner Landespolitik und der CDU nicht auskannte, sofort eine langjährig erfahrene Sprecherin zur Verfügung hatte. Doch das Vertrauensverhältnis wurde schnell erschüttert. Angeblich war die Sprecherin für eine Foto-Affäre der Senatorin verantwortlich. Mehrere Zeitungsredaktionen waren gebeten worden, doch nicht eigene Fotos von der Ressortchefin, sondern Fotos aus der Pressestelle zu verwenden. Die Redaktionen sahen das als versuchten Eingriff in ihre Pressefreiheit und lehnten ab. Daraufhin musste die Sprecherin gehen. Sie wechselte zurück zur CDU.

Nicht nur enge Mitarbeiter, auch andere gestandene Manager des Landes Berlin bekamen schon die sehr bestimmte Art der Senatorin zu spüren. So machte von Obernitz den beiden Geschäftsführern der Messe Berlin klar, „dass das Unternehmen zu 99,9 Prozent“ dem Land Berlin gehört. Die Botschaft an die selbstbewussten Messe-Chefs war klar: Die neue Chefin bin ich.

Dabei geht die Machtfrage noch viel weiter: Von Obernitz will die landeseigenen Betriebe besser steuern und zwar aus ihrer Verwaltung heraus. Deswegen will sie sie direkt anbinden. Das freie Agieren, wie es beispielsweise Berlin Partner und auch die Touristenwerber von Visit Berlin bisher konnten, dürfte damit deutlich eingeschränkt werden. Von Obernitz erhofft sich durch die engere Anbindung ein strafferes Vorgehen und besser abgestimmte Maßnahmen beispielsweise in der Berlin-Werbung. Das allerdings ist eine Kehrwende in der Wirtschaftspolitik. Ihr Vorgänge Harald Wolf (Linke) hatte gerade die selbstständig agierenden Landesunternehmen gewollt, weil er der Meinung war, dass aus der Verwaltung heraus diese Aufgaben nicht zu gut geleistet werden können.

sco/sei