Solarbranche

Solon - Insolvenzverwalter muss Antworten liefern

Für die Berliner Solarfirma Solon soll in dieser Woche ein Investor präsentiert werden. So die Ankündigung des Insolvenzverwalters. Gleichzeitig entscheidet die Bundesregierung über eine Kürzung der Förderung von Fotovoltaik. Das erhöht den Druck.

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Wenn Rüdiger Wienberg seine Ankündigung ernst meint, muss er spätestens am morgigen Dienstag liefern. Denn bis Ende Januar, so hat er es kundgetan, will der Insolvenzverwalter von Solon einen Investor für das vormalige Vorzeigeunternehmen der Hauptstadt finden. Mindestens sechs Interessenten soll es geben. Ein Favorit ist darunter, Microsol, eine indisch geführte Solarfirma mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Doch klar ist bei Solon noch gar nichts. Weder Zeitplan, Zahl der wirklich Interessierten noch die Favoritenrolle von Microsol. Hinzu kommt eine politische Diskussion, in der es im Kern um eines geht: Wie kann die ausufernde öffentliche Förderung der Fotovoltaik begrenzt werden. In Berlin-Adlershof, dem Sitz von Solon, wird darum gerungen, einen todkranken Solarpatienten das Überleben zu sichern. Gleichzeitig ringen im politischen Berlin zwei Minister darum, wie groß demnächst der Druck auf die ohnehin siechen deutschen Solarunternehmen sein darf. Willkommen in Deutschlands kränkstem Wirtschaftszweig.

Solon, einst Pionierunternehmen der Sonnenstromer, geht nun auch beim Niedergang der Solarindustrie voran. 400 Millionen Euro Schulden waren zu erdrückend. Jetzt, wo Insolvenzverwalter Wienberg sich einen Überblick verschaffen muss und Interessenten sich über die Krankenakte Solons beugen, wird erst klar, wie marode das Unternehmen war. Ständig, so ist zu hören, tauchen neue Solarparkbeteiligungen auf oder Rechnungen und Forderungen, die mit der Installation von Solarkraftwerken, vor allem in Südeuropa, zusammenhängen.

Kein Interesse an Berliner Werk?

Das erhöht die Attraktivität von Solon nicht gerade. Wirklich ernsthafte Interessenten soll es nur zwei geben: Microsol und eine weitere Firma. Aber bislang ist nur Interesse an Marke und Renommee eines deutschen Qualitätsprodukts erkennbar. Doch was soll Microsol mit mehr als 500 Arbeitskräften allein in Berlin und einer völlig überdimensionierten Zentrale in Adlershof anfangen wollen? Bisherige Präsentationen von Microsol sollen nicht sehr aussagekräftig gewesen sein. Sinnvoll wäre für die Inder der Markenname und der Aufbau einer kostengünstigen Produktion in Asien. Im Prinzip könnten sie auf jegliche deutsche Produktion verzichten. Aber das hören weder der Bund noch die Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gern, die Solon mit einer Bürgschaft vor einer Insolvenz im Jahr 2010 bewahrten. Vor allem in Berlin gibt es eine ganze Reihe von Solar-Firmen.

Jeder potenzielle Solon-Käufer dürfte sich aber auch dafür interessieren, wie im Berliner Stadtzentrum der Streit zwischen den Bundesministern Norbert Röttgen (CDU, Umwelt) und Philipp Rösler (FDP, Wirtschaft) ausgeht. In der kommenden Woche wollen beide Ministerien eine weitere Kürzung der Solarstrom-Vergütung aushandeln, die ab 1. April Gesetzeskraft erlangen soll. Die Vorstellungen gehen stark auseinander: Während Rösler für eine deutliche Kürzung der Einspeisetarife um mehr als 30 Prozent ist, um den jährlichen Solarzubau auf rund 1000 Megawatt zu begrenzen, plädiert Röttgen für einen kleineren Kürzungsschritt, um den Zubau in einem Rahmen zwischen 2500 und 3500 Megawatt pro Jahr zu halten.

Es geht um die Frage, welchen Beitrag die Fotovoltaik zur deutschen Stromversorgung überhaupt leisten kann und soll. Rösler orientiert sich an den Modellrechnungen zum „Energiekonzept der Bundesregierung“ aus dem Jahr 2010: Danach sollten in Deutschland im Jahr 2020 Solarmodule mit einer Leistung von 33.000 Megawatt am Netz sein. Um dieses Ziel zu erreichen, würde es ausreichen, ab jetzt nur noch den Zubau von jährlich 1000 Megawatt zuzulassen. Im vergangenen Jahr allerdings wurden Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 7500 Megawatt installiert. Die langfristige Kostenbelastung der Verbraucher liegt schon jetzt durch Solarsubventionen jenseits der 100-Milliarden-Euro-Grenze – verteilt über die nächsten 20 Jahre.

Das Bundesumweltministerium sieht wegen des Solarbooms jetzt zwar auch die Notwendigkeit, die Vergütung weiter zu kürzen, will aber behutsamer vorgehen. Es soll so gefördert werden, dass über die kommenden neun Jahre weiterhin jeweils Solarmodule mit 3000 Megawatt errichtet werden. Klar ist nur: Jeder Stromverbraucher in Deutschland zahlt für die Solaranlagen mit seiner Stromrechnung. Und dieser Preis steigt von Jahr zu Jahr wegen des immer weiteren Ausbaus. Trotz dieses im wahrsten Sinne hohen Preises ist es nicht gelungen, den Anteil der Fotovoltaik an der Stromerzeugung nennenswert zu steigern. Er liegt bei ungefähr drei Prozent.