Zwischen all den Kehrtwenden und Korrekturen bei der Euro-Krise gibt es doch eine Konstante: Seit der allerersten Diskussion um Hilfe für Griechenland verweigert Angela Merkel zunächst deutsche Beiträge zu den Hilfspaketen und Rettungsschirmen möglichst lange – um am Ende doch zu zahlen.

So gehört nicht viel Mut zu der Wette, dass es auch bei dem jetzt aufkommenden Konflikt um die Aufstockung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) wieder so laufen wird. Letztlich wird die Bundeskanzlerin auch diesen Scheck im Namen der Euro-Rettung unterschreiben: Ob der ESM tatsächlich vergrößert wird, oder ob der provisorische Rettungsschirm EFSF doch einfach weiter parallel laufen darf, ist für das Ergebnis dabei zweitrangig. So oder so wird sich die Summe erhöhen, für welche die deutschen Steuerzahler bürgen.

Zieht die Kanzlerin also nur eine Widerstands-Show für die heimischen Wähler ab? Sicherlich schwingt auch dieses Motiv mit. Aber ihre Taktik ist trotzdem richtig: Hätte Merkel immer sofort gezahlt, wären Sparvorgaben für die Schuldensünder nicht durchsetzbar gewesen. Die Forderungen nach neuen Milliarden gehen vielen europäischen Partnern leider leichter über die Lippen, als echte Reformzusagen.

Das gilt auch jetzt: Die Kanzlerin darf der ESM-Aufstockung nicht zustimmen, bevor der neue europäische Fiskalpakt unterschrieben ist. Es braucht Regeln, welche die Staaten zum Sparen anhalten – auch nachdem die Euro-Rettungstöpfe aufgefüllt wurden. Erst verbindliche Zusagen, dann Hilfe. Wenn überhaupt, geht es nur in dieser Reihenfolge.