Insolvenz

Sechs Interessenten prüfen Kauf von Solon

Für den insolventen Solarmodulhersteller Solon gibt es offenbar potenzielle Investoren. Doch das Land Berlin kann seine Kreditbürgschaft von knapp 38 Millionen Euro wohl abschreiben. Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg will das Unternehmen als Konkursmaße abstoßen.

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Das Land Berlin kann seine Kreditbürgschaft von knapp 38 Millionen Euro für das insolvente Solarunternehmen Solon wohl abschreiben. Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg will das Unternehmen als Konkursmaße veräußern. Sollte es zu einem Verkauf kommen, würde mit dem Erlös ein Teil der Verbindlichkeiten in Höhe von rund 400 Millionen Euro beglichen. Dazu werden die Banken wohl die Bürgschaften von Bund und den Ländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in Anspruch nehmen. Von einer Lösung, bei der ein Investor zumindest ein Teil der Schulden von Solon übernommen hätte, ist Wienberg abgerückt.

Sechs Interessenten gibt es derzeit, die sich genau die Bücher des größten Berliner Solarherstellers anschauen. Dem Insolvenzverwalter zufolge kommen sie aus dem In- und Ausland und sind im weiteren Sinne in der Solarbranche tätig. Namen nannte Wienberg mit Verweis auf Vertraulichkeitsabsprachen nicht. Wienberg hätte gern bis Ende Januar eine Entscheidung über einen Kauf. Markenwert, Mitarbeiter und Qualität der Produkte sprächen für Solon, so Wienberg. Das erhöhe auch die Chancen, dass ein Großteil der Arbeitsplätze in Berlin erhalten bliebe.

Derzeit arbeiten rund 500 Menschen in der Hauptstadt für Solon. Ein potenzieller Käufer muss aber darauf keine Rücksicht nehmen. Ein Erwerb der insolventen Firma ist an keinerlei Bedingungen bezüglich Standort und Arbeitsplätze geknüpft. „Ich habe aber keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass einer der Interessenten lediglich am Maschinenpark von Solon interessiert ist“, sagte Wienberg. Somit ist aber völlig offen, wie viele Arbeitsplätze gerettet werden können.

Für eine kleine Beruhigung bei Solon-Kunden dürfte eine andere Nachricht des Insolvenzverwalters sorgen. „Sollte Solon nicht in der Lage sein, die gesetzlichen Gewährleistungspflichten oder zugesagten Garantieversprechen einzuhalten, hat ein internationaler Solarmodul-Konzern verbindlich zugesagt, in diese Pflichten vollumfänglich einzutreten“, heißt es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters. Dieses Versprechen bezieht sich auf Module, die nach dem 1. Januar 2012 verkauft wurden und werden.

Die Gewährleistung wird das Solarunternehmen Microsol aus dem Emirat Fudschaira übernehmen. Microsol galt vor der Insolvenz am 13. Dezember als ernsthafter Kaufinteressent für Solon. Die Gewährleistung ist nun ein wichtiger Beitrag dafür, dass überhaupt weiter Module verkauft werden können. Was wiederum bedeuten dürfte, dass das Unternehmen immer noch ernsthaftes Interesse an Solon hat. Dazu wiederum wollte sich Wienberg nicht äußern.

Unterdessen muss die gesamte Solarbranche weitere Kürzungen fürchten. Verantwortlich dafür ist der Rekordzuwachs bei neuen Solaranlagen im vergangenen Jahr. Allein die angemeldeten Anlagen im letzten Quartal 2011 mit einer Leistung von 4150 Megawatt würden im Juli zu einer Senkung von mindestens 12 Prozent führen, teilte die Bundesnetzagentur am Montag in Bonn mit. Wahrscheinlich sei aber eine Senkung um 15 Prozent. Mit rund 7500 Megawatt wurden 2011 so viele Anlagen wie nie zuvor gemeldet. (mit dpa)