Micki ist der ungewöhnlichste Mitarbeiter am Flughafen Köln/Bonn. Das Frettchen scheucht als Jagdhelfer Wildkaninchen aus ihren Bauten. Sie gehen buchstäblich ins Netz, das vor die Ausgänge gespannt wird.

Bis zu 1000 der Tiere leben auf dem Flughafengelände und sind eine Gefahr: Als Nahrungsquelle locken sie Greifvögel an. Auf den Bahnen überrollt, könnten diese von Triebwerken angesaugt werden.

Vögel als Gefahr

Micki hilft dabei, Vögel fernzuhalten. Keine leichte Aufgabe, grenzt der Airport doch an die Wahner Heide - ein artenreiches Natur- und Vogelschutzgebiet. Dennoch eine wichtige Aufgabe: Gelangen Vögel in Triebwerke oder prallen auf Cockpitscheiben, sind im schlimmsten Fall Menschenleben gefährdet.

Das wollen der Vogelschlagbeauftragte Achim Hopp (52) und die "Bird Controller" Helmut Eiserfey (50) und Ulf Muuß (47) verhindern. Für Eiserfey und Muuß beginnt jeder Tag mit einer drei- bis vierstündigen Fahrt über das rund 1000 Hektar große Flughafengelände mit 650 Hektar Grünfläche.

Mit Feldstecher und Fotoapparat ausgestattet, halten die beiden alles akribisch fest: Wie viele Vögel sehen sie, welche Arten sind es, wie hoch steht das Gras. Hohes Gras ist gut - dort fühlen sich Vögel unwohl, sie haben ihr Umfeld nicht im Blick.

Hochsaison zu Vogelzugzeiten

Außerdem verschwinden Mäuse im Langgras - unattraktiv für Greifvögel. Beerentragende Sträucher gibt es nicht - potenzielle Nahrungsquelle für gefiederte Tiere. Durch technische Maßnahmen wie Spikes an Gebäuden wird es ihnen zusätzlich ungemütlich gemacht.

Während der Vogelzugzeiten ist besonders viel zu tun. Die derzeit recht milden Temperaturen wirken sich aus. "Die meisten Gänse und Kraniche sind zwar durch, aber die Ringeltauben aus dem Norden waren noch gar nicht da", sagt Eiserfey. Vergrämung ist das Stichwort, sollten sich große oder zu viele Vögel etwa auf den Start- und Landebahnen aufhalten.

Größere Schwärme erfasst der Radar des Towers. Aber: "Auch kleine Vögel können gefährlich sein. 200 Stare auf einmal könnten eine Boing 737 zum Startabbruch zwingen", sagt Hopp. "Wir verjagen sie mit Pyroakustik und Signalpistolen", erklärt Muuß.

Manchmal müssen die Männer auch zu scharfer Munition greifen. Ein Jagdschein ist Voraussetzung für ihre Arbeit. So werden in der Jagdzeit Kaninchen geschossen, um die Population klein zu halten.

Schaden nach Sicherheitslandung

Völlig vogelfrei wird ein Flughafen nie. "Kleinvögel werden immer da sein. Man kann ein Ökosystem nicht zu sehr verändern", sagt Hopp. 20 bis 30 Vogelschläge registriert das Team bei 135.000 Flugbewegungen im Jahr - meist ungefährliche Schäden, etwa kleine Beulen.

Den letzten größeren Fall gab es 1999. "Ein Airbus A 320 zog einen Bussard ins Triebwerk." Schaden nach Sicherheitslandung, Ausbau und Reinigung des Triebwerkes: 300.000 Mark.

dpa