Geschäftsklima-Index

Deutsche Firmen stemmen sich gegen die Krise

Firmenchefs in Deutschland rechnen nicht mit einer dauerhaften Krise. Im Dezember steigt der Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend.

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Nach der überraschenden Besserung des Konjunkturklimas im November hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft erneut aufgehellt. Der ifo-Index für Dezember stieg von 106,6 Punkte auf 107,2 Punkte, wie das ifo-Institut in München mitteilte.

„Die deutsche Wirtschaft scheint dem Abschwung Westeuropas erfolgreich zu trotzen“, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Ihre aktuelle Lage schätzten die 7000 befragten Unternehmer unverändert positiv ein. Der Wert blieb wie in den beiden Vormonaten bei 116,7 Punkten. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate verbesserten sich von 97,3 auf 98,4 Punkte.

Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang des Index um 0,5 auf 106,1 Punkte erwartet und die Stimmungsaufhellung im November als Ausreißer bezeichnet. Zuvor war Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer viermal in Folge gesunken.

Analysten begrüßten das Ergebnis der Umfrage. „Ein versöhnliches Jahresende", sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Die Zahlen stimmen zuversichtlich, dass die deutsche Konjunktur nicht wegbricht. Das erste und zweite Quartal 2012 werden zwar sicher schwach, aber wir gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Jahresverlauf wieder Fahrt aufnimmt.“

Auch Viola Stark von der Helaba zeigt sich überrascht. "Die im Mittel deutlich schwächere ZEW-Umfrage hatte auf einen Rückgang des Ifo-Indexes hingewiesen", sagte Stark. "Es gilt aber zu beachten, dass der aktuelle Dreimonatsdurchschnitt des Ifo-Gesamtindexes ein leicht tieferes Niveau anzeigt, als in den Monaten Juli-September, was auf ein etwas schwächeres BIP-Wachstum im vierten Quartal hindeutet.“

IfW senkt Konjunkturprognose für 2012

Deutschlands Konjunktur gerät nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) im kommenden Jahr in eine Schwächephase. Die Wirtschaftsforscher senkten ihre Konjunkturprognose für 2012 auf 0,5 Prozent Wachstum ab. Im September waren sie noch von einem Anstieg der Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent ausgegangen. Eine Rezession drohe aber nicht.

Die aus der Schuldenkrise im Euro-Raum resultierende hohe Unsicherheit werde sich zunehmend auf die Nachfrage der Haushalte und Unternehmen auswirken, teilte das Institut am Dienstag in Kiel mit. Die Wirtschaftsforscher rechnen zudem mit negativen Impulse vom Außenhandel, da die Produktion in wichtigen Ländern des Euroraums zum Teil spürbar sinken dürfte.

„Deutschland geht es noch relativ gut. In anderen Ländern der EU kommt es zu einer echten Rezession“, sagte der Chefvolkswirt des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Er fügte hinzu: „Das können wir in Deutschland vermeiden.“ In Frankreich beispielsweise seien die Konjunkturaussichten trüber als in Deutschland. Für das vierte Quartal des laufenden Jahres rechnet das Institut in Deutschland mit einem geringfügigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Maßgeblich für den Nachfragerückgang dürfte dabei ein Rückgang der Exporttätigkeit sein.