Schlecker-Tochter

Pleite von "IhrPlatz" trifft besonders Berlin

Wenige Tage nach der Muttergesellschaft Schlecker ist auch die Tochterfirma "IhrPlatz" insolvent – bereits zum zweiten Mal. In Berlin ist die Drogeriekette mit 64 Filialen und etwa 300 Mitarbeitern besonders stark vertreten.

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Es ist wie so oft bei großen Insolvenzen: Wenn der Muttergesellschaft die Luft ausgeht, müssen kurz danach auch die Tochterunternehmen zum Insolvenzrichter. Am Donnerstag erging es genau so der Drogeriemarktkette „IhrPlatz“ mit 670 Filialen und 5800 Mitarbeitern. Sie gehört zum Imperium des Anton Schlecker, der mit seiner Hauptmarke am Montag Insolvenz angemeldet hatte. Für IhrPlatz ist es bereits die zweite Insolvenz. Die 1895 gegründete Kette war schon 2005 in die Pleite gerauscht. Zwei Jahre später kaufte Schlecker die Läden.

„"IhrPlatz" befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, sodass jetzt eine gemeinsame Lösung für den Konzern gesucht werden kann“, erklärte Arndt Geiwitz, der vorläufige Insolvenzverwalter der Konzernmutter, Anton Schlecker e.K. Ihm dürfte nun auch die Verwaltung von "IhrPlatz" zukommen. Weiter nicht betroffen sind die ausländischen Tochtergesellschaften von Schlecker. Die Firma ist auch in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Polen und der Tschechischen Republik vertreten.

Es kommen wieder neue Waren

Am Mittwochabend noch hatte der Insolvenzverwalter erstmals eine gute Nachricht verbreiten können: Schlecker bekommt wieder Waren geliefert. Die lange erwartete Einigung mit der Markant-Gruppe als mutmaßlich wichtigstem Gläubiger war gelungen. Das Unternehmen aus der Schweiz sorgt für die Lieferung von Produkten kleinerer und mittelgroßer Hersteller an Einzelhändler wie Schlecker. Außenstände in deutlich dreistelliger Millionenhöhe bei Markant waren letztlich der Ausschlag für den Insolvenzantrag vom Montag gewesen. Daraufhin hatte Markant, ebenso wie viele große Industrieunternehmen, die Belieferung von Schlecker zunächst ausgesetzt. Offenbar hat der Verwalter, wie in solchen Fällen üblich, Garantien dafür gegeben, dass die neuen Bestellungen trotz der Insolvenz bezahlt werden.

Das Ende der Lieferblockade erhöht die Chance auf ein Überleben von Schlecker. Immerhin ist damit sichergestellt, dass die Kunden nicht vor leeren Regalen stehen. Das hätte mutmaßlich das Ende des Handelsunternehmens bedeutet, so wie es 2008 bei der Warenhauskette Hertie der Fall war. Die erste Einigung mit den Lieferanten bedeutet jedoch noch immer nicht, dass sie auch der vom Unternehmen gewünschten Insolvenz im Planverfahren zustimmen. Dass die Geschäftspartner jetzt wieder mit Schlecker zusammenarbeiten, wird aber als gutes Zeichen für ihre Zustimmungsbereitschaft zur Planinsolvenz gewertet. Wann die Entscheidung fällt, ist noch unklar.

Die Mitarbeiter des einstigen Familienunternehmens "IhrPlatz" aus Osnabrück hatten gehofft, der Insolvenz zu entgehen – vergeblich. Jetzt können sowohl ihre Arbeitsverhältnisse als auch die Mietverträge leichter gekündigt werden. Sie haben schon ihre schmerzlichen Erfahrungen mit einer Insolvenz gemacht. Ihr Arbeitgeber stand bereits bei der großen Konzentrationswelle der Drogeriemärkte 2005 im Mittelpunkt, bei der Schlecker als klarer Marktführer noch kräftig zugekauft hatte.

Im Mai 2005 hatte die Osnabrücker Kette – damals Nummer fünf im Markt – mit rund 700 Märkten und 8800 Mitarbeitern in die Insolvenz gehen müssen. Zu dem Familienunternehmen gehörten auch die „Drospa“-Märkte in Berlin. "IhrPlatz" ist mit seinen Filialen daher in der Hauptstadt besonders stark vertreten: 64 von deutschlandweit 650 Läden finden sich in Berlin. Schätzungen der Gewerkschaft Ver.di zufolge gibt es ungefähr 300 Stellen bei "IhrPlatz" in der Hauptstadt. Anton Schlecker wollte "IhrPlatz" als „Zweitmarke im Premiumsegment“ fortsetzen.

Das schlechte Image ist das Problem

Wenn Schlecker nun eine Zukunft haben will, muss das Unternehmen nach Expertenansicht aber viel für ein besseres Außenbild tun. „Das Image von Schleckers Aufrichtigkeit gegenüber der Öffentlichkeit und seiner Mitarbeiterbehandlung ist nach unserer regelmäßigen Umfrage, dem CSR-Tracker, das schlechteste in der gesamten Drogeriemarktbranche“, sagte Bettina Willmann vom Handelsforschungsinstitut IFH in Köln. „Ein solches Image beeinflusst eindeutig das Kaufverhalten der Kunden. Und das ist eines der Probleme von Schlecker.“