Drogeriekette

Schlecker ist pleite - "kurzfristiger" Insolvenzantrag

Konkurrenten wie dm oder Rossmann machen der Drogeriekette Schlecker schwer zu schaffen. Hunderte Filialen wurden geschlossen. Jetzt scheint das Unternehmen den Kampf verloren zu haben: Schlecker ist pleite, will aber nicht aufgeben.

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Der Drogeriekonzern Schlecker geht in die Planinsolvenz. Das bestätigte das Unternehmen am Freitag in einer Mitteilung. Der Insolvenzantrag werde „kurzfristig“ eingereicht. Ziel sei der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen, hieß es. Schlecker kämpfte im harten Wettbewerb auf dem Drogeriemarkt seit längerem gegen Verluste an.

Die Erben der Drogeriekette Schlecker, Lars und Meike Schlecker, wollen die Märkte im Familienbesitz erhalten - trotz finanzieller Engpässe. Der sogenannte Insolvenzplan bietet den Eigentümern diese Möglichkeit, aber nur wenn sie es schaffen, sich mit ihren Gläubigern zu einigen, wie der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) auf seiner Webseite erläutert. Im Falle Schlecker müssten wahrscheinlich Zulieferer und Vermieter der Sanierung und einer Stundung der Außenstände zustimmen.

Der Drogerieriese aus Ehingen bei Ulm hatte vor kurzem angekündigt, auch im neuen Jahr Hunderte Filialen zu schließen : Das Unternehmen trenne sich von Läden, die rote Zahlen schreiben und die „auch nach wohlwollender Betrachtung“ keine langfristige Perspektive haben. Ein Sprecher wollte dies nicht kommentieren und verwies lediglich auf den laufenden Umbauprozess bei Schlecker.

Zuletzt hatte Schlecker noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal. Vor allem die Karlsruher dm-Drogerien machten dem schwäbischen Familienkonzern schwer zu schaffen. Aber auch die niedersächsische Kette Rossmann war ihm auf den Fersen. Beide Mitbewerber hatten ihre Umsätze zuletzt gesteigert – und haben aus Sicht von Branchenexperten ein erfolgreicheres Ladenkonzept und Sortiment.

Der Filialabbau war Teil eines Zukunftsprogramms, das sich Schlecker mit dem Einstieg der Gründerkinder Lars und Meike Schlecker ins operative Geschäft vor rund einem Jahr auferlegt hat. Zuletzt machten sogar Gerüchte um Geldprobleme bei dem schwäbischen Familienunternehmen die Runde – in den vergangenen Wochen hatte es in vielen Filialen plötzlich auffällig an Ware gefehlt.

Die Drogeriebranche in Deutschland ist seit Jahren heiß umkämpft. Schlecker war bis vor kurzem die Nummer eins. Mit Geschäftszahlen hält sich der Familienkonzern zurück. 2010 setzte die Kette aus Ehingen bei Ulm noch 6,55 Milliarden Euro um. 2011 sollen der Erlöse „leicht“ gesunken sein. Nach mehreren Verlustjahren – zur Höhe ist nichts zu erfahren – sollte 2012 die Rückkehr in die Gewinnzone gelingen. Die Mitarbeiterzahl liegt bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland.

Nach Hunderten Schließungen liegt die Zahl der Läden in Deutschland wohl knapp unter 7000, hinzu kommt die Tochter IhrPlatz. 3000 weitere Schlecker-Filialen gibt es in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal.

dm hängt die Konkurrenz ab

Indessen ist die Karlsruher Kette dm auf dem besten Weg an die Drogeriemarkt-Spitze . Auch hier gibt es keine Zahlen zum Ergebnis; das ebenfalls in Familieneigentum befindliche Unternehmen gibt sich aber nach eigenen Angaben mit einem Prozent Rendite zufrieden – und steckt das Geld ansonsten in soziale Projekte.

Erlöst hat dm im Geschäftsjahr 2010/11 rund 6,17 Milliarden Euro; das war ein Plus von 9,3 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr. Von den 2536 Filialen liegen 1256 in Deutschland. Ihre Grundfläche ist grundsätzlich größer als die der Konkurrenz, insbesondere die der Schlecker-Läden. Von den rund 39.100 Beschäftigten arbeiten 25.450 in Deutschland.

Schleckers anderer Konkurrent Rossmann ist die drittgrößte deutsche Drogeriekette und hat 2011 erstmals in ihrer 40-jährigen Firmengeschichte die Fünf-Milliarden-Umsatzmarke geknackt. Das hatte das Unternehmen vor zwei Wochen bekanntgegeben. Der Umsatz lag bei 5,12 Milliarden Euro, ein Plus von 10,5 Prozent. Zum Ergebnis macht das Unternehmen aus Burgwedel in Niedersachsen keine Angaben. Für das Jahr 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Milliarden Euro erwartet.

Rossmann betreibt in sechs europäischen Ländern 2531 Märkte und beschäftigt rund 31.000 Mitarbeiter. In Deutschland will Rossmann in diesem Jahr 110 neue Verkaufsstellen eröffnen. Dabei sollen rund 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Oft klappt es nicht

Wie nun Schlecker hatte auch das Textilunternehmen SinnLeffers vor knapp vier Jahren eine Planinsolvenz angemeldet. SinnLeffers gilt als Paradebeispiel einer gelungenen Sanierung. Darauf hofft nun auch die angeschlagene Drogeriekette. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich Eigentümer und Gläubiger häufig nicht einigen können. Ein Beispiel dafür ist die Arcandor-Insolvenz im Jahr 2009. Auch der Karstadt-Konzern hoffte, sich gütlich einigen zu können. Das klappte nicht.

Als Ausweg bleibt dann nur der Verkauf an einen Investor durch den Insolvenzverwalter. Karstadt ging seinerzeit an Nicolas Berggruen. Der neue Eigentümer tritt üblicherweise die Rechtsnachfolge an, muss aber nicht alle Schulden tilgen. Mitarbeiter kommen zumeist in eine Auffanggesellschaft. Zuletzt war der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland diesen Weg gegangen.