Regierung Monti

Krisenland Italien bekommt etwas billigeres Geld

Investoren vertrauen in die Regierung Monti. Ein weiteres Mal sind die Anleihezinsen für Italien zurückgegangen. Monti mahnt kontinuierliche Bemühungen an.

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Auch am zweiten Tag der Versteigerung von italienischen Staatsanleihen sind die Zinsen wieder gesunken. Insgesamt verkaufte Italien nach Angaben der Zentralbank am Donnerstag Anleihen im Wert von sieben Milliarden Euro mit unterschiedlichen Laufzeiten.

Dabei erlöste sie etwa 1,5 Milliarden Euro weniger als erwartet. Die mit Spannung erwartete Ermittlung des Zinssatzes für zehnjährige Schuldverschreibungen ergab 6,98 Prozent. Das waren zwar weniger als die 7,56 Prozent, die bei einer Auktion im vergangenen Monat zu zahlen waren. Der Zinssatz lag jedoch noch immer gefährlich nahe an der Grenze von sieben Prozent, die langfristig als ruinös gelten.

Der italienische Ministerpräsident Mario Monti zeigte sich zufrieden mit den sinkenden Zinssätzen. "Gestern und heute lief es ziemlich gut, das macht Mut", sagte der Ministerpräsident.

Bei Auktionen am Mittwoch hatten die Kosten für Kredite bereits deutlich nachgegeben. Er gehe jedoch nicht davon aus, dass die Turbulenzen an den Märkten bereits vorbei seien, sagte Monti auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Mario Monti mahnt Kontinuität an

Seine Regierung schnüre derzeit ein Maßnahmenpaket, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Beispielsweise solle der Arbeitsmarkt liberalisiert und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden. Am 23. Januar werde Italien der EU seinen Konjunkturplan vorstellen, kündigte Monti an.

"Man verliert sehr schnell das Vertrauen der Investoren und man bekommt es nur durch konstante und kontinuierliche Bemühungen zurück", sagte Monti.

Die niedrigeren Zinsen geben der Regierung aus Finanzfachleuten ein bisschen mehr Spielraum, um das harte Sparpaket abzumildern, das Monti seinen Landsleuten unter den Weihnachtsbaum gelegt hatte . Das italienische Parlament hatte vergangene Woche Steuererhöhungen und Rentenkürzungen beschlossen.

Italien verkaufte am Donnerstag Anleihen mit dreijähriger Laufzeit im Wert von 2,54 Milliarden Euro zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 5,62 Prozent. Im vergangenen Monat waren für die Papiere noch 7,89 Prozent Zinsen fällig gewesen.

Die Zentralbank erlöste weitere 803 Millionen Euro beim Verkauf siebenjähriger Anleihen zu einem Zinssatz von 7,42 Prozent und 1,18 Milliarden Euro beim Verkauf von Papieren mit neunjähriger Laufzeit zum Zinssatz von 6,7 Prozent.

Analysten fordern Wachstumsförderung

Offenbar herrschte an den Märkten noch immer Sorge, dass Italien seine Schulden von rund 1,9 Billionen Euro nicht länger bedienen kann. Allein im kommenden Jahr muss Rom Kredite im Umfang von 330 Milliarden Euro refinanzieren.

Analyst Raj Badiani von IHS Global Insight kommentierte die Zinsentwicklung: "Die Investoren warten auf tiefgreifendere Einschnitte an der Reformfront, sodass Italien seinen Wachstumsstillstand beenden kann und seine Produktivität wieder steigern kann".

Das geringe Wachstum sei das Hauptproblem an Italiens Wirtschaft, sagten Ökonomen. Nur größeres Wachstum führe zu höhere Steuereinnahmen und lasse die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sinken.