Das Berliner Solarunternehmen Solon bekommt die Finanzkrise mit großer Wucht zu spüren. Umsatz und Gewinn sind in den ersten sechs Monaten regelrecht eingebrochen. Mit den Banken verhandelt das börsennotierte Unternehmen, um seine Schuldenlast erträglicher zu gestalten. In der Adlershofer Zentrale wurde für 150 Verwaltungsmitarbeiter Kurzarbeit angeordnet, und die Belegschaft wird auf einen harten Sparkurs eingeschworen.
Zwischen Januar und Juni erzielte Solon einen Umsatz von 119,4 Mio. Euro. Verglichen mit den Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2008 ist das ein Absturz aus großer Höhe. Vor Jahresfrist lag der Umsatz noch bei 410 Mio. Euro. Solon war 2008 noch auf dem besten Weg, ein Unternehmen mit mehr als einer Mrd. Euro Umsatz im Jahr zu werden. Davon ist das Berliner Vorzeigeunternehmen nun wieder weit entfernt. Zudem schreibt der Konzern tiefrote Zahlen. Im ersten Halbjahr 2009 betrug der Verlust 110 Mio. Euro. Darin enthalten sind zwar sogenannte Einmaleffekte, wie die Abwertung von Vorräten und von Beteiligungen im Ausland. Doch auch wenn man diese außerplanmäßigen Abschreibungen unberücksichtigt lässt, ergibt sich ein deutliches Minus von 45,2 Mio. Euro.
An der Börse wurde Solon am Dienstag dafür abgestraft. Die Aktien lagen knapp drei Prozent im Minus bei 9,21 Euro und waren der größte Verlierer im TecDax.
Nachfrage ging weltweit zurück
Die Berliner folgen mit ihren jetzt vorgelegten Zahlen dem Negativtrend der deutschen Solarbranche. So hatte erst vor wenigen Tagen Q-Cells, weltgrößter Hersteller von Solarzellen, einen Verlust von 700 Mio. Euro in den ersten sechs Monaten 2009 vermeldet. Nach Jahren des Wachstums, befördert durch großzügige staatliche Subventionen in Deutschland, ist die noch junge Sonnenbranche in ihre tiefste Krise gerutscht. Weltweit ging die Nachfrage nach Solarzellen und anderen Produkten zurück. Die Folge ist ein rasanter Preisverfall, der nun für eine Reihe von Unternehmen existenzbedrohend wird. Denn in Asien, vor allem China, sitzt potente Billigkonkurrenz.
In dieser Situation wird das rasante Wachstum der vergangenen Jahre zum Fluch. Denn die Unternehmen hierzulande haben für ihre Expansion hohe Schulden angehäuft. Das trifft auch auf Solon zu. Die Berliner drücken Verbindlichkeiten von mehr als einer halben Mrd. Euro. Der überwiegende Teil, 325,5 Mio. Euro, sind kurzfristige Schulden. „Einen Teil dieser kurzfristigen Schulden wollen wir in mittelfristige umwandeln. Darüber sprechen wir mit den Banken“, sagt Solon-Vorstandschef Thomas Krupke.
Krupke hat dem Unternehmen mit seinen 900 Mitarbeitern nun einen Sparkurs verordnet. Um 15 Mio. Euro sollen die Kosten gesenkt werden. In den USA, wo Solon ein Tochterunternehmen hat, wurden Leute entlassen. Am Produktionsstandort Greifswald und in der Berliner Verwaltung gilt Kurzarbeit. „Unsere Stammbelegschaft wollen wir unbedingt halten“, sagt Krupke.
Mit Bauherren mehr Geld verdienen
Dafür muss das Geschäft mit Großanlagen jedoch wieder anziehen. Damit verdiente Solon in der Vergangenheit das meiste Geld. Doch dieses sogenannte Systemgeschäft leidet derzeit am meisten. Wegen der Finanzkrise finden sich derzeit kaum Banken, die größere Solarprojekte finanzieren. Dazu kommt der Sonderfall Spanien, einst Solons wichtigster Auslandsmarkt. Dort wurde die staatliche Förderung von der Regierung zusammengekürzt. Das brachte den bis vor Kurzem weltgrößten Solarmarkt fast zum Erliegen.
Solon will sich nun darauf konzentrieren, das Geschäft in Frankreich, Italien, Griechenland und den USA auszubauen. Und die Berliner wollen mit Bauherren mehr Geld verdienen. Denn auf die ist trotz Krise Verlass. Der Verkauf kleiner Anlagen für die Dächer von Wohnhäusern ist nach wie vor stabil. Solon will noch stärker in diesem Geschäft mitmischen.
Trotz der Probleme sucht Solon derzeit nicht Unterschlupf bei einem Großkonzern. In den vergangenen Wochen hatte Bosch Solarunternehmen gekauft, darunter Aleo Solar aus dem uckermärkischen Prenzlau. Marktbeobachter nennen auch immer wieder Solon als Übernahmekandidaten.





