Insolvenz

Spanair pleite - Passagiere gehen leer aus

Die Fluggesellschaft Spanair hat Insolvenz angemeldet. Schlecht für die Passagiere: Sie haben keinen Anspruch auf Entschädigung oder Ersatz für ausgefallene Flüge.

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Die spanische Fluggesellschaft Spanair ist pleite. Die Airline, die auch Deutschland anfliegt, beantragte am Montag offiziell Insolvenz, nachdem sie schon am Freitag den Betrieb eingestellt hatte. Spanischen Medien zufolge waren am Wochenende insgesamt mindestens 22.000 Passagiere betroffen, Hunderte Fluggäste saßen fest.

Passagiere der insolventen Fluggesellschaft Spanair haben prinzipiell keinen Anspruch auf Entschädigung oder Ersatz für ausgefallene Flüge. Darauf weist die Reiserechtsexpertin Beate Wagner von der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Für Airlines gebe es keine Insolvenzabsicherung, wie sie für Reiseveranstalter vorgeschrieben ist. "Da gibt es leider einen großen Unterschied." Die Verbraucherzentralen forderten schon lange Nachbesserungen.

In den Beziehungen zwischen Fluggesellschaften und Passagieren gelten demnach dieselben Grundregeln wie in jedem anderen Geschäftsverkehr auch: Wer eine Leistung im Voraus bezahlt, muss generell mit dem Risiko leben, im Fall einer plötzlichen Insolvenz seines Vertragspartners erst mal mit leeren Händen dazustehen. Auch Fluggästen bleibe dann nur die Möglichkeit, ihre Forderung später im Rahmen des Insolvenzverfahrens geltend zu machen, erläuterte Wagner. "Praktische Probleme", etwa am Flughafen festzusitzen, löse das aber nicht.

Im Einzelfall könnten betroffene Fluggäste jedoch je nach Buchungssituation eventuell doch bessere Optionen haben. Spanair ist Mitglied des internationalen Fluggesellschaften-Verbunds Star Alliance, zu dem unter anderem auch die Lufthansa gehört. Bei von Spanair verkauften Tickets für die Flüge anderer Gesellschaften sei es möglich, dass diese nach wie vor gültig seien, erklärte das Unternehmen am Montag. Es gebe aber keine Garantie dafür. Spanair spricht nach eigenen Angaben auch mit anderen Fluggesellschaften wie Iberia und Vueling über Sondertarife für Ersatzflüge. Iberia hatte bereits am Freitag mitgeteilt, es habe in Abstimmung mit den spanischen Behörden einen Notfallplan in Gang gesetzt. Spanair-Passagiere würden zum Preis von 60, 90 und 100 Euro freie Plätze auf innerspanischen und innereuropäischen Routen erhalten. Auch Extraflüge auf sehr stark frequentierten Routen seien durchaus denkbar.

Bessergestellt sind nach Angaben der Verbraucherschützerin Wagner Spanair-Kunden, deren Flugticket zu einer Pauschalreise gehört. Dann greift die für Reiseveranstalter nach europäischem Verbraucherrecht geltende Ausfallabsicherung. Die Veranstalter sind verpflichtet, kostenlos alternative Flugmöglichkeiten zu organisieren. Wer ein Ticket bereits bezahlt, aber noch nicht benutzt hat, der kann sich nach Angaben von Spanair den Reisepreis zurückerstatten lassen, wenn er es in bar oder per Banküberweisung in einem Reisebüro gekauft hat. Das sei Teil einer Regelung, die das Unternehmen mit dem Internationalen Luftverkehrsverband IATA vereinbart habe. Wer ein Ticket dagegen per Kreditkarte bezahlt habe, der müsse Informationen zu Rückerstattungen bei seinem Kreditkartenunternehmen einholen.

Spanair war 1986 gegründet worden. Die Fluggesellschaft war vor allem innerhalb Spaniens aktiv. In Deutschland flog Spanair zuletzt Berlin, Hamburg, Frankfurt und München an. 2009 wurde die Tochterfirma der skandinavischen Fluggesellschaft SAS von spanischen Aktionären, darunter der Region Katalonien, übernommen.