Nach Insolvenz

Betriebsrat rechnet mit Entlassungen bei Solon

Nach der Pleite des Berliner Solarpioniers Solon schwindet bei den noch Beschäftigten die Hoffnung auf Erhalt der Arbeitsplätze. Sie müssen offensichtlich für Fehler in der Vergangenheit büßen. Ehemalige Manager verdienten hingegen gut an Aktiengeschäften.

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In der Produktion, wo derzeit noch 123 Menschen beschäftigt sind, schwindet die Hoffnung. Die Solon-Mitarbeiter erwarten einen schmerzhaften Stellenabbau, auch wenn der Weiterbetrieb des Solarunternehmens zumindest bis Februar 2012 gesichert scheint. „Hier wurde nichts investiert“, heißt es in der Produktionstochter, die im leicht unübersichtlichen Geflecht der Dachgesellschaft Solon SE als eigene Firma geführt wird. Selbst als es noch gut lief, in den Jahren 2007 und 2008, sei nichts unternommen worden.

Seit Mittwoch hat Solon, Solarpionier und Berliner Vorzeigeunternehmen einen Insolvenzverwalter. Rüdiger Wienberg versprach, „den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren“. Einfach wird das nicht, da sich nun Fehler und Fehleinschätzungen des Managements aus der Vergangenheit rächen. Und für den Forschungs- und Technologiepark Adlershof, Blaupause für die Entwicklung eines neuen Wirtschaftsstandorts Berlin, ist die Solon-Pleite ebenfalls ein Rückschlag.

Immerhin hat es sich das Kapitel Solon für eine Reihe von Managern gelohnt, beispielsweise für den ehemaligen Vorstandschef Thomas Krupke. Unter dem Strich flossen allein durch den Verkauf von Solon-Aktien mehr als zwei Millionen Euro auf sein Konto. Auch Aufsichtsrat und Mitbegründer Alexander Voigt verdiente Millionen, ebenso der aktuelle Vorstand Lars Podlowski. Sie alle veräußerten ihre Anteile rechtzeitig, bevor der Kurs ins Bodenlose stürzte. Am Donnerstag wurden Solon-Aktien noch für 35 Cent gehandelt. Im Jahr 2007 waren die Papiere zeitweise mehr als 80 Euro wert.

In der Produktionstochter beträgt das Grundgehalt 1740 Euro im Monat, Arbeit in drei Schichten inbegriffen. Die gibt es aber seit Monaten schon nicht mehr, stattdessen Kurzarbeit in der Modulfertigung.

Neben den branchentypischen Problemen – Konkurrenz durch billigere und qualitativ gleichwertige asiatische Hersteller – hat das Solon-Management jede Menge Fehler gemacht. Obwohl ein Solarpionier in Deutschland, kümmerte man sich nicht um eine konsequente Markenpflege. In den guten Jahren, zwischen 2006 und 2008, konzentrierte man sich darauf, große Solarparks in Spanien und Italien zu bestücken. Der Betreiber einer Solar-Projektgesellschaft berichtet von arroganten Auftritten auf Messen. Der aktuelle Vorstandschef Stefan Säuberlich übernahm von seinem Vorgänger Krupke ein Unternehmen, das für einen Milliardenumsatz ausgestattet war, sich dafür heillos überschuldet hatte und zu wenig in Forschung und Entwicklung investierte. Stattdessen gönnte man sich für 40 Millionen Euro eine architektonisch kühne Firmenzentrale in Adlershof.

Peter Strunk von der Betreibergesellschaft des Wissenschafts- und Technologieparks sagt: „Das ist keine schöne Sache für uns.“ Er betont aber, dass der Standort insgesamt sehr viel breiter aufgestellt sei und die Solon-Insolvenz nicht das Konzept infrage stelle. Adlershof sei auch im Jahr 2011 eine Erfolgsgeschichte. Strunk zufolge ist der Umsatz der ansässigen Firmen in der Summe um sieben bis acht Prozent gestiegen. Auch die Mitarbeiterzahl habe um zwei bis drei Prozent zugelegt.

Noch fließen auch die Solon-Mitarbeiter in diese Bilanz mit ein. Ob sie der Technologiepark auch im kommenden Jahr verbuchen kann, ist aber längst nicht sicher. In den nächsten Monaten wird sich das Schicksal der 511 Berliner Solon-Mitarbeiter entscheiden.