IWF-Warnung

"Finanzsystem ist tief in der Gefahrenzone"

Der Internationale Währungsfonds gibt einen düsteren Ausblick auf die Weltwirtschaft. Vor allem die Euro-Krise erschüttert das globale Finanzsystem.

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Der Internationale Währungsfonds warnt, dass die Schuldenkrise in der Euro-Zone die wirtschaftliche Erholung weltweit gefährdet und das globale Finanzsystem ins Wanken bringen könnte.

„Tief in der Gefahrenzone“, so überschreiben die Ökonomen der Organisation ihren neuesten Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems. Sie kritisieren darin, dass die europäische Politik in den vergangenen Monaten zwar erhebliche Schritte unternommen habe, um die Situation in der Euro-Zone zu stabilisieren.

Das bisher Geleistete sei aber bei weitem nicht genug. Christine Lagarde, die Direktorin des Fonds, hatte bereits einen größeren Rettungsschirm für die Euro-Zone gefordert. Eine höhere „Brandschutzmauer“ für Italien und Spanien sei nötig.

Zudem müsse die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik rasch lockern. Der IWF rechnet damit, dass nach der Abwertung der Bonität einiger Euro-Länder und des Rettungsschirms EFSF das gegenwärtige Finanzierungsmodell für den Rettungsfonds bereits unter Druck sein könnte.

Sparpläne nicht übertreiben

Die IWF-Experten fordern außerdem die Staaten der Euro-Zone auf, Sparbemühungen nicht zu übertreiben. Es sei genauso wichtig, das Wachstum zu stützen. Das gelte besonders für Staaten mit entsprechendem finanziellen Spielraum, die ihre Sparmaßnahmen hinauszögern könnten.

Damit ist offenbar Deutschland gemeint. Ökonomen des Währungsfonds schreiben in ihrer halbjährlichen Analyse der Staatsfinanzen weltweit, dass Staaten auf unerwartet schwaches Wachstum in diesem Jahr nicht mit noch strengeren Sparprogrammen reagieren sollten.

Die Warnung scheint angebracht, denn die Prognostiker des Fonds rechnen damit, dass die anhaltende Schuldenkrise die wirtschaftliche Erholung weltweit gefährdet. Der IWF hat deshalb seine Wachstumserwartungen für alle Regionen der Welt gesenkt; ganz besonders für die Euro-Zone.

Die Ökonomen rechnen damit, dass die Wirtschaft der Währungsunion in diesem Jahr sogar um ein halbes Prozent schrumpfen wird, im Herbst hatten sie noch mit einem Wachstum von 1,1 Prozent gerechnet. Für Deutschland erwarten die IWF-Experten immerhin ein schwächliches Plus von 0,3 Prozent; im Herbst waren sie allerdings noch von einem Zuwachs von 1,3 Prozent ausgegangen. Die globale Wirtschaft soll in diesem Jahr nur noch um 3,3 Prozent wachsen.