Anti-EU-Kurs

Britische Wirtschaft sieht schwarz wegen Cameron

Großbritanniens Industrie schlägt Alarm: Der Anti-EU-Kurs der Regierung kann mehr als drei Millionen heimische Jobs kosten.

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Virgin-Gründer Richard Branson und 19 weitere britische Manager warnen die Londoner Regierung vor drastischen Folgen, sollte Großbritannien den Anschluss in der Europäische Union (EU) verlieren.

Premierminister David Cameron hatte sich vor zwei Wochen beim Gipfel in Brüssel geweigert, einen EU-Stabilitätspakt zu unterzeichnen. Mit Großbritanniens sinkendem Einfluss in der EU stünden drei Millionen Jobs auf dem Spiel, schrieben die Wirtschaftsführer.

Der gemeinsame Binnenmarkt sei „von großer Bedeutung“ für Großbritannien. „Er bringt über die Hälfte unseres Exporthandels ein.“ Zu den Unterzeichnern des Briefes gehört unter anderem auch WPP-Chef Martin Sorrell, Easyjet-Verwaltungsratchef Mike Rake und Eurostar-Chef Nicolas Petrovic.

Indirekt kritisierten sie die Regierung bei ihrer Euro-Politik: „Es ist in Großbritanniens Interesse, dass der Euro überlebt und wir sollten daher alles tun, was wir können, um sein Überleben zu sichern.“ Die EU hatte Großbritannien gebeten, sich an einem neuen Euro-Rettungspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu beteiligen. Cameron hatte den Wunsch abgelehnt.

Britische Wirtschaft braucht die EU

Viele Unternehmen fürchten, Großbritannien werde künftig nicht mehr in Fragen zur Regulierung oder dem gemeinsamen Binnenmarkt einbezogen. „Kurzfristig wird es keinen Unterschied machen, weil alle EU-Strukturen feststehen, aber langfristig werden wir im politischen Entscheidungsprozess weniger relevant werden“, sagt etwa Ian Rodgers, Chef des britischen Stahlverbands UK Steel.

Die britische Metallindustrie ist dominiert von ausländischen Firmen wie dem indischen Konzern Tata oder dem spanischen Unternehmen Celsa. Diese Firmen hätten ihre Investments auf der Basis gemacht, dass Großbritannien eine führende Rolle in der europäischen Gemeinschaft spielt, sagte Rogers.

Die britische Industrie fühlt sich von Cameron vor den Kopf gestoßen, schließlich hatte er in den vergangenen Jahren immer wieder betont, Großbritannien sei zu abhängig von der Finanzindustrie geworden. In seinem erst im November präsentierten „Plan für Wachstum“ soll daher vor allem die Industrie gefördert werden.