Handelsverband

Was die Schlecker-Insolvenz für Berlin bedeutet

Fast nirgendwo zeigt sich die harte Konkurrenz der Drogeriemärkte in Deutschland so deutlich wie in Berlin, wo Schlecker noch rund 200 Filialen hat. Morgenpost Online sprach mit Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, über Schlecker.

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Morgenpost Online: Herr Busch-Petersen, wie schlimm ist die Schlecker-Insolvenz für den Einzelhandel in Berlin?

Nils Busch-Petersen: Eine gute Nachricht ist das natürlich nicht, aber auch noch keine tragische. Die Läden bleiben ja geöffnet; der Verkauf läuft weiter. Das ist zunächst einmal das Wichtigste. Es bleibt also Zeit, eine Lösung für die Weiterführung zu finden. Gott sei Dank haben wir jetzt das Verfahren der Planinsolvenz. Das wurde ja auch schon bei der Insolvenz von Karstadt angewendet.

Morgenpost Online: Ist Schlecker nicht einfach ein unzeitgemäßer Einzelhändler? Jeder kennt doch aus eigener Erfahrung die schlecht sortierten Märkte mit den eng stehenden Regalen.

Busch-Petersen: Ich habe keinen Einblick in das Unternehmen. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir im deutschen Einzelhandel eine extreme Situation haben. Die Bevölkerung – und damit die Zahl der Kunden – schrumpft tendenziell. Gleichzeitig gibt es immer noch eine Expansion bei Verkaufsflächen. Bei solch harter Konkurrenz ist es fast zwangsläufig, dass einer auf der Strecke bleibt.

Morgenpost Online: Besonders einfallsreich wirkte Schlecker aber nicht beim Versuch, dem Kundenschwund zu begegnen.

Busch-Petersen: Das scheint mir ein Beleg für eine These zu sein: Es ist offenbar kein Erfolgsrezept auf der einen Seite mit Niedrigpreisen zu locken und auf der anderen Seite bei Personalkosten immer mehr zu drücken. Im Einzelhandel müssen Sie sich heute schon mehr einfallen lassen.

Morgenpost Online: Immerhin haben ja die Kinder von Gründer Anton Schlecker versucht, einiges zu ändern

Busch-Petersen: Aber bei einem so großen Schiff ist es natürlich schwer und langwierig, das Ruder herumzureißen. Das schaffen Sie nicht von heute auf morgen. Schlecker hat begonnen, hellere und größere Filialen zu eröffnen. Aber offenbar hat man zu lange mit der Neuausrichtung gezögert. Vielleicht gelingt nun die Sanierung im Zuge des Insolvenzverfahrens.

Morgenpost Online: Damit ein Neuanfang gelingen kann: Wie sollte denn ein neuer, erfolgreicher Schlecker idealerweise aussehen?

Busch-Petersen: Schauen Sie sich doch Schlecker-Konkurrenten wie dm und Rossmann an. Mit ansprechender Präsentation der Waren und Investitionen in Personal kann man sehr wohl bestehen im harten Konkurrenzkampf.