Einzelhandel

Drogerie Schlecker versucht den Neustart

Discounter wie Lidl machen Drogeriemärkten das Leben schwer. Lars Schlecker baut die Drogeriekette völlig um – und setzt auf kleine Orte.

Allmendingen hat eine Hauptstraße, einen Friseur, eine Fahrschule – und ab diesem Donnerstag einen der ersten neuen Schlecker-Märkte. Mit seiner Eröffnung soll eine neue Ära für die schwächelnde Drogeriekette eingeläutet werden. Hell, übersichtlich und nachbarschaftlich soll sie nun sein, die neue Schlecker-Welt. Vorbei die Zeiten der engen Märkte mit Fensterscheiben voller blau-weißer Schlecker-Logos, in denen manche Produkte erst nach langem Suchen zu finden waren. Ein Neustart in einer Gemeinde mit 4500 Einwohnern? „Das ist unsere große Stärke, dass wir auch in kleinen Orten präsent sind“, erklärt Lars Schlecker die Strategie. „Wir wollen ein guter Nachbar sein und uns in kleinen Orten genau den Bedürfnissen der Menschen anpassen.“ Der Sohn von Firmengründer Anton Schlecker steht zwischen Regalen voller Seife, Cremes und Süßigkeiten. Zusammen mit Schwester Meike hat er dem Drogerieriesen aus dem schwäbischen Ehingen einen neuen Kurs verordnet. Der Konzern ergreift damit die Initiative im harten Kampf mit den Konkurrenten dm, Rossmann und Co.

„Der Januar des neuen Jahres ist gut gelaufen“, sagt Lars Schlecker, der keine Prognose für das Gesamtjahr nennen will. 2010 setzte die Kette rund 6,55 Milliarden Euro um. „Unser Ziel ist es, die Zahl zu halten.“ In Deutschland hat Konkurrent dm aus Karlsruhe nach Schätzungen von Experten Schlecker als Nummer eins auf dem deutschen Drogeriemarkt abgelöst. „Klar ist es wichtig, vorne zu bleiben“, sagt der neue Mann an der Konzernspitze. „Aber wenn es mal eine Ablösung geben sollte, verkraften wir das auch.

Und in Europa sehe ich nichts.“ Was die Zahl der Filialen angeht, sind die Schwaben auch weiterhin kaum zu schlagen: Rund 9000 seien es in Deutschland und weitere 3000 in mehreren europäischen Ländern. Sie sollen nach und nach bald alle so aussehen wie der Allmendinger Markt im Alb-Donau-Kreis. Piktogramme mit Hand und Wassertropfen für Duschgels und Shampoo oder einem Haus auf gelbem Grund für Haushaltsprodukte wie Putzwaren sollen die Orientierung erleichtern. Zudem sind die Gänge viel breiter als bisher.

An den Kassen stehen die Verkäuferinnen den Kunden gegenüber, die Laufbänder sind abgeschafft. Mit größeren Schlecker-XL-Märkten sollte vor zwei Jahren schon einmal ein Neustart gelingen. Doch was folgte, war heftiger Zoff mit den Gewerkschaften. Sie warfen dem Unternehmen Lohndumping vor. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Tarifvertrag, der auch Ver.di zufriedenstellt. Bis Ende des Jahres sollen 400 bis 700 Filialen auf das neue Design umgestellt sein, in das Schlecker rund 230 Millionen Euro investiert.

2012 will die Kette mit seinem derzeit defizitären Deutschlandgeschäft auch wieder schwarze Zahlen schreiben. „Im Ausland ist das nicht nötig, dort haben wir Topergebnisse“, sagt der Manager. Tschechien oder Italien bereiteten keine Probleme, auch fahre Schlecker außerhalb Deutschlands schwarze Zahlen. Die Modernisierung der ausländischen Filialen soll daher erst in einem zweiten Schritt erfolgen. Ob die Trendumkehr bei Schlecker bald gelingt, ist nicht gewiss. „Sie sind etwas spät dran“, sagt Handelsexperte Wolfgang Adlwarth vom Marktforscher GfK in Nürnberg. „Aber was sollen sie anderes tun, als sich zu erneuern?“

Das Ladenkonzept sei absolut unattraktiv gewesen. Auch bei den Preisen sei Schlecker nicht mehr am günstigsten. Wenn der Konzern aber seine Stärken bewahre, könnte das neue Konzept greifen, erklärte Adelwarth. Die Strategie sei richtig, auf kleine Märkte in kleinen Orten zu setzen, „wo die Leute für ein paar Artikel auf dem Heimweg anhalten, statt die im Supermarkt zu kaufen“. Als die größten Konkurrenten für Schlecker als Drogerie-Discounter sieht auch Mitgeschäftsführer Lars Schlecker nicht unbedingt die anderen Drogerieketten, sondern die Lebensmittelgroßhändler: „Lidl ist aggressiv in die Drogeriesparte vorgestoßen“, sagt er. „Aber die Produzenten merken, was sie an uns haben.“ Die neuen Filialen versuchen nun einen Spagat: Schlecker will einerseits Günstig-Anbieter bleiben. Andererseits gibt es auch einige Parfüms oder andere höherwertige Produkte.