Crowdfunding

Fans sollen Stromberg-Film finanzieren

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Steffen Fründt

Foto: Joerg Steinmetz / Joerg Steinmetz/www.fischerverlage.de

TV-Büroekel Stromberg steht vor dem Sprung auf die große Kinoleinwand. Damit das gelingt, sollen die Fans eine Million Euro beisteuern. Drehbuch-Autor Ralf Husmann erklärt im Namen seiner Kultfigur wie das funktionieren soll.

Er ist inkompetent, sexistisch und ein Egoist: Bernd Stromberg ist ein Albtraum von einem Chef – und gerade deshalb erfreuen sich Millionen Folge für Folge an den kleinen Gehässigkeiten und großen Peinlichkeiten in "Stromberg“, der TV-Kultserie. Jetzt soll es den ersten Film über den Abteilungsleiter der fiktiven Capitol-Versicherung geben. Finanzieren sollen ihn zu einem guten Teil die Fans. Im Gespräch mit Steffen Fründt erklärt Drehbuch-Autor Ralf Husmann, wie das funktionieren soll – im Stil seiner Figur Bernd Stromberg.

Morgenpost Online: In einer Zeit, in der Menschen selbst Staatsanleihen für zu riskant halten, sollen Fans eine Million Euro in einen Stromberg-Film investieren. Was hat Stromberg, was Angela Merkel nicht hat?

Bernd Stromberg: Erstens: Ich muss nicht gewählt werden, brauche also keine Rücksicht aufs Fußvolk zu nehmen. Zweitens, das Ding kommt nur in Deutschland raus, vielleicht noch in der Schweiz und Österreich, aber das ist ja praktisch auch Deutschland. Die ganzen Gurkenvölker werden von mir gar nicht erst beliefert, wohingegen die Merkel ja nicht nur Hans und Franz, sondern auch Pedro, Paolo und Costas mit durchzieht…

Morgenpost Online: Abgesehen von einer Nennung im Abspann – mit welcher Rendite dürfen Anleger rechnen?

Bernd Stromberg: The Sky is mal wieder the limit. Geht das Ding durch die Decke, rappelt es richtig im Karton. Wenn wir so durchstarten wie Til Schweiger mit seinen Dreilochhasen und wie die Filmchen alle heißen, dann werden sich etliche Banker die Finger nach uns lecken…

Morgenpost Online: Irgendwelche Sicherheiten?

Bernd Stromberg: Hallo?! Wie heißt denn das Motto der CAPITOL? „Sicherheit ein Leben lang“! Das sagt ja wohl alles…

Morgenpost Online: Die Capitol-Versicherung ist ja selbst Teil der Finanzbranche. Muss man annehmen, dass die Verhältnisse realistisch dargestellt werden?

Bernd Stromberg: Selbstverständlich. Jedenfalls realistischer, als „Bauer sucht Frau“ das Landleben darstellt…

Morgenpost Online: Selbstverliebtheit, Inkompetenz, Sexismus. Welche Stromberg-Charakteristika beschreiben Ihrer Erfahrung nach am treffendsten das Führungspersonal deutscher Finanzhäuser?

Bernd Stromberg: Banker sind die einzigen, die stinkreich werden, wenn es den Banken gut geht und die, wenn es den Banken schlecht geht, stinkreich werden. Das schafft keine andere Berufsgruppe, und insofern ist die herausragendste Eigenschaft der Banker absolute Dreistigkeit. Und das meine ich positiv.

Morgenpost Online: Trotz ausgeprägtem Aufstiegswillen fristet Stromberg ein Dasein auf Unterabteilungsleiterebene. Was läuft falsch in der Finanzbranche?

Bernd Stromberg: Ich verstehe die Frage nicht. Ich bin aktuell Leiter der Schadensregulierung. Und ich bin ja noch jung. Wie man an Guttenberg sieht, kann ich noch ein paar Mal Scheiße bauen und dann reicht's trotzdem noch für Brüssel…

Morgenpost Online: Für den Gestaltungswillen eines Bernd Stromberg böten sich in Griechenland vielleicht Entfaltungsmöglichkeiten. Was wären Ihre ersten Maßnahmen?

Bernd Stromberg: Die alten Griechen haben ja echt was geleistet, aber das ist halt schon ordentlich lange her, und der aktuelle Satz des Pythagoras lautet offenbar „Steuern zahlen – ohne mich!“ Insofern würde ich den Laden zumachen und großflächig der Türkei eingemeinden, da läuft's ja grad ganz rund, und auch ich persönlich habe mit Türken nur beste Erfahrungen gemacht…

Morgenpost Online: Filmfinanzierung per Crowdfunding. Mit anderen Worten: Die Banken wollten Ihnen nichts geben.

Bernd Stromberg: Es gab ganz zu Anfang mal Gespräche mit der Dresdner Bank, dann gab's die Dresdner Bank nicht mehr, und jetzt sieht's auch für die Commerzbank schon düster aus. Also, Banken sind mir einfach viel zu unsicher.

Morgenpost Online: Strombergs Natur ist durch und durch korrupt. Ab wie viel Euro kriegen Großinvestoren eine Nebenrolle?

Bernd Stromberg: Erstens: Die Frage ist eine Frechheit. Zweitens: Ab 50.000 Euro.

Morgenpost Online: Was können Sie uns denn über die Filmhandlung sagen, oder ließe sich auch da noch drüber reden?

Bernd Stromberg: Wir bilden das Leben ab, und das ändert sich ja täglich. Insofern kann man natürlich noch gar nichts sagen, außer dass es hoch hergehen wird. Und niedrig auch. Auf jeden Fall wird es hergehen. Ich für meinen Teil werde richtig die Sau rauslassen…

Morgenpost Online: Die Abteilung Schadensregulierung der Capitol versammelt vom Versager mit Achselnässe bis zur Frustfresserin die menschlichen Abgründe des Büroalltags. Will man das auf Cinemascope sehen, oder gibt es eine entschärfte Version?

Bernd Stromberg: Gucken Sie sich doch an, was für ein Quatsch grad in den Kinos läuft: Blutleere Vampire, schwule Pinguine und gestiefelte Katzen. Nur kitschiges Heititei! Die Leute wollen mal wieder knallhartes Zeug. Davon bin ich überzeugt. Gut, so'n Ernie auf der Leinwand, ist natürlich nix für Kinder, aber ich seh' den jeden Tag in 3D und muss da auch mit klarkommen

Morgenpost Online: Viele Stromberg-Fans müssen selbst fünf Tage die Woche Großraumbüro erdulden. Was meinen Sie – wollen die Stromberg eher siegen oder leiden sehen?

Bernd Stromberg: Fünf Tage die Woche? Ist schon wieder Kurzarbeit, oder was? Spaß beiseite. Meine Fans wollen mich da sehen, wo ich mich auch sehe, nämlich ganz oben. Unten sind die ja selbst, und die meisten bleiben natürlich auch da, deswegen muss ich stellvertretend für alle gewinnen…

Morgenpost Online: In was, außer sich selbst, würde ein Stromberg jetzt investieren?

Bernd Stromberg: Ich sag's mal mit Goethe, Rilke oder wer auch immer das gesagt hat: Wer jetzt kein Haus hat, soll sich auch keins mehr kaufen. Telekommunikation ist gut, denn gequatscht wird immer. Gerade jetzt, wo die Weiber alle eigene Handys haben. Und ich glaube auch, dass sich die Versicherungsbranche lohnt. Ich kann noch nicht drüber reden, aber ich hab' ein paar richtig dicke Dinger in petto…