Drogeriemarktkette

Ver.di ruft zu einem Bündnis für Schlecker

Die Gewerkschaft Ver.di wünscht sich Unterstützung von Verbrauchern und Lieferanten. Diese sind vorsichtig, wollen aber Schlecker weiter beliefern.

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Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di wächst die Sorge, dass die Belange der Beschäftigten der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker in der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen werden.

Ver.di gab bekannt, die Gewerkschaft sehe „die dringende Notwendigkeit für ein Bündnis zur Unterstützung der Schlecker-Beschäftigten“. Es seien nicht die Beschäftigten, die die finanzielle Misere von Schlecker verursacht haben, sagte Stefanie Nutzenberger, Ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel, „deshalb brauchen wir jetzt dringend ein Bündnis zur Rettung der Arbeitsplätze.“

Die Forderung richte sich zum einen an Lieferanten, die Drogeriemarktkette weiterhin mit Waren zu versorgen. Aber auch die Kundinnen und Kunden seien „aufgefordert wie bisher bei Schlecker einzukaufen“.

Zudem erhöht Ver.di den Druck auf die Schlecker-Familie, sich an der Rettung des Unternehmens mit ihrem Privatvermögen zu beteiligen: Es sei nun endlich an der Zeit, dass Anton Schlecker die Eigentumsverhältnisse seiner Familie und die der Familienangehörigen offenlege, so Ver.di. „Was wir von Schlecker fordern, ist Klarheit und Wahrheit.

Klarheit gegenüber den Beschäftigten und die Wahrheit über seine Vermögensverhältnisse“, so Nutzenberger. Die mehr als 30.000 Beschäftigten hätten „einen berechtigten Anspruch zu erfahren, ob ihre Arbeitsplätze für die Zukunft gesichert sind“, forderte die Gewerkschafterin.

Unterdessen gibt es erste Fortschritte bei der Belieferung mit Waren. Einige Hersteller, die die Lieferungen kurzfristig eingestellt hatten, schicken nach Gesprächen mit dem Insolvenzverwalterteam wieder Produkte zu Schlecker. Europas größter Fotodienstleister CeWe Color etwa hatte den Warenfluss kurzzeitig gestoppt.

„Auf Basis einer Vereinbarung mit dem Insolvenzverwalter hat CeWe Color die Belieferung nun wieder aufgenommen“, sagte ein Sprecher „Morgenpost Online“. Dass man auf den Forderungen sitzen bleibt, glaubt man beim Unternehmen aus Oldenburg nicht. „Die Außenstände sind weitgehend versichert“, sagte der Sprecher ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen. Verhandlungen des Insolvenzverwalter-Teams mit weiteren Schlecker-Lieferanten laufen.

Andere Hersteller sind noch vorsichtiger, wollen aber gerne weiterhin mit Schlecker zusammenarbeiten. So bekundete Nestlé auf Nachfrage sein grundlegendes Interesse, „die Geschäftsbeziehung mit dem Hause Schlecker nachhaltig fortzuführen“.

Dennoch stoppte der größte Lebensmittelhersteller der Welt zunächst die Lieferung: „Eine Weiterbelieferung nach Rücksprache mit dem Insolvenzverwalter trägt Nestlé nur, wenn Schlecker eine Bankbürgschaft stellt oder der Insolvenzverwalter eine garantierte Zahlungszusage abgibt“, hieß es bei Nestlé.

Insolvenzverwalter sichert Lieferungen

Ein solches Verfahren ist bei Insolvenzen durchaus üblich. Denn Bestellungen, die der vorläufige Insolvenzverwalter unterschreibt, sind deutlich besser besichert als Orders aus der Zeit vor der Insolvenz. Deshalb stoppen Hersteller erst einmal ihre Lieferung, solange der Insolvenzverwalter nicht neu bestellt hat.

„Die Hersteller haben ein Interesse daran, eine Vielfalt von Vertriebskanälen zu bedienen und diese auch zu erhalten“, sagt Mark Sievers, Partner und Head of Consumer Markets Germany bei KPMG, „Morgenpost Online“. Schließlich machte Schlecker zuletzt in Deutschland noch einen Außenumsatz von rund vier Milliarden Euro.

Selbst bei einer radikalen Verkleinerung der Kette wäre Schlecker noch immer ein attraktiver Kunde für die Hersteller von Konsumgütern. „Schlecker ist in der Branche eine etablierte Marke, die aus der deutschen Drogerielandschaft nicht wegzudenken ist“, so Sievers.

Ausgerechnet mit dem möglicherweise größten Gläubiger auf Lieferantenseite, dem Einkaufsdienstleister Markant, gab es bisher trotz intensiver Gespräche jedoch noch keine vorläufige Einigung. Markant, deren Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe den letzten Ausschlag für den Insolvenzantrag gegeben hatte, ist das Bindeglied zwischen den mittelgroßen und kleinen Herstellern und den großen Handelsketten.

Lieferanten schließen Kreditausfallversicherungen

Die Organisation sorgt auch für die Abrechnung der Lieferungen. Dadurch kommt solchen Kooperationen eine Schlüsselstellung zu, wenn ein Kundenunternehmen finanzielle Probleme bekommt. Markant erzielte 2010 mit rund 100 Handelspartnern aus dem Groß- und Einzelhandel einen Außenumsatz von 71 Milliarden Euro. Zu den Mitgliedsfirmen gehören nicht nur Schlecker und seine – nicht insolvente – Tochter Ihr Platz, sondern auch die wesentlichen Konkurrenten auf dem deutschen Drogeriemarkt wie DM, Rossmann, Müller, Budnikowsky, Kloppenburg und Kaufland.

Persil-Hersteller Henkel erklärte, die Schlecker-Insolvenz habe derzeit „keine finanziellen Auswirkungen, weil etwaige Forderungen abgesichert sind“. Üblicherweise schalten Hersteller in solchen Fällen Warenkreditversicherer wie Euler-Hermes ein, die die Bezahlung der Lieferungen an ihre Handelskunden zumindest zu einem großen Teil garantieren.

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