Ratingagentur Moody's

Euro-Krise kann auch britische Top-Note gefährden

Die Schuldenkrise bedroht laut Ratingagentur Moody's auch die Bonität der Nicht-Euro-Länder. London kann sich der Top-Note nicht sicher sein.

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Die Top-Bonität Großbritanniens ist nach Einschätzung der Ratingagentur Moody’s auch von der Krise in der Euro-Zone bedroht. Die Bemühungen der Regierung um einen ausgeglichenen Haushalt könnten durch weitere Schocks für die Wirtschaft untergraben werden, erklärte Moody’s.

Bislang genießt Großbritannien das Top-Rating Aaa, und der Ausblick wird von Moody’s mit stabil bewertet. Die Fähigkeit des Landes, zusätzliche Belastungen für den Haushalt zu kompensieren, habe sich aber verschlechtert. Der Handlungsspielraum für Großbritannien sei geringer geworden, sagte Moody’s-Analystin Sarah Carlson der Nachrichtenagentur Reuters.

Der gegenwärtige stabile Ausblick für Großbritannien basiere auf der Annahme, dass die Regierung in London ihre Politik zur Haushaltskonsolidierung fortsetze, heißt es in der Jahresend-Einschätzung von Moody’s. Eine Verschlechterung der makroökonomischen Aussichten oder die Notwendigkeit, dem Bankensystem zu helfen, könnten für die Haushaltskonsolidierung einen Rückschlag bedeuten.

Daher sei der Ausblick für das Rating Großbritanniens auch von den Entwicklungen in der Euro-Zone betroffen, obwohl das Land nicht selbst Mitglied des Währungsverbundes sei. Moody’s betonte, dass diese Einschätzung keine Bewertungsaktion der Agentur für Großbritannien sei.

Frankreich muss sich auf Bonitätsverlust einstellen

Frankreich wird nach Einschätzung der Börsenaufsicht aller Voraussicht nach seine Spitzen-Bonitätsnote verlieren. „Nur ein Wunder kann es noch retten, aber ich will daran glauben, dass es passieren kann“, sagte der Chef der Behörde AMF, Jean-Pierre Jouyet. Er halte es für bedauerlich, dass sein Land mit einer gewissen Schicksalsergebenheit und Resignation den Verlust der Bestnote akzeptiere.

Gleichzeitig warnte Jouyet vor den weitreichenden wirtschaftlichen Folgen einer Herabstufung. Präsident Nicolas Sarkozy hatte monatelang beteuert, das Rating mit allen Mitteln zu verteidigen. Zuletzt hat er jedoch seine Wortwahl geändert und betont, dass ein Verlust der Note verkraftbar wäre. Jouyet ist ein Freund des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande, der Sarkozy bei der Wahl im April herausfordert. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone kämpft mit hohen Schulden sowie einem lahmen Wirtschaftswachstum . Das Rating ist zu einem wichtigen Wahlkampfthema geworden.

Sollte Frankreich herabgestuft werden, dürfte auch der Rettungsschirm EFSF der Agentur Fitch zufolge sein Spitzen-Rating einbüßen. Die Noten für den EFSF hingen vor allem an den Ratings von Frankreich und Deutschland, erklärte Fitch.

Die Agentur hatte erst am Freitag den Ausblick für Frankreich gesenkt. Die Chance für eine Herabstufung Frankreichs innerhalb von zwei Jahren sei auf über 50 Prozent gestiegen, so die Argumentation der Agentur. Dies gelte daher auch für die Kreditwürdigkeit des EFSF. Standard & Poor’s prüft bereits die Herabstufung von Frankreich und 14 anderen Ländern der Euro-Zone . Moody’s erwägt derzeit ebenfalls, der Einstufung des Landes einen negativen Ausblick zu verpassen und damit eine Herabstufung vorzubereiten.